... auch dieses ein vorangestelltes Zitat: "Von einer furchtbaren Wahrheit zu berichten ist die Pflicht des Schriftstellers, und die Bürgerpflicht des Lesers ist es, sie zu erfahren. Jeder, der sich abwendet, die Augen schließt und vorbeigeht, verletzt das Andenken der Ermordeten." Wassili Grossman
Jechiel (Chil) Rajchman flieht mit seinen Geschwistern und seinem Vater aus Lodz in den östlichen Teil Polens. Dort haben sie einige Zeit Ruhe vor den Besatzern, doch schließlich wird auch die Gegend um Lublin judenrein gemacht: die Menschen werden in Ghettos gesammelt und auf die Arbeits- vor allem aber die Vernichtungslager verteilt.
Als der Zug in Treblinka hält, wird schnell klar, dass alle Hoffnungen vergebens, schlimmste Befürchtungen aber noch übertroffen werden. Rajchman gibt sich in einem Moment als Frisör aus und überlebt. Doch was er überlebt, erschüttert zutiefst. Wer bezweifelt, dass die Judenverfolgung wahrscheinlich der größte Raubmord in der Menschheitsgeschichte war - mit deutscher Gründlichkeit und Effizienz durchgeführt - , der möge dieses Buch lesen.
Treblinka war Teil der Aktion Reinhard, in der viele der "Experten", die zuvor bei der Aktion T4, der Beseitigung lebensunwerten Lebens zur Pflege der deutschen Rasse, ihre Erfahrungen einbringen und weiterentwickeln konnten. So starben die Opfer von Treblinka an den Abgasen eines requirierten sowjetischen Panzermotors - über eine Zeitdauer von 20 bis 45 Minuten.
Dieser Bericht ist meines Erachtens überaus wertvoll. Etwas geärgert hat mich allerdings das Vorwort wegen Schlamperei: Lodz liegt nicht im Ostteil Polens. Dafür, dass das Buch erst 2009 erschienen ist, ist es auch verwunderlich, dass die französische Verfasserin des Vorworts nur auf zwei weitere Texte von Überlebenden hinweist, während beispielsweise Marek Edelmans "Das Ghetto kämpft", das ebenfalls sehr zeitnah, kurz nach dem Krieg, abgefasst wurde, nicht erwähnt wird. Hier macht sich vielleicht auch das Engagement unserer deutschen Verleger bemerkbar, die sich große Mühe geben, möglichst viele Quellen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Mein Gemecker gilt aber Kleinigkeiten, die niemenden davon abhalten sollen, diesen Bereicht eines Augenzeugen zu lesen. Denn das Vorwort liefert dazu auch einige gute Hintergrundinformationen.