Geschichten für die jüngsten Leser sind häufig nicht so richtig spannend. Die Autoren sind an zahlreiche Vorgaben gebunden, was Länge und Schwierigkeitsgrad der Wörter, Sätze und des gesamten Textes betrifft. Da ist es natürlich nicht so einfach, eine Geschichte zu schreiben, die Erstleser vom Hocker reißt.
Dass es aber auch anders geht, beweist Marie-Aude Murail mit ihrer Geschichte "Ich Tarzan - du Nickless!"
Tarzan heißt in Wirklichkeit Jean-Charles und hat einen Vater, der seinen Kindern mehr Bildung zukommen lassen möchte als er selbst erhalten hat. Und was gibt es Wichtigeres, als Fremdsprachen zu erlernen?
Also verbringt die Familie ihren Campingurlaub in Deutschland, wo sich Jean-Charles doch bitte mit dem Jungen im Nachbarzelt anfreunden soll. Jean-Charles ist sich ziemlich sicher, dass er die Deutschen ziemlich blöd findet, aber Fußball kann er ja trotzdem mal mit dem fremden Jungen spielen. Der stellt sich als "Nickless" vor. Und Jean-Charles sich mit "Ich, Tarzan". Und da er schon mal dabei ist, erfindet er gleich noch ein paar weitere Namen für diverse Dinge. Leider ist Nickless ziemlich schlau und merkt sich alles, so dass "Ichtazan" sich seine eigenen Wortkreationen aufschreiben muss, um nicht durcheinander zu kommen.
Seine Eltern sind begeistert, glauben sie doch, ihr Sohn würde Niederländisch lernen. Nickless hingegen denkt, sein neuer Freund würde ihm Französisch beibringen.
Und das Beste an der Sache ist: Es funktioniert! Die Jungen können sich in der Phantasiesprache miteinander verständigen, selbst wenn so manches Mal die Eltern wohlwollend dazwischenfunken und alles aufzufliegen droht.
Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert und fast vergessen, dass es sich um eine Erstlesergeschichte handelt. Am Schluss musste ich sogar laut lachen, da ich mit der Überraschung am Ende nicht gerechnet hatte.
Ein Buch, das kein Stück pädagogisch wertvoll daher kommt, sondern einfach nur Spaß macht!