Auf Sophie Zelmani bin ich erst vor kurzem durch Zufall gestoßen, als ich (aus Enttäuschung über die Entwicklung von Katie Melua) auf der Suche nach unverfälschter, nicht hitparadenkompatibler Musik war, die man immer hören kann. Inzwischen habe ich fast alle CD's von Sophie, und mir nun auch die neueste Veröffentlichung zugelegt.
Es war wie bei den ersten CD's: zuerst kommt ein kleines Schauern, dann nach und nach der Song, wie er wirkt. Gänsehaut. Der Pulsschlag fährt nach unten, jeder Ton hallt nach. Stört nicht, nervt nicht, eine Oase in all der hektischen Zeit. Die Stimme erzählt. Sie muss sich nicht in den Vordergrund rücken. Im Gegenteil. Je mehr Sophie ihre Songs flüstert, um so intensiver werden sie. Und dann: Tür zu, das Radio aus, die schlechten Nachrichten im Fernseher weg geblendet. Sophie hat einen eigenen, entrückenden Stil gefunden. Zeitlos. Fern jeder Hektik. Nicht hitparadentauglich. Aber nicht zum Auto fahren geeignet. Ihre Songs animieren dazu, auf der Autobahn immer langsamer zu werden, zuzuhören, und dann tauchen plötzlich die LKW's auf und überholen dich. Also Vorsicht: Sophie ist nichts für die Autobahn. Höchstens, wenn das Benzin rationiert ist oder eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80 KMH eingeführt wird. Aber das ist lange nicht in Sicht (Leider).
Es bleibt der Rückzug ins Wohnzimmer. Füße hoch, Licht heruntergedimmt. Und draußen klopft der erdachte Regen gegen das Fensterbrett. Ach, die Welt kann so einfach, so melodiös sein, wenn man sie nur ließe.