Rumänien, 1942: Die Nazis führen geheime Experimente mit einem übersinnlich begabten Mädchen durch, das andere Menschen per Gedankenkraft steuern kann. Die Resultate scheinen sogar den Kriegsausgang zu Gunsten des dritten Reichs beeinflussen zu können. Zur selben Zeit in England: Mitglieder des englischen Geheimdiensts untersuchen mysteriöse Mordfälle und versuchen parallel dazu die laufenden Experimente der Deutschen zu sabotieren. Doch sie wissen nicht, dass sich unter ihren Vorgesetzten bereits Verräter eingeschlichen haben. Und dass sogar Vlad Tepes, alias Graf Dracula, und seine Verwandtschaft eine Rolle im Komplott spielen.
Auch wenn sich der Plot von «Ich bin Legion» nach einem B-Movie anhört, in dem demnächst Zombie-Nazis aufmarschieren, lohnt sich ein genaueres Hinsehen. Der abgeschlossene Einzelband ist eine interkontinentale Zusammenarbeit von US-Zeichner John Cassaday, der sich vor allem mit diversen Cover-Illustrationen einen Namen gemacht hat, und dem französischen Autor Fabien Nury. Die beiden kombinieren gekonnt Elemente von amerikanischen und europäischen Comics. So paart sich eine cineastisch stimmige Atmosphäre inklusive satten, düsteren Farben mit dem angelsächsischen Gespür für die dynamische Anordnung der Panels, die Action-Szenen zeigen. Bei der Panelstruktur zeigt sich «Ich bin Legion» eher konservativ, ist solid und geht keine Wagnisse ein. Das Szenario mit den unzähligen militärischen Intrigen erweist sich als spannend und vermag zu fesseln. Mängel sind aber bei der Charakterentwicklung sichtbar: Die relativ vielen Figuren bleiben grösstenteils eindimensional und wirken austauschbar. Zudem macht die Mystery-Schiene, in die sogar Graf Dracula eingespannt wird, einen aufgesetzten Eindruck. Wenn man schon den alten Blutsauger aus der Mottenkiste holt, wünscht man sich eine plausiblere Erklärung für sein Erscheinen, als jene, die der Band liefert. Ein grosses Plus ist der Essay am Schluss des Bandes von Spiegel-Autor Stefan Pannor. In einer ausführlichen Erörterung zeigt er die Anfänge, verschiedenen Entwicklung und Kooperationen der amerikanischen und europäischen Comic-Kultur vom 19. Jahrhundert bis zum vorliegenden Band. (Sasa Rasic bei Comic-Check)