Schon, als ich das Cover zum ersten Mal in einer Buchhandlung sah, wusste ich, dass ich das Buch irgendwann einmal haben würde ... leider findet man es nur allzu selten in Buchhandlungen. Hierzulande scheint das Buch "Ich, Gorilla und der Affenstern" von Frida Nilsson (natürlich mal wieder eine Schwedin) ziemlich unbekannt zu sein. Schade, denn es ist wunderschön!
Es ist ein Buch für Kinder ab ca. 8 Jahren und handelt von der neunjährigen Jonna, die im Waisenhaus lebt. Wie alle anderen Kinder im Waisenhaus träumt sie davon, von einer netten Familie adoptiert zu werden. Daher ist ihr Entsetzen groß, als eines Tages eine riesige Gorillafrau in einem schrottreifen Volvo auftaucht, mit behaarten schwarzen Beinen in sumpfigen Leggins und sich ausgerechnet Jonna aussucht. Gorilla adoptiert sie und nimmt sie mit nach Hause, in die alte Fabrikhalle nebst Schrottplatz, die sie bewohnt.
Jonna ist sich zwar ziemlich schnell sicher, dass Gorilla sie nicht fressen will, aber es ist ihr furchtbar peinlich, mit diesem schlampigen, riesigen Affen in der Öffentlichkeit gesehen zu werden, so dass sie noch sehr lange Fluchtgedanken hegt, bis ... ja, bis sie Gorilla doch liebgewinnt. Doch dann droht ein Inspektionsbesuch des fiesen Bürgermeisters und seines Komitees - denn der hat es auf das Grundstück von Gorilla abgesehen.
Ich habe Gorilla schon beim ersten Blick aufs Cover liebgewonnen und wurde vom Buch nicht enttäuscht. Die Figur ist einfach zu skurril - der einzige Gorilla in der Menschenwelt, der allerdings mit den in der Regel sehr grausamen menschlichen Maßstäben gemessen wird. Ungeliebt und abgeschoben ist Gorilla eigentlich eine tragische Figur. Allerdings droht niemals das Mitleid mit der Gorillafrau überhand zu nehmen, dazu ist sie zu tough und abgebrüht. Sie ist zwar eine Seele von Gorilla, andererseits aber auch so geschäftstüchtig, dass sie immer an der Grenze zum Illegalen balanciert, wenn sie versucht, ihren Schrott an den Mann zu bringen. Ihr Traum jedoch ist kein Schrottplatz, sondern ein eigenes Antiquariat ...
Das Buch ist ein skurriles, aber sehr liebevolles Plädoyer dafür, Menschen nicht nur nach dem Äußeren zu beurteilen und ermuntert dazu, auch unkonventionelle Methoden gegen engstirnige Behördenwillkür einzusetzen. In diesem Fall wird der hinterfurzige Tord Fjordmark sogar mit seinem eigenen Schild niedergeschlagen, das er auf Gorillas Grundstück aufgepflanzt hat ... "Eine Stadt mit Fortschritt". Eindeutig Notwehr, würde ich sagen. Schließlich versucht der Mann alles, um Jonna und Gorilla wieder zu trennen und sich Gorillas Grundstück unter den Nagel zu reißen.
Ich finde das Buch richtig schön. Gorilla ist großartig und für Jonna sicherlich genau die richtige "Mutter".