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Dass jedoch der Blas- und Brass-Musik sehr wohl ein subversiver, gar subkultureller Kontext anhaften kann, beweist ein Tzigani-Ensemble aus einem rumänischen Dörfchen nahe der Grenze zu Moldavien, das seit dem Ende der Ceausescu-Ära in jeder nur denkbaren Hinsicht befreit aufspielt und in den schicken amerikanischen Opernhäusern mittlerweile ebenso zu Gast ist wie in den Live-Clubs europäischer Metropolen.
In der Zeit der kommunistischen Diktatur passte die wilde, schnelle und oft derbe Tanzmusik nicht zur kulturell gesäuberten, heimatlich verkitschten und die Herrschaft des Tyrannen verbrämenden 'Falschklore'. Daher musste sich die altersmäßig bunt gemischte Truppe zumeist mit Auftritten bei den Feierlichkeiten anderer Roma-Familien begnügen. Seit einigen Jahren aber erobert Fanfare Ciocãrlia die Welt und veröffentlicht mit Iag Bari nun ein Album, das an den globalen Erfolg seines Vorgängers anschließen wird, weil es wiederum viele der hals- und fußbrecherisch schnellen Tänze mit ihren eingängigen Bläser-Melodien enthält.
Andererseits bewahrt Iag Bari eine enge Verbundenheit mit der Heimat, bietet an vielen Stellen wie schon zu Beginn des Albums Trauermärsche und nachdenkliche Lieder, die von den traurigen Ereignissen und der Einkehr künden, die sie traditionell begleiten.
Mit Dan Armeanca, dem König des rumänischen Oriental Pop, mit der jungen Band Rom Bengale und dem legendären Trompeter Costel Vasilescu hat sich Fanfare Ciocãrlia zudem einige inspirierende Gastmusiker eingeladen und auf diese Weise vermieden, in die Falle einer schlichten Wiederholung des einmal gefundenen Erfolgsrezeptes zu treten. Das wäre wohl auch kaum möglich, denn die Musik in ihrer Vielfalt ist das Leben der Musiker von Fanfare Ciocãrlia und ihr vielfältiges Leben besteht aus dieser Musik -- kühle Kalkulation ist da bereits bei Geburt ausgeschlossen. --Björn Döring
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Unter Zigeunermusik stellt sich der Westeuropäer ungarische Weisen oder Gipsy Flamenco vor, die Roma Klänge vom Balkan sind in Westeuropa (noch) unbekannt. Dabei ist dieser Stil etwa so neu wie Jazz oder noch älter. In Rumänien heisst er Manea, in Serbien Cocek und in Bulgarien Kjutschek. Diese Musik reisst nicht einfach mit, sie umschlingt einen und lässt nicht wieder los.
Die CD ist einmalig zusammengestellt mit jeder Menge an Gästen, es gibt einfach alles: Man hört den Sound aus Moldawien, der Walachei und Transsilvanien. Auch „importierte" Motive etwa aus Andalusien oder Süditalien fehlen nicht. Ob es sich dabei um eine Verballhornung von „parlà più piano" oder balkanmässig verarbeitetes Latin handelt - das wissen wohl nur die Musiker selbst - es klingt einfach wundervoll.
Aber Vorsicht, das ist kein Ethno Pop, auch wenn nur ein Teil der Stücke „Traditional" sind. Es wird gespielt und gesungen, wie bei einer Hochzeit oder Begräbnis vor Ort und kein Deut anders. Arrangeure und Musiker kommen dem europäischen Hörer keinen Schritt entgegen. Und kein Monti oder Sarasate hat Sie auf so etwas auch nur vorbereitet.
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