Das Leben von Heinrich dem VIII. war trotz gelegentlicher Streitigkeiten mit dem französischen bzw. dem König des Heiligen Römischen Reiches nicht so sehr von kriegerischen Ereignissen geprägt, sondern vielmehr von seinem Bruch mit dem Papst, der gleichzeitigen, allgegenwärtigen Reformation sowie von privaten Schicksalsschlägen, an denen er jedoch selbst nicht ganz schuldlos war. Hiervon erzählt diese Autobiographie in Romanform, der ein vermeintliches Tagebuch zugrunde liegen soll und die durch gelegentliche Ergänzungen seines eng vertrauten Hofnarren und engen Freundes Will Somers zumindest hin und wieder einen etwas objektiveren Eindruck hinterlässt.
Trotz allerlei grausamer Handlungen dem Volk und besonders der Geistlichkeit gegenüber schafft es die Autorin dennoch, den Herrscher alles in allem nicht als Tyrannen darzustellen, sondern einfach nur als fehlgeleiteten Mann, der sich besonders im Privatleben immer wieder von vorschnellen Empfindungen hat überrumpeln lassen. Auf der anderen Seite wird immer wieder seine Liebe zum Volk und sein Stolz auf seine Kinder deutlich, die letztlich als das einzig positive in seinem Leben übrig bleiben. Diese Zerrissenheit wird auch deutlich beim Umgang mit seinen 6 völlig unterschiedlichen Ehefrauen, deren Verdruss ihn schließlich so weit führt, dass er zum Ende nur noch bereit ist, sich auf eine rein platonische Liebe einzulassen.
Besonders bei den seitenlangen Beschreibungen von Hochzeiten, Krönungen, Feiern usw. merkt man, dass dieses Buch von einer Frau geschrieben wurde, ansonsten versteht es Margaret George sehr gut, hier keine allzu "weibliche" und romantische Variante eines Herrschers in einer nicht gerade zimperlichen Zeit darzustellen, selbst die Kriegslust kommt glaubhaft beim Leser an.
Insgesamt ist dieses Buch ohne Einschränkungen jedem zu empfehlen, der zumindest ein wenig Interesse an englischer Geschichte hat und wegen der Romanform auch keinen 100%igen Wert auf historische Genauigkeit nimmt. Außerdem sollte man bei über 1200 Seiten auch etwas Geduld mitbringen.