Um es gleich vorweg zu nehmen: Eine bemerkenswerte Autobiografie" (Backcovertext vom Verlag) ist dieses Buch wirklich nicht. Es ist eine pure Enttäuschung - egal ob für Fans oder nicht Fans. Im Dezember 2006 durfte ich die Autorin anlässlich einer Weihnachtslesung in Berlin kurz kennenlernen, ein Small-Talk, eine Widmung in einem Buch mit von ihr ausgewählten Weihnachtsgeschichten, ein Foto. Als Fan würde ich mich nicht bezeichnen. Ich mochte immer schon die schauspielerischen Arbeiten, die Figuren, die sie in Film und Fernsehen verkörperte, Erst jüngst im TV-Film Besuch der alten Dame" - fabelhaft von ihr gespielt! Nun erhoffte ich mir mit diesem Buch etwas über Christiane Hörbiger zu erfahren.
Sie gehört sicher zu eine der am meisten beschäftigten Schauspielerinnen im deutschsprachigen Raum. Eigentlich wollte sie nie eine Autobiografie schreiben, aber als Tochter eines berühmt (und leider ebenso berüchtigten) Schauspieler-Ehepaares und wegen eines runden Geburtstages im Oktober 2008 erschien es offenbar angebracht, und so ließ sie sich vom Verlag LangenMüller sowie von ihrem Lebensgefährten Gerhard Tötschinger dazu überreden, einen Koffer voller Erinnerungen auszupacken und die Inhalte unterhaltsam in einem Buch auszubreiten. Sie hätte lieber den Koffer auf dem Speicher stehen lassen sollen!
Auf knapp 228 Seiten bemüht sich die Verfasserin um einen Plauderton, der nicht so recht gelingt - auch nicht durch so genannte Zwischenrufe" ihres im Nachbarzimmer befindlichen Lebensgefährten, der sich durch zahlreiche Bücher (auch eines über Christiane Hörbiger) und als Regisseur im KundK-Land einen Namen gemacht hat.
Im Klappentext heißt es: Dieses Buch ist keine gewöhnliche Autobiografie. Christiane Hörbiger nimmt sich die Freiheit, ihre eigenen Akzente zu setzen, manches kürzer, manches ausführlich zu erzählen, damit die Leser zu überraschen". Als Leser war ich jedoch davon überrascht, dass die Hörbiger-Akzente und -Geschichten stets an der Oberfläche bleiben. Der Leser erfährt über die Protagonistin und ihre im Buch erwähnten Weggefährten fast nichts. Kein Kapitel und keine Geschichte wird so vertieft, dass man sich den Menschen Christiane Hörbiger erschließen kann - nicht einmal die Schauspielerin. Als Leser erkennt man weder eine langweilige Anekdote, noch eine heitere Geschichte hinter den Filmkulissen. Nein, ich meine damit nicht Tratsch-und-Klatsch-Geschichten a la Bohlen, die fast schon Standard in der Autobiografie einer Berühmtheit sind. Aber doch deutlich mehr Hintergrundinformationen zu dem einen oder anderen Filmwerk, mit dem sie einem immer breiteren Publikum bekannt und mit Preisen geehrt wurde.
Leider weiß Christiane Hörbiger auch als versierte und professionelle Filmgeschichtenerzählerin nicht, wie man unterhaltsames und informatives Abseits der Drehbücher in Worten zu Papier bringt.
Die Kapitelbezeichnungen wie z.B. Tirol", Kindheit", Reisen" oder Ehrungen" sind wenig einfallsreich, die Inhalte belanglos, erinnern an das Frühwerk eines Popsternchens.
Das Kapitel Kindheit" beschränkt sich zum Beispiel nur auf ihre Zeit als Kurkind in der Schweiz. Das zehnseitige Kapitel Kochen" ist der von Frau Hörbiger nie beherrschten kulinarischen Kunst gewidmet. Sie wolle nun aber einen Kochkurs bei einer berühmten und prominenten Köchin belegen, heißt es. Im Kapitel Meine Rosen" geht es um zwei Rosenzüchtungen, die den Namen Christiane Hörbiger" tragen. Wunderbar, oder? Genau das möchte ich als interessierter Leser, der mehr über die Person Christiane Hörbiger erfahren möchte, über drei Buchseiten lesen. Und so weiter, und so weiter...
In fast jedem Kapitel ist immer wieder die Rede von Rolf Bigler, ihrem zweiten verstorbenen Mann, Vater ihres Sohnes Sascha. Rolf Bigler widmet sie kein eigenes Kapitel. Warum nicht? Als Leser hat man doch immer wieder das Gefühl, dass die Trauer über seinen Tod auch nach über 30 Jahren anhält. Es ist nicht verwerflich, aber warum kratzt sie auch bei diesem Thema nur an ihrer eigenen Oberfläche?
Schon fast eine Farce ist das Kapitel Angst". Wovor hat eine Frau wie Christiane Hörbiger wirklich Angst? Nun, als Leser erfahre ich es eigentlich nicht so richtig. Nur, wovor der Mensch im allgemeinen Angst hätte, nach ihrer Meinung. Die Autorin schreibt u.a. von Existenzängsten nach dem Tod ihres zweiten Mannes und ist heute froh darüber, dass sie sich die Rollen aussuchen kann und nicht, wie sonst üblich, gecastet wird. Sie schreibt von Angst vor einem Theaterauftritt, von Lampenfieber, dass sie wie eine schlimme Krankheit befällt. Deswegen und weil sie schon alle wichtigen Rollen verkörpert hätte, wolle sie nie wieder Theater spielen. Glückwunsch dazu, auch im Namen der vielen arbeitslosen Schauspieler! Warum sich die Autorin im Buch z.B. mit mehr als 100 Fotos, auf denen fast immer auch sie zu sehen ist, so wichtig nimmt, hat sich mir leider nicht erschlossen.
Schade finde ich auch die nicht immer trefflich zum jeweiligen Kapitel und scheinbar wahllos ausgesuchten Fotos - abgesehen vom Coverbild - eine fabelhafte Auf- und Ausnahme (übrigens auch der gelungene Buchtitel).
Für mich als Leser, der mit diesem Buch Christiane Hörbiger abseits von einem 15-Minuten Talkshowauftritt, von Bunte" und Gala" besser kennen lernen wollte, ist dieses Buch eine pure Enttäuschung. Ich habe es vor ein paar Tagen zu Ende gelesen und denke jetzt gerade darüber nach, ob mir etwas Positives von dieser Autobiografie einfällt. Leider nicht.
Ich werde allerdings auch zukünftig den künstlerischen Weg der Hörbiger verfolgen und wer weiß, vielleicht entdecke ich ja doch mal ein paar private und menschliche Inhalte einer vielleicht doch bemerkenswerten Frau.