Über den Autor
Hanan Ashrawi kommt am 8. Oktober 1946 in Nablus zur Welt. Die Akten vermerken als Geburtsland noch Palästina, das nicht einmal zwei Jahre später aufhört zu existieren. 1947 endet das britische Mandat über Palästina. Der Teilungsplan der UNO für das Territorium führt 1948 zur Gründung des Staates Israel, die restlichen Gebiete -Westbank und Gaza -fallen an Jordanien und Ägypten. So wächst Hanan Ashrawi unter "jordanischer Obhut" in Ramallah auf, in einem "bürgerlichen" Elternhaus; der Vater ist anerkannter Arzt, die Mutter sorgt sich um die christliche Erziehung der Tochter. Daß der Vater politisch aktiv ist, merkt das Kind kaum. Erst das Jahr der Suez-Krise 1956, der Angriff Frankreichs, Englands und Israels auf Ägypten, bringt eine erste Wende. Für kurze Zeit erlaubt es ein panarabischer Proteststurm auch den Palästinensern, sich zu ihrer Nationalität zu bekennen. Schon bald jedoch beenden jordanische Behörden diesen Frühling, der Vater wird verhaftet. Seither, erzählt Hanan Ashrawi, sind das Gefängnis und Besuche dort zu einem Grundmotiv ihres Lebens geworden. Als der Vater schließlich in den frühen sechziger Jahren mithilft, die Gründung der PLO zu organisieren, die 1964 proklamiert wird, studiert die Tochter bereits an der Amerikanischen Universität von Beirut englische Literatur. Es ist der Sechs-Tage- Krieg im Jahr 1967, der Hanan Ashrawi endgültig in die Politik hineinzieht. Von den Ereignissen in Beirut überrascht, verweigern ihr die israelischen Behörden die Rückkehr in die Heimat. Ein Stipendium ermöglicht ihr schließlich die Ausreise in die USA. Sie wird Mitglied der General Union of Palestinian Students und schon bald deren Sprecherin. Erst 1973 darf Hanan Ashrawi zurück in die Heimat. An der Bir-Zeit- Universität nahe Ramallah wird ihr die Leitung des Fachbereichs für Englisch übertragen. Und vom ersten Tage ihrer Rückkehr an wird Hanan Ashrawi für ein neues Miteinander und Nebeneinander von Israelis und Palästinensern aktiv. Es sind vor allem israelische und palästinensische Frauen, die in diesen Jahren die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben pflanzen, eine Hoffnung, die immer brutaler von der offiziellen Politik unterdrückt wird. 1986, bei einem Überfall israelischer Soldaten auf ihre Universität, gerät Hanan Ashrawi selbst unter Beschuß eines Scharfschützen und entgeht nur knapp dem Tod. "P" Im Dezember 1987 bricht dann die Intifada los. Erschütternd weiß Hanan Ashrawi von den unschuldigsten Opfern der Gewalt, den Kindern, zu erzählen. Nicht weniger offen spricht sie über die widerstreitenden Meinungen innerhalb der PLO darüber, wie der Frieden zu erreichen sei. Und mit großer Gelassenheit weiß sie zu berichten, wie besonderes der amerikanische Verhandlungsführer James Baker versucht hat, diese verschiedenen Standpunkte zu seinen Gunsten zu nutzen. Daß selbst nach dem bisher Erreichten das meiste noch zu tun bleibt, weiß Hanan Ashrawi am besten. Sie ist im Aufbau eigenständiger politischer Institutionen für die Palästinenser aktiv. Hanan Ashrawi lebt mit ihrem Ehemann und ihren zwei Töchtern in Ramallah.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.