Tomek ist ein 15-jähriger Junge, der auf der polnischen Seite der deutsch-polnischen Grenze in Armut und Perspektivlosigkeit lebt. Der frisch Verliebte lässt sich dazu hinreißen, seinem Mädchen Geld zu besorgen. Durch seinen Kumpel, den er kürzlich in einer eindeutigen Pose mit einem erwachsenen Mann auf der Disco-Toilette erwischt hat, findet Tomek Kontakt zu einem Gewerbe, in dem sich Geld im Handumdrehen verdienen lässt, vor allem wenn man noch über so ein zartes, sinnliches Knabengesicht mit großen Unschuldsaugen verfügt. Nachdem sein Zuhälter eingesperrt wird, nimmt Tomek das Geschäft selbst in die Hand...
"Ich, Tomek" (Originaltitel: "Swinki" = "Schweinchen") ist ab 16 Jahren freigegebenes Gegenwarts-Kino, produziert von Polen und Deutschland. Ein realistischer, aber nicht leicht verdaulicher Film, der sich gut zur Vorführung in Schulen und Universitäten als Einstieg zum Thema Kindesmissbrauch und -prostitution eignen dürfte. Schulfernsehen fürs nächste Jahrzehnt. Die Hauptrollen wurden mit Laiendarstellern besetzt. Filip Garbacz als Tomek erhielt eine Auszeichnung als bester Schauspieldebütant und ist in der Tat eine Bereicherung für jede DVD-Sammlung.
Die Filmbewertungsstelle Wiesbaden erteilte das Prädikat "Besonders wertvoll".
Ich störe mich etwas an dem erhobenen Zeigefinger. Jeder Film mit erhobenem Zeigefinger hat die Tendenz, den Zuschauer ein wenig zu nerven. Die Filmemacher beziehen für mein Empfinden eine klare und gewöhnliche Position, stellen sich auf die Seite des Opfers, verteufeln die Gegenseite und verdeutlichen ihre Verachtung mit einer krassen Schlussszene, die Stoff für Diskussionen bietet. Mir wäre lieber, jeder Zuschauer müsste und dürfte sich seine eigene Meinung über beide Seiten bilden, anstatt die einzig erlaubte, konservative Ansicht des Regisseurs serviert zu bekommen.
Trotzdem ist "Ich, Tomek" ein fesselnder und sehr überzeugend gespielter Film über den Reiz des leicht verdienten Geldes und dem damit verbundenen hohen Preis.
Wer sich einen konkreten Einblick in die Arbeitsweise des jungen Strichers erhofft, dem sei vom DVD-Kauf abgeraten. Genau wie jeder Tatort-Krimi beschränkt der Film sich auf jedem Zuschauerauge zumutbare Einleitungen, und blendet freundlich (oder ängstlich?) ab, nachdem die Autotür zufällt und der Kunde den Wagen startet. Das kann man sich aber auch gleich denken, da der Film ja keine reine Ost-Produktion ist und sogar über eine deutsche Synchronisation verfügt. In Filmen aus östlichen Nationen traut man sich mehr, aber das Land der Dichter und Denker zeigt nicht mal andeutungsweise "so ein Zeug", obwohl ein bisschen gekaufte Erotik unter behutsamer Inszenierung hier wirklich nicht geschadet hätte, sondern der Authentizität des dokumentarisch anmutenden Spielfilms zuträglich gewesen wäre.
Sagen wir also, ich gebe 5 Sterne wegen des Mutes und der Notwendigkeit, ein brisantes Tabuthema anzuschneiden, das in der Gesellschaft immer mehr Beachtung findet - breche aber wegen des zu eindeutigen Positionsbezugs jedem der 5 Sterne eine Zacke ab und lande bei 4.