Ein wenig Fußball kommt auch drin vor -- aber vor allem geht's um die Ränke und Intrigen im Vorfeld der WM 2006 (die Älteren werde sich erinnern ;-) und der ganze Zinnober drumrum. Und was das angeht, so komprimieren die beiden SWR3-Moderatoren mit "Ich, Artur, zwei Tickets" auf nicht mal 200 Seiten ähnlich verwickelte, dramatische und unabsehbare Wendungen und Winkelzüge wie 20 Jahre "Lindenstraße" -- nur noch viel komischer und absurder.
Aufgebaut ist der Roman aus E-Mails der handelnden Figuren, also entfernt mit den guten alten Briefromanen vergleichbar -- nur dass hier noch exakte Datum- und Zeitangaben verschärfend hinzukommen. Man kommuniziert also per E-Mail, und der Leser liest mit und grinst -- und zwar allerspätestens, wenn zum zweiten Mal von der schönen Aussicht vom Balkon die Rede ist.
Sie haben am Ende irgendwie alle miteinander zu tun, und zwar nicht nur per Mail: Den Elektriker Artur Stukakoff und seinen lieben fußballbegeisterten Sohn Alex verbindet beispielsweise mehr mit zwei Fußballrasen-Lieferanten, als die Beteiligten ahnen -- alle außer dem Innenminister Otto Scharf, der es begrüßt, dass im Vorfeld der WM zwengs der Terroristenbekämpfung nun auch Verdächtige, gegen die kein Verdacht besteht, verhaftet werden können (und insgeheim träumt der Herr mit dem -- vermutlich -- Cäsarenhaarschnitt vom Füsilieren...). Da wird seine Nachfolgerin Hildegard Handschell alle Hände voll zu tun haben, um ein Happy End zu bewerkstelligen. Schließlich sind nicht nur die Damen und Herren von GardenKing mit bretonischem Hummer zu besänftigen...
Überhaupt -- abgesehen von den Herren Stukakoff sind alle Beteiligten nicht nur namentlich bis zur Kenntlichkeit entstellt: Die Fußballfunktionäre Franz Giesing, Erhard Müller-Thurgau, Leo Fuffziger, Paul Josef Pocken sind schwer am Rotieren ob ihrer dienstlichen und äh... privaten Interessen (Und der arme Herr Fuffziger hat einiges zu erdulden zu Nutz und Frommen von Wemoderwasauchimmer); der allzu neugierige Journalist Hans Noverdad reißt vergebens dem Giesingfranzl seine, äh... zeitweilige Assistentin auf, und irgendwie bekannt kommen einem auch die anderen vor, wie zum Beispiel Fernseh- und Zeitungs-Adabeis (Sabine Wichtich, Hubert Bardu usw.).
Den Rest kennt man als Typen -- Größenwahnsinnige "stolpernde Kameltreiber" in Buhrein und anderswo, und selbstverständlich auch pferdebeschwanzte Werbefuzzis oder die zahlreichen jungen knackigen (?) Reisebegleiterinnen von Franz Giesing und deren äh... anstrengende Erlebnisse auf den Balkonen der Welt.
Anfangen tut alles mit der altersschwachen Computer-Tastatur bei Vater Stukakoff (das 'f' hängt...), die dessen Bitte um Tickets unbemerkt nicht an den Fußballverband gelangen lässt, sondern an eine obskure Neonazi-Bagage. Dass Artur gebürtiger Russe ist und sich deswegen nicht im elegantesten Deutsch ausdrückt, tut ein übriges.
Jedenfalls entwickelt sich nun eine hundsgemein komische Handlung in atemberaubendem Tempo, die nichts und niemanden verschont, noch nicht mal Tapeten im Grand Hotel, die Giesingfranzls Rottweiler zu nahe kommen. Ganz zu schweigen von den Zwerchfellen der Leser.
Fußballbegeistert braucht man nicht sein, um sich bei der Lektüre heftig zu amüsieren -- Schadenfreude genügt!