Durch mein Interesse an den Wirren des russischen Bürgerkrieges bin ich irgendwann auf die Person des Roman Fjodorowitsch Baron von Ungern Sternberg gestossen.Es gibt nicht allzuviel bezeugte Zeitdokumente über ihn, am interessantesten und aussagekräftigsten sicherlich die Beobachtungen von Ferdinand Ossendowski in seinem sehr zu empfehlenden Reisebericht "Tiere, Menschen und Götter". Hier liegt nun ein Roman vor, welcher ursprünglich 1938 erschienen war. Er versucht, sich dieser schillernden und konsequent grausamen Person zu nähern und dies gelingt meiner Meinung nach überraschend gut. Er ist eine Art "Kreuzritter" seiner Zeit, fanatisch getrieben von seinen Zielen. Solche Personen gab es immer wieder in der Geschichte und in allen Kulturkreisen und jede Menge Blut klebte an ihren Händen. Man kann sich gut in die chaotische Zeit damals in der Mongolei nach dem Ersten Weltkrieg einfühlen und bekommt ein Gespür für den Wahnsinn des Bürgerkrieges. Die Charaktere sind gut gezeichnet, wenn auch etwas pathetisch im Stile der damaligen Zeit. Besonders gut getroffen der unheimliche und geradezu ekelerregende Geheimdienstchef von Sternberg, Sjipailow. Alles in allem ein interessantes Lesevergnügen über eine faszinierende historische Person an der Grenze zum Wahnsinn. Weiters befindet sich im Buch auch ein "Dramatische Ballade" namens "Kreuzzug 1921". Diesem Machwerk konnte ich gar nichts abgewinnen und quälte mich durch die Seiten. Seltsames Stück. Abgerundet wird das hochwertig aufgemachte Buch dann mit einem Nachwort mit Fakten und den wenigen Fotos aus der damaligen Zeit. Sternberg sieht darauf tatsächlich ziemlich irr aus. Fazit - ein guter Roman über ein faszinierendes Thema, ein schlechtes Theaterstück aber insgesamt eine runde Sache.