Zitat Tom Horn: „Töten ist meine Spezialität. Ich betrachte es als Geschäftsunternehmen, und ich glaube, ich habe meinen Markt"
Zitat eines Viehbarons: „Er setzte Rinderdiebe mit Wölfen und Kojoten gleich und betrachtete sich als Wohltäter der Gesellschaft, weil er sie vernichtete. Er tötete ohne Gefühl oder Bedenken, wenn er sicher war, einen Schuldigen zu jagen".
Handlung:
Tom Horn (21.11.1860) arbeitete in mehreren gefährlichen Berufen und hatte sich schon einen "Namen" gemacht, als er 1885 zum Chef der Zivilscouts der US-Armee in den südlichen Territorien ernannt wurde. In dieser Eigenschaft war er indirekt auch an der Gefangennahme Geronimos, eines der bekanntesten Apachenführer beteiligt. Ab 1887 arbeitete er als käuflicher Revolvermann, Sheriff, Goldsucher, Pinkerton-Detektiv und selbstständiger Weidedetektiv, rekrutierte für die Viehbarone Revolvermänner für die Johnson-County-Fehde, bevor er sich (spätestens) ab 1894 als Killer im Auftrag diverser Rinderbarone betätigte. Zwischendurch diente er im Spanisch-Amerikanischen Krieg als Offizier auf Kuba.
1901 schließlich - und (leider) erst hier setzt die Handlung des Films ein, wurde er vom Großrancher John Coble (Richard Farnsworth) angeworben, um auf die ihm eigene Art Viehdiebe und Heimstättler (das Heimstättengesetz erlaubte sehr zum Ärger der Viehbarone die Besiedelung öffentlichen Landes) zu bekämpfen, bzw. zu vertreiben.
Er lernte die Lehrerin Glendoline Kimmel (Linda Evans) kennen und lieben, deren Familie Ärger mit einem Heimstätten-Siedler hatte. Da der Mann auch auf Cobles "Liste" stand, beschloss Horn ihn aus dem Hinterhalt zu erschießen. Irrtümlich traf er jedoch dessen 14jährigen Sohn. Damit war das Maß voll - Tom Horn hatte seinen Heldenbonus verspielt. Ehrliche (also nicht den Rinderbaronen verbundene) Gesetzeshüter begannen sich um ihn zu kümmern und einem von ihnen - Joe LeFors - gelang es, dem betrunkenen Horn vor Zeugen ein Geständnis zu entlocken.
Festnahme - Gerichtsverhandlung - Tod durch den Strang am 20.11.1903.
State:
Wie bereits erwähnt zeigt der Film gerade einmal die letzten 3 Jahre aus dem abenteuerlichen Leben dieses Ausnahmemannes, der an einer Vielzahl bis heute bekannter Ereignisse des "Wilden Westens" direkten oder indirekten Anteil hatte.
Doch dafür wird diese kurze Zeitspanne mit einer Intensität und Realität gezeigt, die eigentlich z. Z. nur von Howards "The Missing" und Eastwoods "Erbarmungslos" zu "toppen" ist.
Zwar wird - wie bereits 1962 in "Der Mann der Liberty Valance erschoss" empfohlen - hier keine Legende zerpflückt, Tom Horn ist hier eher tragischer Held, denn Killer - doch der geneigte Historienfan kommt trotzdem auf seine Kosten.
Denn Regisseur William Wiard lässt keinen Zweifel daran, dass Horn wenig Probleme mit der Tötung hilfloser Personen hatte. Zwar packt er entsprechende Szenen stets ans Ende fiktiver, dafür aber sehr gut choreographierter Schiessereien, doch Horns schonungslose Art ist trotzdem sehr gut dargestellt. Außerdem verpasst Wiard fairnishalber dem falsch dargestellten LeFors im Film einen anderen Namen - sicher kein Zufall.
Geschichtsklitterung - ja - aber mit überlegtem Augenmaß.
Außerdem stellt Steve McQueen - der bei den Dreharbeiten schon deutlich von seiner todbringenden Krankheit gezeichnet war - den zerrissenen Charakter eines der letzten Westernlegenden meisterlich dar. Einem Mann, der Jahrelang legal im Auftrag der Regierung und halblegal für Pinkerton (mindestens 17 Opfer) tötete, der im J-C Weidekrieg erleben musste, dass "seine" Blauröcke letztendlich zugunsten der Heimstättler in die Kämpfe eingriffen, obwohl aus seiner Sicht die Viehzüchter, bzw. deren Vorfahren das Land doch erst bewohnbar gemacht hatten. So schoss er denn in Zukunft aus dem Hinterhalt, nicht aus Feigheit - Beispiele für seinen persönlichen Mut gibt in einigen Quellen genug -, sondern um dem Gesetz ein Schnippchen zu schlagen.
Allerdings möchte ich an dieser Stelle nicht verschweigen, dass andere Quellen Tom Horn lediglich als Aufschneider sehen, der faktisch niemals "ehrliche" Kämpfe ausfocht.
Das persönliche Drama eines Mannes, der die Zeitenwende nicht akzeptieren konnte - und eben das stellen McQueen und der Film sehr gut dar. In meiner Rezension zu "Nevada Smith" habe ich seine besten Streifen aufgelistet - dieser hier fehlt leider, gehört aber eindeutig dazu.
Weitere Filme zu bekannten amerikanischen Personen/Ereignissen dieser Zeit:
"American Outlaws", "Long Riders" und "The James Gang"(James/Younger Bande), "The Broken Chain" (Irokesen), "Geronimo" (Apachen), "Gettysburg" und "Glory" (Bürgerkrieg), "Heaven's Gate" (Johnson-County-Weidekriege), "Hidalgo" (Frank Hopkins), "Wild Bill" (Wild Bill Hickock), "Tombstone" (OK-Corral), "Wyatt Earp" (sein Leben), "Buffalo Girls" (Calamity Jane)
Leider nehmen es auch einige dieser Filme mit der historischen Wahrheit nicht so genau.
Drei der o. g. Streifen sind auch gemeinsam als "Western-Collection" erschienen.
Zum Zeitpunkt der Einsendung dieser Rezension waren fast alle genannten DVDs bei Amazon erhältlich.
Doch "Ich, Tom Horn" ist nicht nur historisch interessierten Cineasten zu empfehlen, sondern allen Westernfans, denn einige der Ballereien sind wirklich gut dargestellt, der McQueen typische Witz blitzt gelegentlich auf und die ganze Szenerie ist absolut stimmig. Hinzu kommt eine immer passende Hintergrundmusik. Einziges Manko - in einer Nachtszene ist kaum etwas zu erkennen - da hat das Kamerateam hinsichtlich der Ausleuchtung geschludert.
Auch die optimal agierende Besetzung kann sich sehen lassen: Neben dem großartigen McQueen und den anderen oben bereits genannten Darstellern spielen u.a. Billy Green Bush, Elisha Cook jr. und Slim Pickens mit. Viele Gesichter aus der "zweiten Reihe", die uns durchaus bekannt sind, deren Namen aber dem "Normalkonsumenten" erstmal nichts sagen.
Die DVD:
Das Bild liegt in Widescreen im Verhältnis 2.40:1 vor, ist leider etwas zu blass und farbarm.
Den Ton gibt's in Deutsch, Englisch und Spanisch in DD2.0 - Kein Highlight, aber auch keine nennenswerten Schwächen.
Untertitel für HG in ausreichender Größe in Deutsch und Englisch - den Texten ist zumeist der Name des Sprechers vorangefügt.
"Normale" UT in 16 Sprachen, darunter Deutsch
An Extras finden wir leider nur den O-Trailer.
Achtung: Bisher kannte ich den Film noch nicht - auch nach zweimaligem Anschauen habe ich das Gefühl, dass er in mindestens 2 Szenen leicht gekürzt wurde. Im Net konnte ich hierzu aber nichts Eindeutiges finden - die DVD ist halt gerade erst erschienen.
Fazit: Film 5 Sterne, DVD 2 Sternchen
Zu empfehlen allen Westernfans, aber auch den Liebhabern großartiger Darstellungen.