Warten auf Orson. Dies scheint die hauptsächliche Beschäftigung der Schauspielertruppe des Mercury Theaters Mitte der 1930er Jahre zu sein. Mit dabei ist der 17jährige Richard Samuels, der von einer Schauspielerkarriere träumt, weil er von seinem Schülerdasein unendlich angeödet ist. Kein Zweifel, dass sich Zac Efron langsam freizuschwimmen versucht vom "
High School Musical"- Image und dabei auch gleich noch Sinn für Selbstironie zeigt. Denn seine ersten Schritte auf der Bühne von Welt sind alles andere als auf Rosen gebettet. Der allmächtige Orson Welles (Christian McKay) ist ein egomanischer Despot und duldet als "Wunderkind" der Darstellerszene keinen Widerspruch. Die Chancen beinahe über Nacht ein Star zu werden, stehen daher für Richard denkbar schlecht. Dafür lernt er in einer Woche eine ganz neue Welt kennen. Auch der Zuschauer lässt sich gerne dorthin entführen und beobachtet gespannt die Vorbereitungen zu der großen Theaterpremiere von "Julius Cäsar"; ein Stück von Shakespeare, welches vom Visionär Orson Welles als faschistisches Drama inszeniert wird.
Als Richard der süßen Gretta (Zoe Kazan) begegnet und sie sich ihre Träume als Künstler erzählen, ahnt der junge Mann noch nicht, dass sich ihm in Kürze eine aufregende Möglichkeit bietet, seine Träume ein Stück weit zu verwirklichen. Vor dem Mercury Theater stellen sich die Schauspieler auf, um den erhebenden Moment der ersten Inbetriebnahme der Außenbeleuchtung zu würdigen. Richard gesellt sich zu ihnen und spielt ihnen einen überzeugenden Trommelwirbel vor. Orson wird auf ihn aufmerksam und engagiert ihn kurzerhand als Lucius, der Brutus in den Schlaf singen soll. Die Sekretärin Sonja (Clare Danes, "
William Shakespeares Romeo & Julia") kümmert sich um den Neuzugang und die Kollegen staunen nicht schlecht, dass der grüne Junge das Herz der karrierebewussten Eisprinzessin tatsächlich zum schmelzen bringen kann. Richard ist berauscht von den neuen Erlebnissen, auch wenn sich die Arbeit mit Orson Welles persönlich, der ihn nur Kleiner nennt und sein Image als egozentrischer Künstler und notorischer Schürzenjäger pflegt, etwas problematisch gestaltet. Trotzdem ist er von Orsons Aufmerksamkeit mehr als geschmeichelt, der ihn sogar mit zum Radio mitnimmt, wo er die Ausstrahlung eines Hörspiels hautnah miterleben darf. Richard ist überzeugt, dass er von dem talentierten Schauspieler mehr lernen kann, als in den langweiligen Schulstunden, die er in Folge auch immer öfter ausfallen lässt. Trotz aller Bedenken und Katastrophen steht wenig später die Premiere des gewaltigen Bühnenstückes bevor. Doch in der Nacht vor seinem ersten öffentlichen Auftritt muss Richard feststellen, dass ihm Orson Welles nicht nur im Berufsleben, sondern auch im privaten Bereich überlegen zu sein scheint. Da es für den Jungschauspieler aber nicht nur um eine Kleinigkeit, sondern um die erste große Liebe geht, ist er bereit zu kämpfen und zur Überraschung seiner neuen Freunde legt er sich mit dem Meister persönlich an. Das kann natürlich nicht ohne Folgen bleiben, aber Richard hat in dieser letzten Woche seines Lebens so einiges dazugelernt.
Der Film bietet eine fast perfekte Illusion der 1930er Jahre mit wunderbaren Kulissen und Kostümen. Außerdem passt sich auch die Musik dieser Zeit an und de herrlich frivole und frische Witz der Dialoge darf natürlich ebenfalls nicht fehlen! Im Abspann werden die Fotos der Haupt- und einiger Nebendarsteller herrlich nostalgisch präsentiert, was ebenfalls positiv auffällt.
Die DVD ist mit drei kleinen, aber feinen Extras ausgestattet. Man kann bei Bedarf einen größeren Einblick in die Aufführung des Julius Cäsar ansehen, was zweifelsohne ein Genuss ist und eine Vorstellung vermittelt, welche Begeisterung die ungewöhnliche Aufführung im Jahre 1937 bewirkt haben muss. Viele namhafte Schauspieler unterstützen das Stück z.B. Ben Chaplin aus Marc Anton, Kelly Reilly als Portia oder Leo Bill als Cinna, der Poet. Christian McKay indes ist zwar ohne Frage ein talentierter Schauspieler, aber in seiner Rolle als junger Orson Welles, der Mitte der 1930er Jahre gerade mal Anfang 20 Jahre alt war, offensichtlich viel zu alt für die Rolle. Vor allem im Vergleich mit dem jungenhaften Efron wirkt er viel zu gesetzt und reif. Das Extra um die Geschichte des wahren Orson Welles bietet auch einige historische Aufnahmen von dem Ausnahmetalent und natürlich auch von der damaligen Aufführung. Wer den echten Orson Welles einmal in Aktion erleben möchte, der kann ihn beispielsweise als Mr. Rochester in dem Film "
Jane Eyre - Die Waise von Lowood" genießen.