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Ich baue ein Stadion: und andere Heldensagen
 
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Ich baue ein Stadion: und andere Heldensagen [Taschenbuch]

Christian Ude
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Mit viel Witz und Selbstironie berichtet ›Geheimniskrämer‹ Ude aus dem Amtsnähkästchen – und macht den Leser zum schmunzelnden Mitwisser.« tz, München

Kurzbeschreibung

Über nichts kann man so gut Satiren schreiben wie über Politik – vor allem, wenn man Christian Ude heißt und beides ist: begabter Kabarettist und erfolgreicher Politiker. Mit Humor und Selbstironie beschreibt der Satiriker Ude den Alltag des Politikers Ude: Architektenwettbewerbe und Ehrenbürgerpflichten, TV-Talkrunden, Fußballer im Rathaus und vor allem der Bau des neuen Fußballstadions sind dankbare Themen für den Satiriker im Chefsessel der bayerischen Landeshauptstadt.

Über den Autor

Christian Ude, geboren 1947, ist gelernter Journalist und Rechtsanwalt. 1990 wurde er Bürgermeister, 1993 Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München. Er veröffentlichte unter anderem »Meine verfrühten Memoiren« und »Chefsache«. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Ich baue ein Stadion von Christian Ude. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

ICH BAUE EIN STADION
Eine unendliche Geschichte
Vorbemerkung des Autors:

Bevor Sie zu lästern anfangen, merken Sie sich gefälligst eines: Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden! Und das Kolosseum hat nicht einmal ein Dach!

Vorspiel in Olympia
"Den Vorsitz in der Olympia-Gesellschaft musst Du unbedingt selber machen", empfahl mir mein Amtsvorgänger Georg Kronawitter nach meiner Wahl zum Münchner Oberbürgermeister im Jahr 1993, "denn da gibt es nicht viel zu tun: Das Stadion ist ja schließlich schon fertig!" Das war gut gemeint und klang schelmisch schlau, also befolgte ich den Rat. Das Stadion war ja sogar schon ein Denkmal, mit seinem geschwungenen Zeltdach ein Symbol der Moderne und ein neuzeitliches Wahrzeichen Münchens. Da konnte der Aufsichtsratsvorsitz der Olympiapark GmbH nicht allzu viel Stress mit sich bringen, allenfalls ein paar hübsche Auftritte vor großem Publikum, mal mit den Stars des Showgeschäfts in der Halle, mal mit Sportgrößen im Stadion. Der Olympiapark, dachte ich mir, könnte ein gerechter Ausgleich sein für all die städtischen Ausschüsse und Gesellschaften, in denen ich mich permanent mit lästigen Bauvorhaben herumschlagen musste, vom stets unzulänglichen Wohnungsbau bis zur strapaziösen Sanierung baufälliger Musentempel.
Da das Stadion praktisch nur noch von den Kickern genutzt wurde, musste ich mich natürlich gelegentlich bei einem Fußballspiel sehen lassen. Hierfür bot sich in besonderer Weise das Lokalderby an, weil man da an einem einzigen Nachmittag seine Präsenzpflichten bei zwei Münchner Vereinen erfüllen konnte. Allerdings waren die Ergebnisse meist deprimierend für mich, da ich irgendwann in meiner Schulzeit beschlossen hatte, Löwenfan zu sein. Dies ist in München die einfachste Methode, sich in einer ansonsten kalten Welt das aufrichtige Mitgefühl aller Mitmenschen zu sichern und in wohligem Selbstmitleid zu baden. Außerdem wird man fit für die Zukunft. Was auch immer das Leben an Niederlagen und Enttäuschungen noch auf Lager hat - als Löwenfan kennt man das schon. Aber abgesehen von den Lokalderbys wollte ich im Olympiapark nur frohe Stunden erleben, und die trügerischen Zeichen der Zeit schienen diese Hoffnung zu bestätigen.


Das Stadion-Problem
Eigentlich gab es nämlich in München nur ein einziges Stadion-Problem, aber das hatte nichts mit dem Olympiapark zu tun, sondern nur mit der Löwenarena. Die Sechzger hatten einstmals im städtischen Stadion an der Grünwalder Straße große Triumphe gefeiert und selbst die anschließenden Niederlagen als heimelige Gemeinschaftserlebnisse ausgestaltet, sodass viele Fans von der guten, alten Zeit träumten und die Rückkehr auf Giesings Höhen forderten. Als ob dann Radi Radenkovic wieder als fabelhafter Tormann bis zur Mittellinie stürmen und obendrein ein Meistertitel winken würde ... Das städtische Anwesen bröckelte aber still vor sich hin, weil die Vereinsführung längst den Umzug ins große Olympiastadion beschlossen und vollzogen hatte. Ich selbst war in dieser Frage recht leidenschaftslos, zumal ich in der alten Löwenarena ein deprimierendes Erlebnis gehabt hatte. Zu einem der letzten Spiele an der Grünwalder Straße war ich als frischgebackener 2. Bürgermeister erschienen, aber an der Polizeiabsperrung gescheitert. Kein Mensch kannte mich. Da rief mein Fahrer: "Platz da für den Bürgermeister!" Löwenfans und Polizisten sprangen respektvoll zur Seite und ließen ihn durch. Allerdings schloss sich die Lücke genauso schnell, wie sie sich geöffnet hatte. Da stand ich nun draußen vor der Menge, mittlerweile ganz allein. Mir blieb nichts anderes übrig, als wichtigtuerisch zu schreien: "Ich bin sein Fahrer!", um auch noch durchgelassen zu werden. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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