Der Zuschauer begleitet den Therapeuten Paul Weston sieben Wochen lang durch Therapiegespräche mit vier Patienten. Am Ende einer jeden Woche besucht Paul seine ehemalige Mentorin Gina und spricht dort in einer eigenen Therapie über die vergangenen Tage, seine Patienten und seine eigenen, privaten Schwierigkeiten. Jede Disc dieser DVD-Box deckt eine Woche ab, eine Episode dauert ca. 25 Minuten.
An jedem Montag spricht Paul mit Mia, einer Anwältin um die 40, die bereits zwanzig Jahre zuvor bei ihm in Behandlung war und mit dem Ausgang der Therapie nicht zufrieden ist. Immer dienstags kommt die junge Studentin April, bei der Krebs diagnostiziert wurde. Mittwochs der 12jährige Oliver, dessen Eltern vor der Scheidung stehen und schlussendlich, donnerstags, Walter, ein 68jähriger Vorstandsvorsitzender der unter Schlafstörungen leidet.
Der Reiz dieser HBO-Serie liegt für mich unter anderem darin, dass sie absolut uneitel ist. Es geht hier nicht um Ausstattung, Settings, Kulissen oder Kostüme. Der Handlungsort ist in der Regel immer Pauls Praxis (nun in Brooklyn) und meistens befinden sich über die gesamte Länge der Episode nur zwei Personen im Raum, nämlich Paul und sein Patient. Alles was die beiden tun ist miteinander sprechen, auch außergewöhnliche Kamerafahrten oder ähnliches gibt es nicht. Dadurch entsteht eine ungeheure Intimität. In den besten Momenten (die Serie hat viele davon) hat man wirklich den Eindruck einer echten Sitzung beizuwohnen. Besonders packend sind die Momente in denen die Patienten durch Pauls Hilfe einen Durchbruch erzielen, ihr Muster durchbrechen und beginnen zu verstehen wo ihr Problem liegt. Wenn Paul anhand derselben Informationen die der Zuschauer hat die richtigen Schlüsse zieht und Verbindungen aufzeigt ist das nicht nur ein schauspielerischer Genuss und wirklich intelligente Unterhaltung, man hat auch das Gefühl einen Eindruck davon bekommen zu haben was die Aufgabe eines Psychologen ist und was für ein Kraftakt eine Therapie ist, sowohl für den Patienten, als auch den Therapeuten.
Die Serie funktioniert deshalb so gut, weil man es mit großartigen Schauspielern zu tun hat, allen voran natürlich Gabriel Byrne der in seiner Rolle absolut glaubwürdig ist und dafür mit dem Golden Globe ausgezeichnet und zwei Mal in Folge für den Emmy nominiert wurde. Man spürt dass man hier einem Großen zusieht. Aber auch seine Counterparts sind wieder sehr sehenswert. Besonders Allison Pill ('Dear Wendy', 'Milk') und John Mahoney ('Frasier') haben mich in dieser 2. Staffel stark beeindruckt. Was Mahoneys Figur im Laufe ihrer 7 Episoden durchlebt ging mir sehr nahe, was sich besonders in den letzten Episoden in seinem Gesicht abspielt geht unter die Haut. Die Rolle der Gina wird wie in der 1. Staffel von Diane Wiest gespielt. Sie tritt in der Serie als Supervisorin, Kollegin, Freundin und Therapeutin auf. Ich persönlich hatte sie als Komödiendarstellerin abgespeichert und war etwas skeptisch was ihre Rolle in dieser Serie angeht, wurde aber eines besseren belehrt: Sie ist in beiden Staffeln herausragend!
Anders als ein anderer Rezensent finde ich die zweite Staffel mindestens genauso gut wie den Vorgänger, sogar eher einen Tick besser. Während Paul in der 1. Staffel an sehr vielen Fronten kämpfen muss wirkt diese Staffel viel aufgeräumter. Nur sehr wenig lenkt vom Kern der Serie, den Therapiegesprächen, ab. Fans der Serie können auch bei der 2. Staffel von 'In Treatment' bedenkenlos zugreifen und ich denke dass auch interessierte Serienliebhaber mit dieser Staffel einsteigen können. Lohnenswert ist es allemal. 'In Treatment' ist eine der besten und am meisten unterschätzten Serien der letzten Jahre.
Die 3. Staffel ist in den USA Anfang Oktober auf DVD erschienen und auch als EU-Import erhältlich.