Auch Nicht-Singen-Können will gekonnt sein -- und keiner (außer Tom Waits) beherrscht diese Kunst besser als Leonard Cohen. Seine Stimme, brüchig und nicht unbedingt melodiesicher, passt ganz einfach zu seinen poetischen Texten und komplizierten Sprachbildern, die auf "I'm Your Man" wieder die ganze Bandbreite abdecken, von zärtlicher Melancholie ("Take This Waltz", "I'm Your Man") bis zu heftigem Sarkasmus ("First We Take Manhattan"). Was dieses Album allerdings von den meisten anderen Cohen-Platten abhebt: Die Melodien sind diesmal ausgefeilter als gewohnt, die musikalischen Details deutlicher ausgearbeitet. Das Spektrum reicht von knallharten Wave-Anleihen im Stil der späten 80er ("First We Take Manhattan", "Jazz Police") über typische Cohen-Balladen ("Everybody Knows") bis hin zu elegischen Walzer-Zitaten ("Take This Waltz"). Mir persönlich gefallen zwar die ruhigen, melancholischen Nummern besser, aber in jedem Fall gilt: Nobody sings Cohen like Cohen! "I'm Your Man" ist eines seiner besten Alben.
Zum Reinhören empfehle ich: "I Can't Forget", "Take This Waltz", "Tower of Song".