Normalerweise bin ich es gewohnt, IMAX-Filme zu genießen und mich an Text und Bild zu erfreuen. Bei diesem Film ging das allerdings daneben.
Der Titel gaukelt etwa ganz anderes vor, als einem geboten wird: "Die Alpen" beschränken sich nämlich dabei im Wesentlichen auf eine persönliche Story: ein Familienvater, manche würden ihn vielleicht als Egomanen oder als "unverantwortlich" bezeichnen, "muss", damit er den Tod seines Vaters seelisch verdauen kann, unbedingt die Eiger-Nordwand durchklettern (und davor einen Bungee-Jump von einer 200 Meter hohen Staumauer wagen, damit man sagen kann, die Eiger-Nordwand ist 9 x höher). Manche Szenen wirken dabei peinlich.
Nur in Nebensätzen (praktisch keine grundlegende Information) geht es im Film um die Entstehung und den Kulturraum der Alpen, dabei wiederum reduziert auf die Entstehung der spezifischen Form des Matterhorns. Die Alpen scheinen sich in der Haupsache nur über die Schweiz zu erstrecken. Originalzitat: "Die Alpen sind ein ca. 1200 km langer Bogen zwischen Südfrankreich und Turin". Die dann billig eingeblendete Skizze untermauert diese Ansicht auf eigene Weise: große Berge nur in der Schweiz und W-Frankreich, fast keine oder nur mikrige Berge in N-Italien und W-Österreich; längst keine mehr in S-Deutschland und Slowenien. Vielleicht hat hier der Schweizer-Tourismusverband ein bisschen viel für seine Unterstützung eingefordert...
Geradezu lächerlich wird es, wenn man beim (filmtechnisch vielleicht doch interessanteren) Making-of erfährt, wie die Szenen nachgestellt wurden (nämlich vielfach nicht am Eiger). Insgesamt viel Lobhudelei auf das Team, deren Leistungen und auf die Sponsoren. Widerwärtig sind dabei die belustigten Aussagen eines Crew-Mitgliedes, als die Puppe, die den Vater des Darstellers darstellen sollte, über die Nordwand hinuntergeschmissen wurde. Er amüsierte sich köstlich über die Gedanken, die 2 (reale) Bergsteiger beim Anblick des fallenden Menschen haben mussten - "ob sie dann in der Wand umdrehen würden?...Aber es ging kein Notruf ein". Die Bergsteiger wären dabei absichtlich nicht über das Vorhaben (Filmen der herabfliegenden Puppe) informiert worden.
Nach dieser Szene habe ich auch das Making-of angewidert abgedreht.
Insgesamt scheint es, als ob bei der Produktion zu viele ungute Faktoren zusammengekommen sind: zu billiger Hollywood-Stil - möglicherweise viele Mitspracherechte der Sponsoren (Baustoffwerbung als Vorspann, Schweizer Tourismusverband) - praktisch keine Einbeziehung der Naturwissenschaften.
Fazit: Der Film hat nicht "die Alpen" zum Thema, schon gar nicht ist er eine Doku darüber. Der Titel ist schlicht ein Betrug. Ob die filmische Inszenierung das seelische Gleichgewicht des Bergsteigers wieder hergestellt hat, darüber kann reichlich diskutiert werden. Die Inszenierung selbst wirkte auf mich extrem billig und im Verhältnis dazu zu reisserisch - also peinlich.
Wegen des günstigen Preises und des zeitweise schönen Filmmaterials noch 2 Sterne.