Packend schildert die Autorin Minoui Nojouds Geschichte, Gedanken und Erlebnisse. Eine Zwangsehe, die so schon schlimm genug ist, vielen Frauen (und auch Männern) aber erst im späteren Alter widerfährt, erlebt hier ein Kind von 10 Jahren. Sie schildert auf lebhafte Weise ihr Leben vor der Heirat, ein relativ sorgloses Leben in ihrem Dorf Khardji, mit der Zuversicht eines Kindes und ihren Besuch in der Schule. Sie erzählt von der Geschichte ihrer Schwester, deren Umstände ebenso weniger glücklich waren und von der Sorge um ihre kleine Schwester in der Hoffnung, dass diese nicht gleiches Schicksal erfährt. Schließlich erfolgt die Heirat selbst, die damit grausamen Zustände und die Beziehung zu ihrem Ehemann und der Schwiegermutter. Sie erzählt von ihren Weg ins Gericht, den Mut und den Entschluss den sie fasste und die Verzweiflung, die sie dort hin trieb.
Was mich an dem Buch aber wirklich erschüttert hat, waren die Zeichnungen Nojouds, die dort auch veröffentlich sind. Hier erkennt man wirklich das kleine Kind, das kleine Mädchen in ihr. Bunte Häuser und Bäume, Blümchen und Menschen. Ein Kind, das nicht mehr Kind sein durfte. Erschreckend. Auch enthält das Buch einige Fotografien von ihr, mit Jornalisten und ihrer Rechtsanwältin, ihrer Familie und in ihrer Schule.
Bis hierhin 5 Sterne. Einen Stern Abzug gibt es von mir für den Preis (aktuell 14,95 Euro), nicht weil ich finde, dass sie an dem Buch nichts verdienen sollte (ich würde ihr gern das Zehnfache des Geldes in die Hand drücken), sondern weil ich das Gefühl nicht los werde, der Verlag hat hier absichtlich mal die Medienbrisanz und das damit entstandene allgemeine Interesse an Nojoud genutzt, um ein 184 Seiten Buch in recht großer Schrift für einen vergleichsweise hohen Preis zu verkaufen.