Dem Himmel sei Dank, dass aus dem Jungen noch etwas geworden ist. Als schwer erziehbarer Pennäler flog Stephen Fry nicht nur von jeder Schule, die das Pech hatte, seiner Anwesenheit teilhaftig zu werden, sondern verbrachte auch einige Monate im Jugendknast. Heilsame Monate, denn kaum in Freiheit wandelte sich der durchtriebene, boshafte, stehlende und notorisch lügende Halbstarke zum bewunderten Senkrechtstarter. Die Lebensgeschichte eines Hochbegabten. Eine ungeheuer spannende Lebensgeschichte, die einen wunderbaren Einblick in die Studentenwelt Cambridges zu Beginn der Achtzigerjahre erlaubt, eine eloquente Innenansicht, immer mit einer gehörigen Portion Selbstironie vorgetragen, äußerlich zwar bescheiden, aber doch mit berechtigt selbstbewusstem Stolz. Dieser Mann ist mit dem Gedächtnis eines Elefanten gesegnet, spielte parallel in drei Theatergruppen 10 Rollen in 6 Produktionen. Schrieb nebenbei selber Stücke, eroberte das schottische Fringe-Festival, ging auf internationale Tourneen und machte bald erste Fernseherfahrungen. Ein geradezu atemberaubendes Netzwerk zu den literarischen und schauspielenden Topstars seines Jahrgangs sorgte (und sorgt bis heute) glücklicherweise dafür, dass aus Stephen Fry kein bornierter Hochschullehrer sondern ein mediales Multitalent wurde. Was Fry an Erlebnissen auf eine Seite packt, das erreichen andere nicht in einem ganzen Leben. Und am Ende des Buches ist der Mann noch keine 25. Es ist übrigens Band zwei seiner noch im Werden begriffenen Autobiografie. "Meine goldenen Jahre" ist ein brillant geschriebener Parforceritt durch ein außergewöhnliches Leben, schillernd und mitreißend, mit einer fast autistischen Liebe für Details und Personen. Ich habe mich mehr als einmal gefragt, wie jemand nach 30 Jahren noch die Namen sämtlicher Darsteller, Regisseure, Bühnenbildner und Agenten im Kopf haben kann, denen er jemals begegnet ist. Ich könnte nicht einmal mehr alle meine Klassenkameraden mit Namen ansprechen. Vielleicht ist aber auch dieses Netzwerk das eigentliche Geheimnis von Frys Erfolg - neben seinem unglaublichen Fleiß, seiner fast schon beängstigenden Konzentrationsfähigkeit, seiner unerschöpflichen Kreativität, seinem ausgeprägt britischen Humor, seiner artistischen Sprachbeherrschung (er LIEBT das besondere Adjektiv...), seinen geschliffenen Umgangsformen, seiner... ach, es nutzt alles nichts. Das Buch muss man einfach lesen, eine kümmerliche Nacherzählung kann immer nur ein Abklatsch sein und billige Lobhudelei wäre Stephen Fry sicher ein Graus. Ganz sicher.