Tja, was ist denn das?
Gehen die ersten Titel ja noch wie gewohnt zielgerichtet auf den Hörer los und treffen beabsichtigt die Magengrube, kehrt sich das Blatt mit Track Nr. 6 unvermittelt: Led Zeppelin - Down on the farm?
Seinerzeit wurde die geneigte Hörerschaft durch diese Konzeption, nun, zumindest überrascht (um nicht zu sagen: regelrecht schockiert).
Harte Rockkracher hatte man erwartet - aber das?
Dabei hebt die Scheibe ja durchaus gewohnt an:
Der "Immigrant Song" ist ein Rockklassiker par excellence. Treibender Beat, galoppierende Basslinie, mäandernde Gitarre, heulende Singstimme: insgesamt eine paranoide Beschwörung germanischer Gottheiten, geboren in der Kälte Islands. Kurz, prägnant, auf den Punkt gebracht. Kein überflüssiger Ton.
"Friends" wiederum lässt schon erste Folkeinflüsse spüren: Eingängig, allerdings ungewohnt.
"Celebration Day", erprobte Partynummer.
Es folgt "Since I've Been Loving You", eine Bluesnummer allererster Provinienz: Alleine schon die Gitarrenarbeit fasst alles zusammen, was gute Musik aussagen kann. Minutenlange Soli, der Gipfel spielerischer Emotion. Nie wieder erreicht (außer allenfalls in "I'm gonna crawl" erst eine Dekade später).
"Out On The Tiles" wird sich zum Liveklassiker entwickeln.
Im Anschluss das Corpus Delicti: Vier Nummern, schwierig auf ein Genre festzulegen (am ehesten noch Folk). Aber gerade darin ist ein wesentliches Verdienst der Band gelegen, nämlich die Grenzen eines Musikgenres (Hardrock - Rock - Blues - Beat?) zu überschreiten, ja im Wortsinne diese zu überdehnen und Platz für Neues zu schaffen.
Ab diesem Zeitpunkt wurde es ernsthaften Rezensenten unmöglich gemacht, der Band die "Punze" eines gewissen Genres umzuhängen. Eine Meisterschaft, die die Gruppe noch zur Perfektion bringen sollte.
Und übrigens: Auch die solcherart "undefinierbaren" Nummern sind von Meisterhand konzipiert, offenbar mit Vergnügen eingespielt worden und demgemäß mit Genuss anzuhören. Man atmet richtiggehend die Landluft, die rund um die Aufnahmegeräte atmosphärisch aufgeladen worden sein musste.
Ein Meisterwerk, dem noch weitere folgen sollten.