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Ich bedaure nichts: Tagebücher 1955-1963 (Brigitte Reimann)
 
 
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Ich bedaure nichts: Tagebücher 1955-1963 (Brigitte Reimann) [Taschenbuch]

Brigitte Reimann , Angela Drescher
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 429 Seiten
  • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 5 (1. August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746615364
  • ISBN-13: 978-3746615363
  • Größe und/oder Gewicht: 19,5 x 12,1 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 290.333 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Brigitte Reimann
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Der Rezensent hatte keine Lust auf das Buch. Die Begeisterung der Reimann Fans in seiner Umgebung gingen ihm ebenso auf die Nerven, wie der Enthusiasmus von Karasek und Ranicki, abgedruckt auf dem Umschlag.

Bei der Lektüre änderte sich daran zunächst wenig: Bettgeschichten in anhaltinischer Provinzstadt. Vor 50 Jahren. Heute mit Fritz, morgen mit dem eigenen Gatten, übermorgen mit Franz. Dazwischen Selbstzweifel, Streit, Geldsorgen: Du meine Güte!

Zwei Lese-Abende später hatte ich ein anderes Problem: Wie schreibt man eigentlich eine Hymne? Das Buch zählt, daran besteht kein Zweifel, zu den großen Tagebüchern der deutschen Literatur. Es packt einen, man liest und liest, wird ärgerlich, traurig, bekommt Angst, freut sich und lacht mit der Heldin, die so vieles ist: manische Aufschreiberin, große Liebende, parteilos, parteiisch, Literaturstar zu Lebzeiten, Ulbrichts Hätschelkind zu ihrem Entsetzen, Dissidentin. Und im Herzen immer katholisch.

Brigitte Reimann ist seit fast 30 Jahren tot. Die völlige Verluderung ihrer geliebten DDR hat sie ebenso wenig erlebt wie deren Ende. Ihre Tagebücher sind politisches Denkmal der Hoffnungen, die die DDR einst band und des Wahnsinns dieser Hoffnungen. Wie Victor Klemperer sah Reimann den Faschismus in vielen Aspekten des -- vorgeblich sozialistischen -- Alltags.

Den Leser aber berühren andere Dinge und den Rang des Buches macht etwas anderes aus: Eine reißende, bis zur Selbstzerstörung gehende Leidenschaftlichkeit bei zugleich kalter und klarer Beobachtung der eigenen Person, der Menschen und Entwicklungen um sie her.

Es gibt sie noch, die guten Dinge. Jede Wette, dass Sie es mehrmals lesen werden. Eine Anschaffung fürs Leben. --Michael Winteroll

Kurzbeschreibung

„Ich habe zu früh Erfolg gehabt, den falschen Mann geheiratet, in den falschen Kreisen verkehrt; ich habe zu vielen Männern gefallen und an zu vielen Gefallen gefunden“, schreibt Brigitte Reimann 1959. Vielleicht sind diese Tagebücher ihr eigentlicher Roman: die Lebensgeschichte einer leidenschaftlichen, lebenshungrigen, kompromißlosen Frau und zugleich eine Dokumentation des Alltags in den fünfziger und sechziger Jahren. „Ich weiß nicht, wann ich wahrhaftig ich selbst bin, am Schreibtisch oder sonst. Ich frage mich, ob all meine Kraft und meinen Mut die auf einem Blatt Papier geschaffenen Menschen fressen oder ob ich gar keine Kraft und keinen Mut habe und sie gerade deshalb meinen Gestalten gebe.“ Brigitte Reimann schrieb diese Sätze mit 29 Jahren. Mit der für sie typischen Radikalität benannte sie ihre Konflikte als Autorin und als Frau: leben wollen und schreiben müssen, geliebt werden wollen und wahrhaftig sein müssen. Sich allem immer ganz hinzugeben, und zwar sofort, gehörte zu ihren dominierenden Charakterzügen, und sie selbst stand hilflos der eigenen Lebenswut gegenüber und trieb sich doch ständig an: „Wer weiß, wie lange ich noch lebe ...“ Gestorben ist sie zehn Jahre später an Krebs, aber eigentlich war es die Überdosis Leben, die sie ihrem Körper zugemutet hat - Affären, Arbeit, Alkohol -, die sie so früh sterben ließ, und eben jene zerstörerischen Selbstzweifel. So manisch, wie sie alles betrieb, hat sie seit ihrer Jungmädchenzeit Tagebuch geführt. Die frühen Aufzeichnungen hat sie selbst vernichtet. Dieser erste Band der Edition ihrer Tagebücher setzt ein, als sie sich von ihrem ersten Ehemann zu trennen beginnt, den Schriftsteller Siegfried Pitschmann kennenlernt und mit ihm in eines der neuen Industriezentren, nach Hoyerswerda, zieht. Dort schreibt sie zwei ihrer wichtigsten Bücher, und die Lebensbedingungen in Hoyerswerda drängen ihr den Stoff für „Franziska Linkerhand“ auf. Wegen ihres leidenschaftlichen Engagements wird sie in Kommissionen des Politbüros berufen, aber bald wird ihr klar, daß die falschen Leute sie für ihre Ziele vereinnahmen wollen. Und so sind die Tagebücher nicht nur Dokument der Emanzipation einer Frau von herrschenden Moralvorstellungen und einer Schriftstellerin von dogmatischen Erwartungen, sondern auch einer politischen Desillusionierung.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Welch eine interessante, leidenschaftliche Frau! Ohne Zweifel gehören Brigitte Reimanns Tagebücher zu den wichtigsten Zeitzeugnissen zum Schriftstellerleben in der ehemaligen DDR. Reimann schildert ihr chaotisches Liebesleben, das ständige Ringen um Anerkennung als Literatin und das Alltagsleben in der DDR mit bestechender Ehrlichkeit und in einer klaren, kraftvollen Sprache. Besonders interessant ihr Umgang mit der Stasi. Unbedingt empfehlenswert.
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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Neue Welt 7. Februar 2001
Format:Taschenbuch
Zufaellig fiel mir zuerst der zweite Band der Tagebuecher in die Hand- ich war hin und weg. Unheimlich fesselnd und interessant. DDR Alltag einer nicht alltaeglichen und mutigen Intellektuellen. So hatte ich mir das Leben nicht vorgestellt, in diesem Staat von dem ich bisher leider nicht viel mehr wusste, als diese ewigen Schlagworte. Eine neue, hochinteressante Welt tat sich auf!

Dazu kommt eine extrem lebenshungrige, leidenschaftliche und doch manchmal kuehl analysierende Frau.

Ich habe mir sofort auch den ersten Band besorgt. Der ist zu Anfang etwas chaotischer und sehr privat, die interessanten politischen Aussagen des zweitens Bandes fehlen zunaechst, aber im Laufe der Lektuere kommt das auch noch, und wie!

Ein Manko gibt es allerdings, aber daran ist nicht BR schuld, sondern die Herausgeberin. Am Ende des Buches sind Anmerkungen und Ergaenzungen. Keinerlei Hinweise darauf (wie zum Beispiel ganz simple Fussnoten) im ersten Teil. Damit koennte man leben, ich habe einfach 2 Buchzeichen benutzt und auf gut Glueck nachgesehen, ob bestimmte Dinge erklaert werden. Und genau hier kommt der Schwachpunkt. Es wird zwar vieles erklaert, aber noch mehr nicht erklaert, man koennte hier sehr viele Informationen und Ergaenzungen anbringen. Aergerlich, die Qualitaet schwankt sehr, wie bei einer nicht konsequent durchgefuehrten Fleissarbeit.

Nimmt den Tagebuechern selbst aber nichts--lesen!

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von chessfips
Format:Taschenbuch
Ich habe von den Tagebüchern Brigitte Reimanns durch das Literarische Quartett (Reich-Ranicki) erfahren, wo sie hoch gelobt wurden. Daraufhin habe ich beide Tagebücher gelesen und war sehr beeindruckt. Noch nie hatte ich eine derart ehrliche Selbstdarstellung einer Frau gelesen, bis in die intimsten Einzelheiten (das Tagebuch war von B. R. nicht zur Veröffentlichung vorgesehen). Man bangt und leidet mit dieser Frau, die nicht glücklich werden konnte. Ihre zweite Ehe mit Siegfried Pitschmann, die glücklich begann, wurde von Hans Kerschek systematisch zerstört, einem Mann, dem B. R. leider sexuell hörig wurde. Er wurde ihr dritter Ehemann und wird von den meisten Zeitzeugen als recht unangenehmer Zeitgenosse geschildert. Was für ein Charakterschwein dieser Mann gewesen ist, zeigt sich auch darin, dass er Reimann, als sie an Krebs erkrankte, wegen einer anderen Frau sitzen ließ und sich noch lange weigerte, das Auto, das Reimann gehörte, herauszugeben.

Glücklich scheint dieser Kerschek jedoch auch in seiner neuen Ehe nicht geworden zu sein, denn er beging Selbstmord. Er war ein Zyniker und offensichtlich nicht in der Lage, einen anderen Menschen zu lieben.

Ihren zweiten Ehemann, Siegfried Pitschmann, den sie im Tagebuch Daniel nennt, hat B. R. sehr geliebt. Sie schienen ein ideales Ehepaar und haben gemeinsam Werke publiziert. Der Ablösungsprozess von ihm dauerte sehr lange, während Reimann auf E. Kerschek (im Tagebuch Jon K.) sehr wütend war und sich sehr schnell emotional von ihm löste, als sie von seinem Ehebruch erfuhr.

Eine der bewegendsten Stellen im Tagebuch ist der Eintrag vom 9. 8. 1964, als sie sich noch einmal mit ihrem zwiten Ehemann S. Pitschmann trifft: "Wir hatten ein paar Stunden für uns, konnten alles besprechen, Scheidung, Auto [...] nur einmal, als wir vorm Plattenspieler auf der Erde hockten, küßte er mich auf die Schulter und sagte: >Wär schön gewesen ...< (Das ist unsere Formel aus >Fiesta<, und sie trifft ziemlich genau unseren Gefühlszustand.) Es war scheußlich traurig, und wir hatten uns lieb, und alles ging durcheinander." (Hemingways Roman "Fiesta" endet mit den Worten: "Wir hätten glücklich sein können" [...] "Ja ", sagte ich. "Wär schön gewesen.")

Pitschmann hat B. R. geliebt und im Gegensatz zu Kerschek, hat er ihr sofort sein Auto überlassen.

Angeregt von der Lektüre der Tagebücher habe ich dann noch Reimanns Hauptwerk "Franziska Linkerhand" gelesen, in dem sie viele ihrer Erfahrungen in Romanform darstellt. Ebenfalls sehr lesenswert.
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