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Ich- der Andere ist das Programm von Günter Wallraff. Er ist in unzählige Rollen geschlüpft, hat sich getarnt und konnte so mitten im Geschehen beobachten. 1963 wurde Wallraff zur Bundeswehr eingezogen, seine Kriegsdienstverweigerung wurde abgelehnt; statt dessen hat man ihn in einer psychiatrischen Abteilung beobachtet und als untauglich eingestuft. Um die Situation einigermaßen zu meistern, schrieb er Tagebuch. War Wallraff in diese Rolle noch unfreiwillig geschlüpft, so spielte er von nun an Rollen ganz bewusst. Für seine Industriereportagen (1970) kroch er in die verdreckte Haut eines Sinter-Arbeiters bei Thyssen in Duisburg. Die Reportage über sein Dasein als Portier und Bote im Gerling Konzern (1973) muss man tragikomisch nennen.
Mit zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt seine Rolle als Hans Esser, in der er die skrupellosen publizistischen Praktiken von Bild aufdeckte. Das war 1977, seine Überlegungen zum 50.Geburtstag des Blattes zeigen, dass Rufschädigung, Sensationsmache und der permanente Verstoß gegen das Grundgesetz, das die Würde des Menschen schützt, bei Bild noch immer an der Tagesordnung sind.
Als Türke Ali arbeitete Wallraff bei einer Subfirma, die Leiharbeiter anstellt und sie an Thyssen vermietet. Ganz unten verdeutlicht, dass Ali am Rande der Gesellschaft lebt! Autorenlesung, Spieldauer: ca. 140 Minuten, 2 CDs. Auch als MC erhältlich. -- culture.text
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gelungene Mischung,
Von Laura Gorsky (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Ich - der andere: Reportagen aus vier Jahrzehnten (Taschenbuch)
Wallraff steht zu dem, was er tut. Er schlüpft in Rollen, deren Namen Hans Esser oder Türke Ali bekannt sind. Schamlos nutzt er sein schauspielerisches Talent aus und paart es mit seiner journalistischen Begabung. Dieses Buch zeigt einen Abriß seines Schaffens, seiner Rollen, welche dem Ziel dienen, genau zu recherchieren. Er will dabei sein am Puls der Zeit. Wallraff zeigt ein Stück deutsche Realität. Keiner kann es besser als er.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Muss für alle, die Günter Wallraff noch nicht kennen, und für die, die ihre Erinnerung auffrischen wollen!,
Von Literaturtipp.com "Redaktion Literaturtipp.com" (Butjadingen-Stollhamm, an der Nordseeküste) - Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 50 REZENSENT)
Rezension bezieht sich auf: Ich - der andere: Reportagen aus vier Jahrzehnten (Taschenbuch)
Frage: Wer weiß, wo Günter Wallraff gerade ist? Antwort: Keine Ahnung, aber man sollte sich den neuen Pabst aus Polen mal ganz genau ansehen. - So witzelte man schon Ende der 70er Jahre über den Verkleidungskünstler, Maskeraden-Spezialist und Scharadenschauspieler unter den Reportern. Wie kein anderer hat Günter Wallraff in den letzten fast 40 Jahren mit seinen Reportagen die politische Gegenkultur zur herrschenden Meinungsmacht geprägt. Vielfältig in seinen Themen, aber einmalig in seinem Stil: "Er dringt in die Situation, über die er schreiben möchte, ein, unterwirft sich ihr und teilt seine Erfahrungen und Ermittlungen in einer Sprache mit, die jede "Überhöhung" vermeidet, sich nicht einmal des Jargons bedient, der ja als poetisch empfunden werden könnte." So empfand es Heinrich Böll 1970 in einem Vorwort zu Günter Wallraffs "13 unerwünschte Reportagen".In dem Buch "Ich - der andere", anlässlich des 60. Geburtstages von Günter Wallraff am 1. Oktober 2002 als "Jubiläumsband" erschienen, sind Auszüge aus den besten Reportagen versammelt: Als "Hans Esser" schaut er für uns hinter die Kulissen der "Bild"-Zeitung, als Türke "Ali" lebt er den Titel des späteren Buches: "Ganz unten". Peinlichkeiten gibt es aus dem Melitta-Werk, aus dem Gerling-Konzern, dem Stahlwerk oder aus der Bundeswehr zu vermelden. Aber nicht immer schreibt Günter Wallraff seine Schelmenstücke, nein, manchmal riskiert er sogar sein Leben. Das Buch nennt hierfür zwei Beispiele: 1996 machte er an einem geheimen Ort ein Interview mit dem Anführer der militanten Kurdenpartei PKK in der Türkei, Abdullah Öcalan. Günter Wallraff setzte sich für einen von der PKK verfolgten Kurden ein, später schrieb er ein kritisches Buch mit dem Titel: "PKK - die Diktatur des Abdullah Öcalan". Wie man weiß, genügt ein solches Buch in diesem politischen Kontext, um das eigene Leben zu gefährden, man denke nur an die "Satanischen Verse" von Salman Rushdie. Noch konkreter setzte Günter Wallraff 1974 sein Leben aufs Spiel: Aus Protest gegen die Militärregierung in Griechenland kettete er sich auf dem Platz der Verfassung in Athen an einen Lichtmast und verteilte Flugblätter. Er wurde ins Gefängnis gebracht und dabei schwer verletzt. Hätte er nicht Kontakte bis in die deutsche Botschaft gebracht, die sein Schicksal zu einer öffentlichen Sache machen konnten, hätte er dieses Abenteuer vielleicht nicht überlebt. Nach seiner Freilassung wurde er in Griechenland als Held gefeiert, der durch seine Aktion das negative Bild, dass viele Griechen von Deutschland hatten, ein wenig revidierte. Aber hinter dieser starken und mutig aktionistischen Seite gibt es bei Günter Wallraff auch andere Töne, wie ein Tagebucheintrag von 1960 zeigt: "Ich bin mein eigener Maskenbildner. Locke meinem Wesen immer neue Masken hervor. Ich warte darauf, die Maske zu finden, die sich mit meinem ursprünglichen Gesicht deckt. Ich glaube, sie längst schon unbemerkt getragen zu haben. Oder sie niemals zu finden, da sich mein Gesicht der jeweiligen Maske anpasst. Weiter werde ich mir unermüdlich Masken aufsetzen, mich suchen und in einem vor mir verbergen, wenn ich mich gefunden habe, werde ich mich verlassen." "Ich - der andere" ist das Beste von Günter Wallraff: Ein Muss für alle, die ihn noch nicht kennen, und für die, die ihre Erinnerung auffrischen wollen! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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