Der kanadische Comiczeichner Chester Brown(Ed The Happy Clown,The Playboy,Louis Riel)entschloß sich 1996,keine "romantische Liebe" mehr in seinem Leben zu erwarten,sondern sich auf käufliche Liebe zu verlagern. "Eine Last,die ich seit meiner Jugend herumtrug,war abgefallen. Die Last ist nie zurückgekehrt." schreibt er in einer kurzen Sequenz des Buches. "Nach all den Jahren habe ich erkannt,was mich glücklich macht,und mein Leben entsprechend geändert." Bei seinen Freunden,die wie er hauptberufliche Comiczeichner sind,stößt sein Entschluß auf Unverständnis. Einige versuchen,ihn in Diskussionen von der Unrichtigkeit seiner Entscheidung zu überzeugen. Sie geben alle möglichen Gründe an,warum Prostitution ethisch falsch ist und versuchen,ihm ein schlechtes Gewissen einzureden. Letztendlich müssen sie sich aber alle seinen Argumenten beugen oder zumindest seine Entscheidung,die er niemals bereut hat,akzeptieren. Im Anhang schreibt sein Freund Seth:"Prostitution ist nicht für jeden Mann das Richtige,aber für ihn schon. Das Lustige ist,dass Chester von all den Männern,die ich kenne,höchstwahrscheinlich der rücksichtsvollste Freund oder Ehemann sein würde...und doch ist er es,der sich für Huren entschieden hat. Die Welt ist komisch."
Aber auch seine "Kritiker" sollten letztendlich ebenso recht behalten wie er,denn im Laufe der Zeit hat sich eine Art "romantische Liebe" zu einer Prostituierten entwickelt,die sich in eine Monogamie entwickelt hat,obwohl er sie nach wie vor bezahlt.
Das Buch behandelt auf 227 Comicseiten die Zeit von 1996 bis 2010,in denen Brown etliche verschiedene Prostituierte besuchte und seine Erfahrungen niederschrieb. Das Buch spielt allerdings in Kanada,wo die Gesetzeslage sich von der im heutigen Deutschland teilweise sehr unterscheidet. Gemeinsamkeiten gibt es aber immer noch genügend,vor allem die Meinungen darüber betreffend,ob es richtig oder falsch ist,Prostitution auszuüben,zu "benutzen" oder fördernd zu unterstützen. Darüber ist sich Brown bewußt,weshalb dem Comic ein über 90 Seiten langer Anhang in Buchform angefügt wurde. In diesem listet Brown alle Argumente gegen Prostitution auf,die ihm je zu Ohren gekommen sind,und versucht,diese argumentativ zu entkräften,was ihm in den meisten Fällen auch gelingt.
Der Comic selbst richtet sich vor allem an alle Männer,die noch mit sich hadern,einmal bezahlte Liebesdienste in Anspruch zu nehmen und versucht natürlich,diesen Männern für dieses Experiment Mut zu machen. Eine gewisse nüchterne Betrachtung oder Pragmatismus ist jedoch vonnöten,denn ansonsten ist man einfach nicht "der Typ dafür". Jeder kennt wohl Männer in seinem Freundeskreis,die niemals im Leben für körperliche Liebe bezahlen würden,weil sie es einfach falsch finden. Dazu kommt,dass der Comic relativ schwach gezeichnet ist. Die Reduzierung auf einfachste Darstellung unterstützt den Lesefluss der telweise pragmatischen Handlungsstränge. Obwohl Brown versucht,durch Gespräche eine intimere Atmosphäre zu seinen Partnerinnen aufzubauen ist er doch sehr kaltschnäuzig in der Auswahl seiner Liebesdienerinnen. Als zahlender Kunde ist das natürlich sein gutes Recht,vermittelt aber trotzdem in dargebrachter Form ein gewisse Frauenfeindlichkeit,die in vielen Szenen Empathie vermissen läßt. Dafür ist ihm der Schutz seiner Partnerinnen wichtig. Er veränderte für dieses Buch Frisuren,Namen und manchmal sogar die Hautfarbe seiner Geschäftspartnerinnen;und das Gesicht einer Hure sieht man auf keinem einzigen Panel. Letztendlich ist der Comic nicht perfekt,aber ziemlich gut,und zusammen mit dem Anhang ergibt das schon ein wichtiges Werk,das ich entsprechendem Klientel empfehlen kann.