Nach 3 Jahren Pause veröffentlichte Nas nach seinen genialen "Illmatic" (1994) und "It Was Written" (1996) das erste seiner zwei 99er Alben, die eigentlich als Doppel-LP geplant waren, aus finanziellen Gründen dann aber getrennt wurden. "I Am" beginnt bombastisch mit "N.Y. State Of Mind Pt. 2", das von DJ Premier produziert wurde. Schon der erste Teil auf "Illmatic" war genial und eigentlich unerreichbar, doch auch die Weiterentwicklung hat es in sich. Auch "Hate Me Now" hätte Potential für einen echten Burner, da Nas gewohnt gut rappt und dabei noch deepe Rhymes kickt, wäre da nicht King Of Pop-Rap Puff Daddy mit am Start. Warum er den verpflichtet hat, weiß Nasty Nas wohl selbst nicht mehr so genau. Vermutlich für die Chartposition. Wie gewohnt bringt uns Nas auch auf diesem Werk wieder klasse Lyrics, die er in den eher ruhigen "Small World", "Favor For A Favor" mit Houston Legende Scarface und "Ghetto Prisoners" verarbeitet. Nas war und ist einfach der beste Lyricist unter den bekannten Rappern und bleibt seinem Motto, von der Straße, für die Straße, auch auf diesem Album weiterhin treu. Mit dem von Timbaland produzierten "You Won't See Me Tonight" mit R'n'B Prinzessin Aaliyah (R.I.P.) gibt es einen weiteren charttauglichen Track, der aber echt gut geworden ist, da sowohl Timbo's Beat, als auch die Vorstellung von Nas und Aaliyah sehr gelungen sind. Nas' alter Weggefährte L.E.S. stand bei "I Want To Talk To You" an den Reglern und zauberte einen klasse Street-Beat, noch dazu Nastradamus' geile, Politik kritisierenden Rhymes - einfach unbeschreiblich! Ein weiteres Star-Feature gibt es mit DMX auf "Life Is What You Make It". Man könnte zwar meinen, dass Nas versucht, sich den Style von X anzueignen, doch es ist eher andersrum. Ein eher ruhiger Beat und tiefgründige Texte, wie man sie vom Mann aus QB gewohnt ist, die allerdings jetzt nicht unbedingt zum Kollegen aus Yonkers passen, da man von DMX doch etwas roughere Sachen erwartet. Dennoch ist auch dieser Song ganz in Ordnung. Das Highlight schlechthin ist sicher der von DJ Premier stammende Smash "Nas Is Like", das auch der Auslöser für den Beef zwischen Nas und Jay-Z war. Der Beat ist einfach ein Meisterwerk und Nasir Jones tut das, was man von ihm erwartet. Sehr cool ist auch das durch steel-drums unterlegte "Money Is My Bitch", das einen der besten und ironischsten Hooks in Nas Discographie bietet. Insgesammt wurde "I Am" ein sehr gutes Album, das im Vergleich zu manch anderem Rapper sicher fünf Sterne verdient hätte, da ich es jedoch mit "Illmatic" und "It Was Written" vergleiche, gibt es "nur" vier. Für Nas-Fans sicher ein Muss, wie auch für alle, die auf guten Street-Hop stehen.
R.I.P. Ill Will