Einen für den Massenmarkt tauglichen Flugsimulator herauszubringen ist heutzutage ein riskantes Unterfangen. Schnell sind die Puristen über jede Einbuße an Realismusgrad verprellt, die Gelegenheitsflieger dagegen von der üblicherweise sterilen Präsentation und dem hohen Schwierigkeitsgrad der einschlägigen Titel abgeschreckt.
Umso erfreulicher, dass es hier den Entwicklern gelungen ist beide Lager zu überzeugen.
Das Spiel muss einmal online registriert werden, läuft aber dann auch ohne Internetverbindung.
Die Grafik ist atemberaubend und schlägt alles, was bisher von Simulationen am PC geboten wurde. Organisch in die Landschaften eingebundene Städte, die auch im Tieflug detailliert aufgelöst erstaunlich gut aussehen, die Steilküste von Dover, Bäume und Hügel, der Blick aus großer Höhe über Wiesen und Wälder oder auch die russischen Winterlandschaften sind eine echte Augenweide. Dabei scheinen die Hardwareanforderungen sehr moderat zu sein, auf meinem mittelmäßigen System (Intel Dual Core 2x3 GHz, 4 GB Ram, GeForce 8800 GT) läuft es flüssig in hoher Qualitätseinstellung.
Die Schwierigkeit lässt sich in 3 Stufen einstellen. Im Arcade Modus ist sowohl das Flugmodell vereinfacht, als auch die Waffenwirkung erhöht. Die Maschine kann hier nicht Abschmieren und ins Trudeln geraten. Außerdem reicht eine handvoll MG Treffer, um einen feindlichen Jäger oder Bomber augenblicklich in der Luft explodieren zu lassen. Pure Action eben. Auf diese Weise hat man ein einfach zu steuerndes Actionspiel mit wundervoller Grafik und es macht Spaß weil schnelle Erfolgserlebnisse da sind.
Bei der Einstellung 'Realistisch' ist die Wirkung der Waffen und das Flugmodell realitätsnäher. Man muss wesentlich mehr und gezieltere Treffer landen um einen Bomber auszuschalten, außerdem verzeihen die agilen Jäger keine Fehleingaben und trudeln sobald man nur leicht überzieht. Damit ist das Spiel wesentlich anspruchsvoller, aber auch herausfordernder.
Zuguterletzt gibt es den Modus 'Simulation' in dem auch auf alle optischen Hilfsanzeigen wie rote Feindmarkierungen am Bildschirm oder Kurspfeile verzichtet wird, außerdem ist hier Trimmung und Gemischverstellung des Triebwerkes manuell vorzunehmen. Diesen Modus habe ich bisher noch nicht getestet, aber es ist klar, dass dies von sehr hohem Schwierigkeitsgrad ist. Darüber hinaus gibt es eine benutzerdefinierte Einstellung, in der jeder Aspekt einzeln gewählt werden kann, man kann also zB auch im Simulationsmode unbegrenzt Munition und optische Hilfen haben oder was auch immer für eine Kombination.
An Offline-Spielmodi gibt es Training, Einzelmissionen und eine Kampagne, die aber eigentlich auch nur eine Zusammenfassung von Einzelmissionen an 3 Kriegsschauplätzen ist. Man fliegt für die Alliierten, eine Luftwaffen Kampagne ist standardmäßig nicht enthalten, kann aber für 7$ als Zusatzcontent erworben werden.
Die Missionen werden nur akustisch begleitet, d.h. man hört die Funksprüche der Kameraden und Feindflieger (in Originalsparache) und erhält Befehle über Funk, kann auch selber Befehle an Flügelmänner oder den ganzen Schwarm geben.
Nach Abschluss des Missionsziels kann man abbrechen oder wenn man will noch zur Basis fliegen und landen.
Eine durchgehende Story oder Filmeinspielungen gibt es allerdings nicht, lediglich Tagebucheintragungen der Piloten werden nach den Missionen vorgelesen. (Englisch mit optionalen Untertiteln)
Trotzdem habe ich die Atmosphäre und das Mittendrin-Gefühl während der rasanten Luftschlachten als mitreißend empfunden und als wesentlich dichter als etwa in IL-2 oder Lock On.
Mein einziger Kritikpunkt besteht wiederum im Flugmodell. Es fühlt sich irgendwie nicht richtig an. Natürlich habe ich nicht den Vergleich mit einer echten Spitfire oder Bf 109, aber man ist von anderen Flugsimulatoren doch irgendwie an ein physikalisches Verhalten der Maschinen gewöhnt, das bei Wings of Prey nicht so richtig umgesetzt scheint. Im Sturzflug gewinnt man kaum Geschwindigkeit, die Kisten schmieren sehr schnell ab wenn man mit getreten Ruder steil in die Kurve geht, es ist schwer zu präzisieren, aber irgendwie verhalten sich die Flugzeuge nicht so wie man es intuitiv erwarten würde.
Den Multiplayer Modus habe ich bisher nur kurz angetestet, hier wird das übliche geboten, Teamkampf oder Jeder gegen Jeden. Eine Innovation ist das Flugplätze erobern. Ein Teammitglied muss auf einem Flugplatz landen, während die anderen ihn verteidigen. So können zwei Teams online um eine Anzahl Flugplätze kämpfen. So viele besetzte Server schien es aber leider nicht zu geben, als ich in den Abendstunden zu bester Gaming Zeit getestet habe, das wird sich hoffentlich noch mit der Zeit bessern.
Trotzdem bleibt Wings of Prey unterm Strich eine herausragende Simulation die viel Spaß macht und zu den besten Neuerscheinungen des Genres in letzter Zeit gehört.