Das neue Album "Ich will alles" von Lena Valaitis zeigt sich um einiges poppiger arrangiert als das Vorgängeralbum "Liebe ist...", wodurch es insgesamt moderner wirkt und zudem das interessantere Spektrum bietet. Dieses reicht von Balladen über klassische Schlager bis hin zu fetzigen Popsongs mit viel Beat. Durch diesen Mix gelingt es allerdings nicht immer, dem Album "einen Guss, eine geschlossene Einheit" zu geben: es kommt zum Bruch und zwar dann, wenn fetzige Popnummern von eher schnulzig arrangierten Titeln abgelöst werden, denn wie mittels Zeitreise wird man in eine andere, längst vergangene Welt transferiert und fragt sich, ob man hier denn heutzutage noch "richtig" sei. Doch dies wird die meisten Hörer wohl nicht stören.
Insgesamt präsentiert das Album teilweise anspruchsvolle Texte wie beispielsweise den Titelsong "Ich will alles", der beweist, dass auch eine sog. Schlagersängerin nicht nur Mit-Klatsch-Larifari singen muss, sondern durchaus auch "mehr" zu sagen hat und eine Botschaft zu vermitteln vermag. Meist eingängliche Melodien strotzen vor Kraft und Energie, was der Hörer wohltuend registriert. So zum Beispiel der Song "Ich bin stärker als Du denkst", der mit unglaublich viel Schwung und Dynamik aufwartet und zu den besten Nummern der CD zählt. Das freut und vermittelt eine Power, die sich auch auf den Zuhörer überträgt! Wohltuend entspannend stehen dagegen wunderschöne Balladen wie das textlich tiefgründige "Hinterm Ozean", das auch musikalisch zeigt, dass Lena Valaitis mehr singen kann als einfache Schunkel-Schlager. Ebenfalls äusserst gut gelungen ist die Coverversion von "Those were the Days", hier "Ein schöner Frühlingstag" genannt. Die leicht melancholischen Töne und eher baltisch-russischen Klänge passen einfach gut zur Stimme von Lena Valaitis. Das schon zuvor auf anderen Alben veröffentlichte Duett mit Roland Kaiser "Leg nicht auf" wurde hier neu abgemischt, klingt nun ebenfalls etwas schwungvoller und ist ein weitere starke Nummer der CD, da die beiden Stimmen sehr gut miteinander harmonieren und der Song zudem melodisch sehr angenehm klingt.
Leider gelingt es nicht über alle Titel, diesen "neuen, energiegeladenen und anspruchsvollen" Stil durchzuziehen. Zu antiquitiert wirken vergleichsweise schwache Nummern wie "Hinter der Sonne" oder "Sommersonnenparadies", das zwar eigentlich ein netter Titel ist, jedoch durch das eher altbackene Arragement beinahe wie ein volkstümlicher Schlager wirkt. Manche Songs wie "Wenn wer nicht wir" oder "Ich deck mich zu mit meinen Träumen" sind zudem in sich zu schwach, zu schnuzlig, zu kitschig, auch wenn versucht wurde, diese mit viel Beat aufzupeppen. Darauf hätte man gut verzichten können. Das sog. Hit-Medley ist übrigens einfach "Schrott": lieblos aneinandergereiht und ohne wirklich Übergänge passen die ausgesuchten Titel überhaupt nicht zueinander!
Insgesamt ist das Album trotzdem gut gelungen und eine Empfehlung. Es bliebt zu hoffen, dass Lena Valaitis weiter diesen neuen, selbstbewussten und kraftvollen Stil verfolgt, zukünftig noch mehr von "dem" singen wird, was über den klassichen Schlager hinausgeht und weiter den neuen Weg der eher anspruchsvolleren Pop-Chansons beschreitet, die dem Hörer eine Botschaft mitgeben. "Ich will alles" zeigt uns hierbei jedenfalls einen ersten Schritt!