Ich werde mich hier jetzt nicht über die offensichtlichen Bugs und den unerklärlichen Hardware-Hunger von CoD auslassen. Ich denke, diese Aspekte dürften inzwischen bekannt sein.
Wenn ich die zahllosen technischen Probleme ignoriere und mir anschaue, was für eine Art *Spiel* sich dahinter verbirgt dann wird die Lage für CoD nicht wirklich rosiger.
1. Teils hässliche, düstere Menübilder (z.B.: Deutscher Ladebildschirm). Merkwürdige Menüstruktur. Erster Eindruck: Ein Fan-Projekt.
2. Kampagne? Welche Kampagne? Die Luftschlacht um England wäre ein idealer Kandidat für eine dynamische Kampagne à la Falcon 4.0/AF. 1C meint, sowas brauchen wir nicht. Stattdessen gibt's lieblos aneinander gereihte Einsätze, die in ihrem Umfang nicht annähernd an die historischen Geschwader-Stärken herankommen. BoB2 Wings of Victory machte schon vor einigen Jahren vor, dass riesige Formationen von Heinkel-Bombern in einer Sim keine Illusion bleiben müssen. CoD hat schon Probleme, wenn mehr als 10 - 15 Bomber auf dem Schirm sind. Huch! Ich wollte doch nicht von der Technik schreiben! Egal: In der "Kampagne" kann der Spieler noch nicht einmal den Namen seines Piloten oder dessen Staffel festlegen - geschweige denn, kleine Goodies (z.B.: Killboard, Piloten- oder Staffel-Management) genießen.
Sowas gab's in Red Baron schon im Jahr 1990.
3. Überflüssig detaillierte Features, während Wichtigeres fehlt oder nicht funktioniert: Warum kann ich für jedes einzelen MG meiner 110 den Patronengurt individuell zusammenstellen, finde aber nirgendwo einen simplen Befehlsbildschirm, um die Konvergenz meiner Waffen einzustellen? Und wie kann es sein, dass die Bf109 selbst laut den spielinternen Daten im kampfbereiten Zustand (100% Sprit & Munition) um 100kg *überladen* ist? (verglichen mit historischen Werten sind's übrigens sogar 140 kg). Am meisten vermisse ich jedoch den genialen Quick-Mission-Builder von Il-2. Die CoD-Schnelleinsätze sind ganz nett, lassen sich aber viel weniger feintunen als mir lieb wäre. Und auch hier fehlen Beschreibungen, Details, halt irgendwie alles, das auch nur im Ansatz Atmosphäre verbreiten könnte. Wenn ich da an die Menüs und die Musik vom Uralt-Oldie "Secret Weapons of the Luftwaffe" denke ...
4. Merkwürdiger Mehrspielermodus: CoD hat das vielleicht umständlichste Benutzerinterface, das ich je erlebt habe. Allein, um mir im Multiplayer-Part ein simples Chat-Fenster auf den Bildschirm zu zaubern, bräuchte es wohl Grundkenntnisse in Programmierung. Wieso wird hier nicht standardmäßig ein simples, funktionierendes und per Tastatur aktivierbares Chat-Fenster angezeigt? Zudem enthält auch der Multiplayer-Part Features, die niemand braucht: Statt mir einfach ein Flugzeug zu schnappen und die Welt zu betreten, muss/kann ich ganze Gruppen "spawnen" und dann in der Welt von Cockpit zu Cockpit hüpfen. Wozu? Wer braucht sowas in einem Online-Dogfight?
Zusammenfassend bleibt nur ein Schluss: Selbst wenn 1C es schafft, in kurzer Zeit die gravierenden technischen Mängel zu beheben, so bleibt am Ende doch immer noch ein Spiel übrig, das keines ist. Atmosphäre? Null. Story? Null. Historischer Informationsgehalt: Geht gegen Null. Mit einer dynamischen Kampagne und einer ansprechenderen Präsentation hätte CoD einer der großen Hits des Jahres werden können. Und gerade in puncto Atmosphäre/Präsentation ist doch die hier simulierte Schlacht so etwas wie ein Elfmeter: Junge, gutaussehende Ritter der Lüfte, die 1940 über dem sonnenbeschienenen Ärmelkanal zum tödlichen Duell antreten. Wie kann man ein derart romantisches Szenario nur derart nüchtern und trocken umsetzen?
Ach ja: Und der technische Stand bei Auslieferung ist natürlich einfach nur "Sechs, setzen!". Patches oder nicht: In dieser Form dürfte kein Spiel veröffentlicht werden - vor allem keines, das 7 Jahre in der Entwicklung war.
2/5