Ich kenne Michaela Schaffrath über die Medien nur sehr flüchtig, weil man ihr einige Zeit kaum entkommen konnte. Ihre Pornos kenne ich gar nicht (ehrlich jetzt!). An ihrer Kurzbiografie (Kindheit bis jetze, d. h. Mitte 30) hat mich daher weniger ihre konkrete Geschichte sondern vor allem die ebenso banale wie zeitlose Frage interessiert: was treibt eine Frau dazu in Pornos aufzutreten? Ist das eine durchgeknallte Nymphomanin, ein armes Opfer männlicher Vergewaltigungsphantasien, eine sensationell blonde ich-krieg-jeden Tusse oder vielleicht doch, irgendwie, eine Vorreiterin der Emanzipation?
Und in diese Frage erlaubt die Wild-Biografie interessante und offenherzige Einblicke. Schaffrath bedient weder explizit den Voyeurismus ihrer Leser, noch redet sie um den heissen Brei herum oder scheut sich aus Angst um ihre mittlerweile seriöse Karriere vor ungustiösen Erinnerungen.
Das Buch ist leicht lesbar und dankenswert knapp geschrieben, ich habe es an einem Stück durchgelesen, und es hat mir die erhofften Einblicke geliefert. Nur kleine Stellen nerven, etwa wenn Schaffrath über ihre tiefe Beziehung zu ihren fans schwadroniert oder über ihren ehemaligen Geschäftspartner Hans Moser lästert. Ich konnte auch aus der Biografie nicht ganz nachvollziehen wieso sie ihre Traumkarriere nach relativ kurzer Zeit schon wieder beendet hat.
Besonders die vernichtenden Rezensionen hier bei Amazon sagen meiner Meinung nach eher was über die Rezensenten als über das vorliegende Buch aus: Pornos sind ja ein Riesengeschäft, obwohl keiner sie kauft, und alle sie irgendwie eklig, abartig und frauenfeindlich finden. Und wenn man eine peinliche Biografie gelesen hat, dann macht man halt hinterher die schlapferte Autorin runter. Mit den kleinen Lügen lebt es sich halt bequemer als mit den bösen Wahrheiten.