Der Roman ist in der Ich-Perspektive geschrieben: Lucrezia Borgia erzählt ihre Lebensgeschichte. Anfänglich ist sie ein unwissendes und arrogantes Mädchen, das sich viel auf seinen hohen Stand einbildet und für das die Kirche und damit auch der Papst (ihr Vater) unfehlbar sind. Nach und nach ändert sich dies durch leidvolle Erfahrungen. Sie wird von Vater und Bruder mißbraucht, nicht nur körperlich, sondern sie wird auch als Schachfigur eingesetzt, um deren politschen Interessen zu dienen. Der Ton des Buches wird zynischer, abgeklärter, die Ich-Erzählerin versteht es besser, abzuwägen und hinter die Fassade zu schauen.
Nur - wenn Lucrezia dies alles in Rückblende erzählt: Warum ist sie dann anfangs so frömmlerisch, bigott und arrogant? Wenn sie es doch aus ihrer Lebenserfahrung besser weiß? Der Autor beherrscht offenbar die Ich-Perspektive nicht bzw. berücksichtigt nicht die besonderen Umstände dieser Erzählhaltung.
Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits sind die sehr ausufernd und häufig dargestellten Sexszenen ("Liebes"szenen möchte ich es nicht nennen), auf die der Autor anscheinend die meisten Beweggründe der handelnden Personen zurückführt. Menschen handeln nicht alleine aus sexuellen Motiven heraus, viel stärker wirken doch wohl - gerade bei einer Familie wie den Borgias - andere Motive: Politik, Machtstreben, persönlicher Ehrgeiz u.äh.
Insgesamt: Unlogisch und keineswegs spannend, zudem ohne wirklich interessante Figuren.