Zunächst muß ich zugeben, daß ich diesen Film, als ich ihn zum ersten Mal sah, nicht besonders mochte: Sentimental und ein wenig dialoglastig, schien er mir eine verpaßte Chance zu sein, angesichts des für einen Psychothriller reizvollen Umfeldes (in einer Irrenanstalt, die jedoch ziemlich schnell verlassen wird). Dann, beim zweiten Ansehen, wurde mir klar, daß hinter diesem etwas oberflächlichen Mangel ein interessantes Themengebilde steckt: Ingrid Bergman muß, als spröde Psychaterin, nicht nur um ihren psychisch kranken Geliebten kämpfen, sondern vor allem um sich selbst, um ihr eigenes Gefühlsleben, das sie bisher unterdrückt hatte und das sich nun gewaltsam einen Weg nach außen bahnt; der Gedanke, Gregory Peck könnte schuldig sein, würde sie selbst spalten, sie auf ewig ihren Gefühlen entfremden, und wie sich herausstellt, muß sie, um ihm helfen zu können, tatsächlich beides sein: Psychaterin UND Geliebte - Symbiose und nicht Spaltung ist die Lösung.
Der Film enthält nebenbei Momente, die Filme wie "Vertigo" und "Marnie" bereits vorwegnehmen: Die Dali-Traumsequenz ist kaum zu beschreiben, die Szene im Operationssaal wirkt höchst delierend, die erste Kußszene eher verzweifelt als glücklich, und sobald Ingrid Bergman die Zusammenhänge sowie den wahren Mörder durchschaut, hämmert sein entlarvendes "Ich kannte Edwards - kannte, kannte, KANNTE!!" durch ihre Gehörgänge - und die des Zuschauers.
Als ich den Film irgendwann das dritte Mal ansah, wurde er endgültig auch für mich zu dem, was er seit 60 Jahren ist: Ein Klassiker, sowohl von Hitchcock als auch innerhalb der Filmgeschichte.