Reinhard Mey war schon zu Beginn seiner Laufbahn ein unglaublich reifer Liedermacher. Natürlich ist vieles Geschmacksache, doch finde ich, dass er ? wie hier - noch als Suchender, einfach weit besser war, als später der Familienmensch. Und gerade vom Start weg lohnen alle Alben. Dennoch bemerkt man von Album zu Album eine echte Steigerung, die irgendwo bei ?Wie vor Jahr und Tag? oder bei ?Ikarus? einen unglaublichen Höhepunkt erlebt.
?Ich bin aus jenem Holze? liegt innerhalb Meys großer Frühwerk-Top 10 irgendwo in der soliden Mitte, es liegt bereits endgültig auf einem unglaublich hohem Niveau: unglaubliche Texte und auch musikalisch viele interessante Facetten, verträumte Liebeslieder und ein ironischer Superhit ? wer ?so was? mag, darf das Werk nicht auslassen:
01. Das Geheimnis im Hefeteig ? Unglaublich, etwas verrückt vielleicht sogar, auf alle Fälle kein 08-15 Song, und irgendwo wohl eine Persiflage auf Agenten-Thriller jener Zeit ? auf ein ähnliches Thema kommen wir noch später ....
02. Längst geschlossen sind die Läden ? ein einfaches oder einfach schönes Liebeslied
03. Der Mörder ist immer der Gärtner ? wer hier liest kennt den Knüller, von wegen wir kommen wieder auf TV-Parodien zurück. Wer den Song NICHT kennt und hier nur aus Interesse an Mey blättert, kennt wohl auch die ?Wolken? nicht ....
04. Cantus 19 B ? kein Ohrgänger, aber voll mit Absicht.
05. Ich glaube, so ist sie ? Meys schönstes Liebeslied; na gut nach ?Sommermorgen?
06. 71 1/2 Ist es wirklich schon so lange her? Nun, dumme Neuhjahrsvorsätze kennen wir ja immer noch.
07. Ich bin aus jenem Holze ? ein 5-Sterne Klassiker, die textlich vielleicht beste Selbstbildnis-Metapher, die je ein Musiker produziert hat (von Lebensrückblick-Liedern einmal abgesehen).
08. Der irrende Narr ? geht ganz tief unter die haut, von der Musik und auch vom Text ? alleine die Passage: ?Er riecht nach Armut und bittrer Not - Du gibst Ihm reichlich Wein und Brot, aber Du bittest ihn nicht herein!? kann was ....
09. Ich trag? den Staub von deinen Straßen ? eine wunderschöne Liebeserklärung an die Heimat, an jedermanns Heimat, doch ganz speziell natürlich an Reinhard Meys Berlin
10. Maskerade ? bittersüße Satire ? ein zynisches Anti-Kriegslied der Sonderklasse
11. Seifenblasen Dieses Album hat keine Schwächen ? wenn ich künstlich eine Suchen will, dann ist es diese Nummer: Hier hinkt die Musik hinter dem Text nacht.
12. Sie ist zu mir zurück gekommen Euphorie pur: ?Holt meine Widersacher rein, auch sie soll?n bei der Feier sein?, ?Ich finstrer Heide mach mich ran, zünd Kerzen in den Kirchen an, sie ist zu mir zurück gekommen, bestecht die Küster, bis Sie woll?n, dass alle Glocken läuten sollen? ? was soll man da noch schreiben?