Seit Jahren blickt der Karriereberater Martin Wehrle tagtäglich hinter die Fassaden deutscher Unternehmen. Was er da sieht und hört, ist oft der blanke Irrsinn. In seinem Buch zeigt er, dass dieser Wahnsinn Methode hat - und wie man ihm entkommen kann.
Wir lernen hier zum Beispiel, dass es, neben durchgeknallten Einzeltätern, einen branchen- und einen firmeninternen Irrsinn gibt. Dem Branchenirrsinn entkommt man nur, wenn man sich beruflich vollkommen neu orientiert. Nur die Firma zu wechseln, bringt da nichts.
Der firmenspezifische Irrsinn dagegen ist von Haus zu Haus verschieden. Man muss einfach so lange suchen, bis man die Irren findet, mit denen man es noch am ehesten aushält. Wie das geht, verrät uns der Autor natürlich auch. Mit Hilfe des Internet ist das heute wesentlich einfacher zu bewerkstelligen als noch vor 20 Jahren. Man muss nur wissen, wie man seine Netzwerke dafür nutzen kann.
Dass man in kleinen Familienklitschen anders spinnt als in international agierenden Konzernen, hat man sich ja schon gedacht. Doch dass der Irrsinn in Phasen verläuft, wobei manche Beklopptheit vergeht und andere besteht, das dürfte nicht allgemein bekannt sein - und ist gut zu wissen. Es gibt also tatsächlich Spielarten des Firmenwahnsinns, die man aussitzen kann.
Woher der ganze Firmenirrsinn kommt, wird deutlich, wenn man Wehrles Typologie der Firmenkulturen betrachtet. Sind Mitarbeiter und Kultur nicht kompatibel, kann das nichts Gutes werden. Doch wie eine Firma tickt, lässt sich zum Glück schon im Vorfeld einigermaßen zuverlässig herausfinden.
Sitzt der Insasse allerdings schon im falschen Irrenhaus und will sich nicht dauerhaft verbiegen, hilft nur noch der Wechsel in eine passendere Anstalt. Denn von innen heraus verändern lassen sich die Strukturen nicht ... zumindest nicht vom einfachen Mitarbeiter. Manche Un(te)rarten des Wahnsinns kann man allerdings mit etwas Glück und Kreativität unterlaufen. Beispiele dafür liefert das Buch.
Statt sich als Bewerber nur darauf zu konzentrieren, sich für den potenziellen Arbeitgeber so attraktiv wie möglich darzustellen, sollte man also auch darauf achten, wie die Firma ihrerseits auf einen wirkt. Egal, wie seriös und freundlich man sich dort geben mag: Irrsinn lässt sich nicht komplett verbergen. Es gibt Warnzeichen! Man muss sie nur erkennen können.
Ob und wie sehr der eigene Arbeitgeber spinnt, zeigt DER GROSSE IRRENHAUSTEST. Und wer mittlerweile zu dem Schluss gekommen ist, dass er dringend die Anstalt wechseln muss, für den gibt es DAS GROSSE FRÜHWARNSYSTEM - 25 Tipps und Hinweise zur Erkennung und Meidung irrer Firmen ... damit man nicht vom Regen in die Traufe kommt. Auch wenn man heutzutage auf dem Arbeitsmarkt nicht besonders wählerisch sein kann: Einem unzumutbaren Irrenhaus sollte man wenn irgend möglich aus dem Weg gehen.
Dieses ebenso informative wie unterhaltsame Buch tut nicht nur was für den Durchblick, es trainiert auch noch die Nackenmuskeln: Man ertappt sich dabei, beim Lesen abwechselnd kräftig zu nicken, weil man so vieles wiederkennt, und heftig den Kopf zu schütteln angesichts der beschriebenen Zustände.
Bei den grotesken Fallbeispielen weiß man oft nicht, ob man laut loslachen, aus Mitleid weinen oder vor Wut schreien soll. Die Erlebnisse der "Insassen" sind komisch und tragisch zugleich. Dummerweise sind es keine phantasievoll erdachten Abenteuer aus Absurdistan, sondern der ganz normale Wahnsinn in diversen Unternehmen. Da ist man schon froh und erleichtert, wenn beim Test herauskommt, dass der eigene Arbeitgeber nur zu den mäßig Meschuggenen gehört.