Die hilfreichsten Kundenrezensionen
|
|
25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hochklassig, leider unterbewertet, 7. Oktober 2005
Sie wollten nicht länger die Band mit den zwei Langhaarigen sein, die auf einem Barhocker sitzen und mit der Akustikgitarre zirpen. Aus dieser Gegenreaktion heraus entstand eines der vielseitigsten Alben der Dekade. Knallharte Politkracher (Warheads, Rest in Peace, Peacemaker Die)vermischt mit buntem Poprock (Tragic Comic, Stop the World), dazu am Ende das Masterpiece: die dreiteilige Selbstfindungsstory "Everything under the Sun" mit über 20 Min. Länge, ein Meilenstein der Rockgeschichte. Nie hat Gary Cherone besser gesungen (nämlich auf Augenhöhe mit Freddie Mercury), nie hat Nuno Bettencourt die Sechssaitige besser bearbeitet. Aber: das Werk enthielt kein "More than Words, Part II" und schon war das Album gefloppt.
|
|
|
16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das meistunterschätzte Album der 90er, 19. Juni 2001
Von Ein Kunde
Nach dem Erfolg von "More Than Words" und in dessen Fahrwasser von "Pornograffitti" hatten Extreme Narrenfreiheit und beschlossen, Musikgeschichte zu schreiben - nur hat es die Welt nicht gemerkt.Teil 1 "Yours" bietet, was man schon von der "Pornograffitti" kennt: funkigen Hardrock, diesmal durchgehend mit politisch engagierten Texten - wer die "Pornograffitti" auch jenseits des Hits mochte, wird hier - mit Ausnahme des etwas langweiligen "Cupid`s Dead" - eine Offenbarung erleben. Teil 2 "Mine" zeigt Extreme nicht mehr von der gesellschaftskritischen, sondern von der privaten Seite: Zuckersüßer, aber intelligenter Pop, meist Liebeslieder, aber auch das textlich naive, musikalisch einschmeichelnde "Stop The World". Am Ende dieses Teils steht mit "God Isn`t Dead?" ein ergreifender, knapper Übergang zu Teil 3 "& The Truth": Der Höhepunkt dieser Platte und des Extremeschen Schaffens überhaupt, der endgültige Beweis, daß auch Amerikaner ProgRock machen können (und was für welchen), unter Mithilfe von Mike Moran, der ja schon mit Extremes erklärten Vorbildern Queen und Freddie Mercury äußerst erfolgreich gewirkt hatte. Das ist wirklich ein über zwanzigminütiges Klangerlebnis, als sich permanent steigernde Akustiknummer beginnend, dann in Heavyrock übergehend, um in einer einfach wunderschönen, im besten Sinne bombastischen Orchesterphantasie zu enden, in deren Verlauf sich Frontman Gray Cherone als eine der größten (leider überhörten) Rockstimmen präsentiert. Atemberaubend! Auch der Ausnahme-Gitarrist und Multiinstrumentalist Nuno Bettencourt muß einfach erwähnt werden, der hier seine große Begabung vom ersten bis zum letzten Ton auslebt. Es ist nachvollziehbar, daß sich dieses Album auf dem Markt nicht durchsetzen konnte. Die "More Than Words"-Hörer waren schon vom Rest der "Pornograffitti" abgeschreckt, und auch den anderen machten es Extreme mit diesem Album nicht gerade leicht, zumal es keinen einzigen auch nur potentiellen Single-Hit enthielt. Dennoch zeigten Extreme hier wie nie zuvor und danach, daß sie von ihrem Engagement und ihrem musikalischen Können her eine der Bands der 90er Jahre und des 21. Jahrhunderts hätten werden können. Es sollte nicht sein, und nach ihrem vierten Album gingen sie dann getrennte Wege. Man kann es nur bedauern. Was bleibt, sind ihre vier Platten, deren am meisten unterschätzte und beste III Sides To Every Story ist. Für den aufgeschlossenen Freund experimentierfreudiger, schlicht und ergreifend guter Musik ist es indes nie zu spät.
|
|
|
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
überdosis kreativität, 24. Juni 2008
die realtiv hohe prominenz von extreme ende der achtziger/anfang der neunziger jahre beruhte auf einem missverständnis (oder mistverständnis, wie meine exfrau immer sagte). und das missverständnis hieß "more than words". ein wunderbarer song, keine frage, aber der lagerfeuer-welthit hatte nicht das geringste mit dem dampfenden funk-hardrock zu tun, den extreme sonst machten.
"III sides to every story" war der völlig überdrehte versuch der band, den gordischen knoten einfach mit einer überdosis kreativität zu sprengen. das konzept - drei alben in einem, funkrock das erste, pop und balladen das zweite, orchestraler progrock das dritte - klingt aus heutiger sicht rettungslos überzogen, war aber damals nicht so ungewöhnlich. die große hardrockwelle der achtziger jahre rollte am vorabend von "smells like teen spirit" auch in solch aufgeblasenen großunternehmungen aus. erst kurz zuvor hatten guns 'n' roses ihr doppeldoppelalbum "use your illusions" herausgebracht.
der funk-teil bietet sehr knackige rocksongs, allen voran "colour me blind" und "warheads". im popteil gibt es hervorragende stücke wie "tragic comic" und die wunderschön gesungene, ein bisschen faule, aber charmante ballade "seven sundays". der bombastteil zum abschluss funktioniert gut, die verschiedenen songstrecken rutschen sehr geschnmeidig ineinander.
dieses album wurde damals sehr oft mit queen verglichen, das kann ich so nicht nachvollziehen, extreme waren queenfans, ja, aber gary cherone singt völlig anders als freddie mercury, und nuno bettencourt spielt aber sowas von anders als brian may. der verschachtelte schlussteil mag ein bisschen an die ganz frühen queen ("queen II") erinnern, und die art, wie extreme rock und funk verbinden, ist - natürlich, geht gar nicht anders - von den queen rund um 1980 beeinflusst. aber die chöre haben hier viel eher ein beatles-flavour, und sie songs und arrangements erinnern mich mehr an die red hot chili peppers der letzten alben, wenn sie funk und westcoast-pop zusammenfließen lassen. ist ja auch wurscht, extreme klingen in erster linie wie extreme, so soll es ja auch sein.
was dieses album bis heute reizvoll macht (ich hab es sicher 12 jahre nicht mehr gehört), abgesehen vom makellosen, brillanten spiel: diese beeindruckende, glühende, überschießende kreativität. so viele ideen! eine tritt der anderen geradezu auf die füße.
und genau das ist auch der einzige punkt, der gegen diese platte spricht: es ist zuviel. hier herrscht oft ein durcheinander an faszinierenden, aber einander auch widersprechenden details. manchmal wirken die songs auch fast ein wenig bemüht, zu vordergründig "originell".
fazit: ein tolles, beeindruckendes album, das aber nicht lässig, nicht beiläufig wirkt. so hat man beim hören immer ein bisschen das anstrengende gefühl, ständig mitarbeiten zu müssen, fast wie im musikunterricht oder in einem klassischen konzert. ein faszinierendes statement einer band ist es allemal.
das ding war ein (relativer) kommerzieller flop, es folgten ein windschiefer auftritt beim freddie-mercury-tribute, das mühsame "waiting for the punchline"-album und gary cherones eher würdeloses gastspiel bei van halen.
extreme erinnern mich ein wenig an eine andere band dieser zeit: saigon kick. auch sie erzeigten eine hinreißend eigenständige mixtur aus rock, funk und pop, hatten mit "love is on the way" einen völlig untypischen singlehit - und wurden ansonsten total übersehen.
|
|
|
Die neuesten Kundenrezensionen
|