Ich, Prinzessin Sultana, und meine Töchter. Ein Leben hinter tausend Schleiern von Jean P. Sasson finde ich besser und hatte ich auch zuerst gelesen. Danach dachte ich, sollte ich wohl auch mal Band 1 lesen und war etwas enttäuscht. Es wirkt auf mich nicht so rund und stark geschrieben wie Band 2. Vielleicht liegt es daran, dass es das erste Buch war und wirklich noch etwas "geübt" wurde. Im zweiten Band werden eigentlich fast alle Geschichten aus dem ersten Band angesprochen und ich hätte es einfach dabei belassen sollen, das hätte gereicht.
Teilweise sind die Geschichten so krude, dass sie mich an Wandersagen erinnern und für mich nicht glaubhaft erscheinen. Wandersagen sind z.B. die Katzenfutterdosen bei dem neuen Chinesen oder Geschichten die anfangen mit: einer Freundin von einer Bekannten von mir ist folgendes passiert...siehe Autor Bengt af Klintberg oder Rolf Wilhelm Brednich.
Ansonsten ist es wie in Band 2 auch. Mehrere Epsioden - hier chronologisch Kindheit - Ehe - Geburt - werden jeweils auf wenigen Seiten, fast etwas nüchtern, erzählt. Und die sind wie immer unglaublich hart. Eine Frau, die im Swimming-Pool ertränkt wird, weil Sie Ausländer angesprochen hatte; ein Hund, der aus einem fahrenden Autos geworfen wird, weil er nicht mehr spassig genug ist; Zwangsverheiratung sobald man seine Periode bekommt; Frauen, die auf ewig in einem Zimmer weggesperrt werden...
Bei soviel Ungerechtigkeit, Existenz- & Todesangst und Leid kann ich aber leider keine Stärke mehr darin erkennen, dass Sultana, als Sie mit viel Geld (Millionen !!!) und ihren Kindern flüchten konnte, wieder zurück ist. Sie hatte doch bereits erkannt, dass Sie innerhalb ihres Landes nichts verändern kann. Für sich und ihre Kinder hätte sie es aber von "außerhalb" zumindest schon mal gekonnt. Mit Änderungen im Kleinen fängt es an - stetes Wasser höhlt den Stein usw. So wiederholt sich alles mit Ihren Kindern und es bleibt wie es ist. Suhlt sich da vielleicht doch jemand in Selbstmitleid?