Dass sich die beiden Genres Horror und SciFi nicht unbedingt ausschließen müssen, sollte eigentlich seit Filmen wie "Alien" oder "Predator" bekannt sein. Immer häufiger setzen Autoren und Filmemacher in letzter Zeit auf einen Zusammenschluss beider Genres und konnten so manchen Treffer verbuchen.
Ein Vorreiter dieser sog. "Crossover"-Welle stellt zweifellos Richard Matheson dar - und ganz besonders sein Frühwerk I AM LEGEND (ganz zu schweigen davon, dass seine Geschichten einen nicht gerade geringen Einfluss auf moderne Ikonen wie Stephen King oder Dean Koontz gehabt hatten), dass man mit Fug und Recht als innovativen Meilenstein in der phantastischen Literatur be-zeichnen kann.
Erzählt wird die Geschichte von Robert Nevill - dem letzten Menschen der Welt. Nach einem biologischen Krieg, dessen Ende ein globaler Holocaust war, ist es Nevill, der als einziger noch übrig geblieben ist - fast. Denn neben ihm haben noch andere überlebt - nur kann man sie nicht als Menschen bezeichnen. Mutiert von den Viren in der Luft, irren aggressive Mutanten durch die Reste der Zivilisation ... auf der Suche nach Nahrung. Auf der Suche nach ... Blut. Wie Vampire fürchten sie sich vor Kreuzen und Knoblauch, geweihtem Wasser und natürlich dem Sonnenlicht. Und in Newill sehen sie ihren absoluten Feind - ein Relikt aus einer längst vergessenen Zeit, dass unschädlich gemacht werden muss.
Und so irrt Nevill tagsüber durch die verlassenen Ruinen; auf der Suche nach Nahrung, Benzin und ... ihnen. Doch Nachts wendet sich dass Blatt. Aus dem Jäger wird der Gejagte. Bleibt nur die Frage wer die Oberhand gewinnen wird ...
Mathesons Roman ist ziemlich kurz geraten (keine 200 Seiten), dafür allerdings erspart er dem Leser Überflüssiges. Sein Schreibstil ist glasklar und knallhart formuliert; stellenweise so nüchtern, als handle es sich um einen Unfallbericht. Aber es ist gerade dieser Stil, der die Spannung kontinuierlich steigert, bis sie fast schon wehtut. Denn jedem dürfte klar sein, dass es in diesem apokalyptischem Kampf keine Gewinner geben kann. Und so nüchtern, wie er Nevills Kampf gegen die Vampire beschreibt, so beiläufig erhebt Matheson auch Kritik an der menschlichen Zi-vilisation, besonders an ihrem Trieb zur Selbstzerstörung. Lange noch, nachdem man I AM LEGEND gelesen hat, wird man von dieser Geschichte verfolgt und gejagt; wird man nachdenklich über die Kritik des Autors, die zweifellos zeitlos ist.
So wie der Roman selbst.
Und dass ist vielleicht eines der besten Komplimente, die man einem Schriftsteller machen kann.