Gru ist ein Superschurke von der ganz üblen Sorte. Mal abgesehen davon, dass er vor keinen klassischen Schurkereien zurückschreckt zersticht er auch mit einem Lächeln auf dem Gesicht die Luftballons kleiner Kinder oder drängelt sich mit Hilfe eines Gefrierstrahls in der Burger- Bude vor. Unterstützt wird er dabei von seinen Helfern, den Minions, kleinen quasselnden ... ähm... Überraschungseikapseln?
Sein neuester Plan beinhaltet den Diebstahl des Mondes. Eine teure Angelegenheit, und so beschließt er sich in der "Bank des Bösen" einen Kredit zu besorgen. Diese auf Schurken spezialisierte Bank ist aber der Meinung er bringt es nicht mehr wirklich und investiert lieber in einen jüngeren Kollegen: Vektor. Die beiden werden zu den ultimativen Rivalen. Gru sieht nur eine Chance diesen Wettlauf der Bösartigkeit zu gewinnen: Er braucht die Hilfe von drei Waisenmädchen die er kurzerhand adoptiert. Sie sollen ihm helfen und anschließend will er sie wieder loswerden. Doch genauso unkompliziert wie die drei Mädels den Weg in Vektors Festung finden, finden sie auch den Weg in Grus Herz.
Die Geschichte, so simpel sie sich in der Zusammenfassung anhören mag ist etwas ganz besonderes, das ich in der Form selten im Kino erlebt habe, bei einem Animationsfilm schon gar nicht. Die Thematik, dass sich ein kaltherziger Kerl dank der Hilfe eines liebenswürdigen Kindes plötzlich in einen netten Typ verwandelt ist nun nichts Neues- man erinnere sich an "Annie" oder meinetwegen sogar Charles Dickens' "A Christmas Carol".
Was diesen Film aber so besonders werden lässt ist, dass seine Botschaft an die Eltern und nicht an die Kinder geht. Die meisten Kinderfilme haben eine Moral. Irgendetwas in der Richtung von sei ein braves Kind und du bekommst den Prinzen oder du wirst adoptiert oder musst nicht mehr in Armut leben oder was weiß ich was. Keine solche Botschaft hier. Die Message hier ist so simpel, dass es fast schon weh tut, dass sie ausgesprochen werden muss; dass manche Leute sie noch nicht begriffen haben: Jedes Kind hat ein Recht auf diese Dinge, denn jedes Kind ist liebenswürdig. Kein Kind sollte etwas dafür tun müssen geliebt zu werden. Es geht um die Verantwortung der Eltern. Auch Gru war einmal ein kleiner Junge. Nicht besonders hübsch, aber mit Träumen einmal ein Astronaut zu werden und genug Köpfchen um dies zu verwirklichen. Aber seine Mutter hat bereits in frühen Jahren durch das gezielte Zerstören der Träume, gepaart mit unbedachten Kommentaren und einer gehörigen Portion Ignoranz diese Träume zerstört. Was blieb ihm da anderes als sich seine Anerkennung woanders zu suchen. Wenn sich sonst schon niemand um ihn kümmert muss er es eben selbst tun: Und schwupps- haben wir unseren Superschurken.
Und auch die drei Mädchen die er adoptiert sind zwar niedlich, aber weit davon entfernt dem klassischen Bild vom braven, folgsamen Kind zu entsprechen. Und trotzdem werden sie ihm buchstäblich wichtiger als sogar der Mond.
Wir haben uns diesen Film mit unserem 4- jährigen angesehen. Nach der Vorstellung stellte ich mir allerdings durchaus die Frage, ob er nicht ein wenig mit der Story und der Bilderflut überfordert war. Antwort: Mit Sicherheit. Der Geschichte konnte er auch bestimmt nicht folgen. Allerdings hat er noch den Rest des Tages begeistert von einzelnen Szenen erzählt, nochmal von dem gruseligen Hai berichtet und sich wie ein Keks über die Minions gefreut. Und auch wir Erwachsenen hatten unseren Spaß in diesem Film, in dem ein Gag den nächsten jagt, ein rasantes Tempo vorherrscht und an ausgesuchten Stellen die leiseren Töne angeschlagen werden.
Im Endeffekt ein perfekter Film. Der Kleine hatte seinen Spaß, wie es sich für ein Kind gehört. Den bedeutungsschweren tieferen Sinn zu verstehen, das bleibt den Erwachsenen vorbehalten. Genau so wie es sein sollte.