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Ich bin Zeugin: des Ehrenmords an meiner Schwester [Gebundene Ausgabe]

Nourig Apfeld
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

Interview mit Nourig Apfeld: Jetzt lesen [48kb PDF]
  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Wunderlich; Auflage: 2 (17. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3805250134
  • ISBN-13: 978-3805250139
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 267.365 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Nourig Apfeld
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Wenn die eigene Familie zum Todfeind wird Nourig Apfeld ist sieben Jahre alt, als sie mit ihrer Familie aus Syrien nach Deutschland kommt. Schon bald rebelliert ihre Schwester Waffa gegen die strengen Regeln der muslimischen Eltern. Diesen Freiheitsdrang bezahlt sie nach jahrelangen Auseinandersetzungen mit ihrem Leben: 1993 wird sie von der eigenen Familie ermordet. Nourig wird gezwungen, den Mord mitanzusehen, und flieht – aus Angst, dass ihr das gleiche Schicksal droht. Mit starkem Willen und unerschütterlicher Zuversicht kämpft Nourig für einen Neuanfang und studiert Medizin. Doch nach vielen Jahren wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt; Polizeibeamte fangen Nourig auf dem Weg zur Arbeit ab und nötigen sie zu einer Aussage. Damit der deutsche Staat den Prozess gegen die Mörder ihrer Schwester eröffnen kann, wird ihr ein neues Leben im Rahmen des Zeugenschutzprogramms zugesagt, doch nach ihrer Aussage und der Verurteilung ihres Vaters wird das Versprechen einer neuen Identität nicht eingelöst. Wieder ist Nourig auf der Flucht vor der Rache ihrer Familie.

Über den Autor

Nourig Apfeld wurde 1972 in Syrien geboren und kam 1979 nach Deutschland. Sie lebt heute in einer deutschen Großstadt und studiert Psychologie.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Positiv
Format:Gebundene Ausgabe
Bestimmt gibt es viele Menschen, die im Zeichen der Zeit beim Blick auf den Titel entscheiden, das Buch nicht zu lesen, nach dem Motto: "Nicht schon wieder so etwas Belastendes." Tatsächlich aber beginnt das Buch spannend und lustig, auf sehr klevere Weise ermuntert es somit automatisch, weiter zu lesen.

Es bleibt dann sehr spannend und informativ. Ich erlebte es beim Lesen als große Bereicherung, den oft in unserem Land geschürten Vorurteilen gegenüber Asylanten und ethnischen Minderheiten einen Gegenpol gesetzt zu bekommen und sich ganz natürlich in die oft auch rührend beschriebene Perspektive der kleinen Nourig hinein zu versetzen und mit ihr zu fühlen.

Im weiteren Verlauf des Buches wird die Geschichte erwartungsgemäß immer dramatischer. Der Buchtitel gibt es ja bereits vollständig vor (was dieses Buch vermutlich in den folgenden Auflagen nicht mehr nötig haben wird!). Der traurige "Höhepunkt" des sog. Ehrenmords an der eigenen Schwester wird dann nur überraschend kurz beschrieben. Diese Art der Darstellung ist dabei nur glaubwürdig. Denn es handelt sich ja um ein kurzes, in völliger Erstarrung wahrgenommenes Schockerlebnis. Doch die Geschichte der inzwischen volljährigen Nourig geht weiter und somit hat das Buch noch wesentlich mehr zu bieten.

Alleine schon die Aufdeckung der inhumanen Methoden eines offensichtlich skrupellosen, heuchlerischen, sensations- und karrieregeilen Presse- und v.a. Polizei-Machtapparates in der Gegenwart eines der - von seinem Ruf her - weltweit besten Rechtsstaatssysteme beschämt, ist mehr als skandalös und macht dieses Buch wundervoll mutig, ermutigend und so besonders wichtig!

Auch die ganz am Ende vorgenommene Auseinandersetzung mit der "Kopftuchproblematik" war für mich lehrreich, da dieses Problem für mich bislang keines war. Jedenfalls kein Problem von besonderer Priorität. Für mich stand bisher einfach nur der wichtigste soziale und humane Wert im Vordergrund, der sich bezeichnen lässt als: "Vorurteilsfreie Akzeptanz des Anders-Seins." Die Aggressivität, mit der manche deutschen Männer mit Unterstützung entsprechender Schlagzeilen in der BILD-Zeitung auf kopftuchtragende Frauen hetzen, hat mich stets instinktiv, innerlich schaudern lassen. Ist es doch dabei immer zu offensichtlich, dass solche Männer sich zugleich Null für andere soziale Leiden von offensichtlich noch dramatischerer Brisanz interessieren. Somit drängte sich mir hier oft der Verdacht auf, dass das Thema "Unterdrückung von muslimischen Frauen" von westlichen Männern als vermeintlich edles Alibi-Motiv hervor geholt wird. In Wirklichkeit, so schien mir oft, sind diese Männer mächtig darüber frustriert, dass ihnen die Macht genommen wird, sich nicht orientieren zu können, ob es sich lohnt, sich in ihren (oft unerfüllten) Phantasien am Anblick dieser orientalischen Frau zu erfreuen oder nicht ...

Kurz: Ich finde es einfach unendlich wichtig, Andere ihr Leben nach deren Vorstellungen leben zu lassen (sie werden schon ihre Gründe dafür haben und diese Gründe interessieren mich, zunächst einmal, überhaupt nicht). Es gilt, niemand anders gegenüber zu versuchen, die eigenen Werte und Gewohnheiten aufzudrücken. Denn diese basieren ja ebenfalls nur auf kulturell angelernten und ansozialisierten, meist in keiner Weise in ihrer Sinnhaftigkeit hinterfragten und oft gewissermaßen willkürlichen Konstruktionen ... Nourig Apfeld hat mich hier in ihrem Nachwort deutlich erweiterte Aspekte gelehrt, in ihrer Begründung der Ablehnung des Tragens von Kopftüchern, zumindest bzgl. des Tragens in Schulen und Universitäten, und ich akzeptiere diese Perspektivenerweiterung gerne.

Vor und während der Lektüre habe ich verschiedentlich hier und da gehört, dass sich dieses Buch insbesondere dadurch auszeichnen würde, dass es nicht anklagend sei.
Ich bin grundsätzlich skeptisch, wenn ich so etwas höre. Es sagt sich so leicht; solch verbale Bescheidenheit klingt manchmal schick und vermag oft ein für sich selbst werbendes Motiv nicht wirklich zu verbergen. Nicht erst seit, doch spätestens seit dem allerletzten Satz in diesem Buch, weiss ich, dass es wahr ist: Weniger anklagend hätte man es nicht formulieren können. Verständnisvoller, weitsichtiger und deutlicher von unerschütterlicher (Nächsten-) Liebe geprägt kann ein Mensch, mit diesem Erlebnis- und Erfahrungshintergrund einer solchen persönlichen Familiengeschichte, wie derjenigen, der Autorin, nicht mehr umgehen.

Vor einiger Zeit hat mich einmal beeindruckt und geprägt, dass ein großer Kunst- und Literaturkenner sagte:

"Ein Lied, ein Gedicht, ein Buch ist erst dann ein großes Werk, wenn es dich zum Weinen bringt."

Dieses Buch trieb mir an verschiedenen Stellen die Tränen in die Augen. Am heftigsten, unerwartetesten und als eine wunderbare, unglaublich intensive und reinigende Erfahrung, geschah dies aber genau in dem Moment, als ich das Buch fertig durchgelesen hatte und endgültig zuschlagen wollte. Jetzt brachte mich der allerletzte Satz zum unvermittelten, nicht aufhaltbaren (und nicht aufhalten-wollenden!) Weinen. Und das, während ich nur die erste Hälfte dieses letzten Satzes des Buches gelesen hatte. So habe ich es in meinem gesamten Leben noch mit keinem anderen Buch je erlebt. Und: "Vorsicht, langsam bitte!" sei denjenigen gesagt, die da jetzt munkeln mögen: "Was iss'n das für'n Weichei, der sowas schreibt; "Weinen müssen, als Mann!": Ein vielfacher Marathonläufer, Hubschrauberpilot, Alleingänger im Dschungel-Regenwald, regelmäßig kalt Duschender, Freund von Heavy Metal und Punkmusik, Zombie- und (niveauvollen) Horrorfilmen und jemand, der Wochen an Freiwilligenarbeit in der Gedenkstätte Ausschwitz geleistet hat, ist nicht notwendigerweise soft und nichts "Hartes" gewohnt ...

Was für eine mutige, kraftvolle und doch zugleich friedvolle Waffe stellt dieses Buch dar, sich durch die Veröffentlichung mit der (hier ja lediglich exemplarischen!) Geschichte, die so oder ähnlich tausendfach menschenrechtsverletzend erlebt werden muss, zur Wehr zu setzen! Zur Wehr zu setzen gegen barbarischen, menschenverachtenden Machismus, der in individuell übersteigertem Unrechtsverhalten allerdings auch Ruf & Frieden einer ganzen Kultur (und eines ganzen Geschlechts!) ruiniert, die ja zweifelsfrei ihre guten Seiten hat, und dies sehr konkret zur Folge hat, dass Millionen von guten Menschen diskriminiert werden, die an den Koran glauben UND Gewalt verabscheuen.

Selbst wenn jemand die gesamte biographische Darstellung von Nourigs Lebensgeschichte in diesem Buch allein noch nicht reichen würde, um es als sehr lesenswert und wertvoll zu betrachten: Allein das qualitativ so hochwertig und bedeutungsvoll, sehr informativ und angenehm verständlich formulierte Vorwort von Günter Wallraff sowie Nourig Apfelds Nachwort haben den Erwerb dieses wichtigen und wunderbaren Buches schon vielfach bezahlt gemacht.

Das Buch bietet viel und ich habe damit sehr interessante Erfahrungen gemacht und sehr viel davon gelernt.

Pflichtlektüre. Vorderer Ehrenplatz in der Büchersammlung. Danke!
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mikel
Format:Gebundene Ausgabe
Die Rezension von Martin kann ich nicht teilen. Ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen und es ist frei von Hass. Nourig Apfeld rechnet in ihrem Buch nicht ab sondern schildert klar und sachlich was ihr persönlich widerfahren ist. Ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung bringt es auf den Punkt. "Das Buch der Kurdin Nourig Apfeld über den Mord an ihrer Schwester ist ein Plädoyer für Integration und Verständnis...Alle Dramatik liegt im Geschehen selbst, nichts wird besonders hervorgehoben. Auf keiner Seite kommt das Gefühl auf, man hätte es mit Fiktion zu tun Selbst den Mord an ihrer 17-jährigen Schwester handelt sie in wenigen fast hilflos wirkenden Sätzen ab - so hilflos wie die Protagonisten dieses Verbrechens selbst sind."
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11 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Humanist
Format:Gebundene Ausgabe
' ' und ein einhelliges Urteil. Nachdem wir die folgende Rezension gelesen hatten, erwarben wir das Buch "Ich war Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester" von Nourig Apfeld:

Sehr eingenommen ist Rezensentin Cigdem Akyol für Nourig Apfelds Autobiografie 'Ich bin Zeugin des Ehrenmords an meiner Schwester'. Der Titel scheint ihr weniger gelungen, der Rest des Buchs dafür umso mehr. Sie würdigt es als 'nüchternes, zutiefst persönliches und schonungsloses Dokument deutscher Wirklichkeit'. Apfelds Buch zeichnet sich für sie aus durch einen respektvollen Ton, einen differenzierten sachlichen Blick und den Verzicht auf Pauschalisierungen - ganz im Unterschied zu der aktuellen aufgeregten Debatte um angeblich integrationsunwillige Muslime. Angesichts dieser Debatte, die sich nach Ansicht der Rezensentin 'viel zu sehr um Thilo Sarrazin dreht' und die 'ernsthaften Migrationsthemen aus dem Blick verliert', kann sie Apfelds Autobiografie nur zur Lektüre empfehlen. (Perlentaucher.de/Buch)

Tatsächlich haben wir, vier Personen, uns das Buch regelrecht aus der Hand genommen. Eine Leserin begann zu lesen und las es 'in einem Zug' durch bis zur letzten Seite. Sie konnte es nicht weglegen. Nach einer Woche waren sich alle vier Personen einig:
1. Das Buch ist spannend geschrieben, ohne auf Tränendrüsen zu drücken oder gewollt Spannungseffekte zu erzeugen.
2. Im Gegenteil: Es ist tatsächlich ein sehr sachlich gehaltener Bericht, der niemanden anklagt, sondern allen Möglichkeiten aufzeigt, wie Integration besser verlaufen kann.
3. Man kann die Protagonistin regelrecht auf ihrem Weg begleiten und sich nur wundern, mit welcher Willenskraft sie es geschafft hat, sich selbst (ohne Hilfe von Behörden oder besonderer Maßnahmen) in ihrer neuen Heimat zu integrieren und binnen kürzester Zeit die deutsche Sprache zu erlernen, was sie auch selbst als Grundlage ihrer erfolgreichen Integration betrachtet.
4. Bewundernswert auch die Strategie, die Nourig schon als Kind einschlug, um von dem Spagat zwischen den archaischen Strukturen ihrer Herkunftsfamilie und der Welt, in der sie leben wollte, nicht zerrissen zu werden.
5. Sie beschreibt nicht nur, wie es zum Mord kam, das Wort 'Ehrenmord' wurde nicht wirklich geschrieben, da ein Mord nie ehrenhaft sein kann, sondern sie zeigt deutlich auf, welche Schwierigkeiten es für Immigranten zu überwinden gilt, wenn sie unvorbereitet in einen neuen Kulturkreis kommen.
6. Sie zeigt, dass es darauf ankommt, sich in den neuen Kulturkreis integrieren zu WOLLEN und nicht zu versuchen, die Strukturen aus der 'alten Heimat' zu importieren.
7. Eine große Hilfe für Nourig war es, dass sie mit der naiven Neugierde eines Kindes ihre neue Welt zu erkunden versuchte. Schon mit sieben Jahren erkannte sie, dass Integration und Akzeptanz in der neuen Heimat nur über Kommunikation erfolgen kann. Und um die neue Umgebung verstehen zu können, im wahrsten Sinne des Wortes, muss man die Sprache beherrschen. Die erlernte sie im Verlauf der Jahre so gut, dass sie sich, selbst nach ihren traumatischen Erfahrungen, in diesem Bericht hervorragend zu artikulieren weiß.

Und was Nourigs Herkunftsfamilie angeht: Der heimtückische Mord an Waffa ist eine Schande für Nourigs Vater und ihre Cousins. Mit diesem mutigen Buch hat Nourig die Ehre der Familie wieder hergestellt.

Die oben genannte Rezensentin hat mit ihrem Urteil in keiner Weise übertrieben. Der Grund für unsere Bewertung mit vier Mal 5 Sternen ist, dass dieses Buch nicht nur spannend verfasst ist, sondern auch das Buch ist, das in der derzeitigen Debatte um Integration am hilfreichsten ist, sich angesichts der Schilderung der Tatsachen, eine begründete Meinung zu bilden.
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