Crippled Black Phoenix' Kriegsthematikalbum I, Vigilante ist nicht überraschend anders, als der Vorgänger 200 Tons Of Bad Luck. Der - angebliche - Lückenfüller vor dem nächsten ,großen' Album bringt es dennoch auf 48 Minuten Laufzeit (verteilt auf fünf reguläre Titel zwischen knapp 7 und 12 Minuten plus 2:31 Bonus) und ist ein durchaus dicker Brocken.
Wie schon zuvor, klingen auch auf I, Vigilante streckenweise die alten Pink Floyd durch. Ein wenig Led Zeppelin ist mit drin und - um ein paar zeitgemäße Beispiele zu nennen - hin und wieder meint man Archive oder insbesondere Porcupine Tree / Steven Wilson durchzuhören.
Crippled Black Phoenix bleiben aber absolut eigenständig und bauen ihren Stil auf I, Vigilante sogar weiter aus. Der ,Lückenfüller' ist kein solcher. Das Album klingt reifer als 200 Tons Of Bad Luck und wechselt geschickter zwischen Heavyabschnitten, eingängigen Melodien und herrlich langen Gitarrensoli. Das Ganze ist weniger holzig, dabei aber nicht glatter. Die einzelnen Songs erfordern nach wie vor Durchhaltevermögen.
Schon der Auftakt Troublemaker zeigt, das Crippled Black Phoenix einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht haben. Der Song ist deutlich präziser eingespielt und auch besser produziert (Gesang etwas weiter vorn abgemischt und hörbarer), als das auf dem Vorgängeralbum häufig der Fall war.
Das 11-minütige We Forgotten Who We Are begeistert mit toller Pianolinie, heavy Gitarren mit zahlreichen Harmoniewechseln, erstklassiger Sologitarre, gewaltigen Drums und beherzt einsam klingenden Frauen-Solostimmen. Hier zeigen CBP deutlich, wie viel Potential noch in ihnen steckt. Spannend.
Fantastic Justice baut auf ähnliche Zutaten, setzt aber vereinzelt zusätzlich auf Bläser. Der Song wirkt dadurch schon etwas zu dick, aber lassen wir CBP weiter ausprobieren. Die Songchemie stimmt in jedem Fall.
Bleiben noch die letzten zwei Tracks. Der 12-minütige Bastogne Blues startet gefühlsmäßig zwischen Pink Floyds The Wall und Animals. Das langsam dahinkriechende Kriegsepos wird getragen von toller Akustikgitarre, überrschend guten Vocals, Streichern (wirklich gut eingesetzt) und Piano. Ein durchaus zäher Track, der aber gerade durch seine stoische Langsamkeit begeistern kann.
Of A Lifetime (ein Journey Song) ist für CBP Verhältnisse fast schon Pop und erschreckt zunächst mit einer Sängerin, die etwas seicht klingt, ihren Job im Verlauf des Songs aber zunehmend besser macht. Die allmählich durchdringende Sologitarre verliert sich dann ebenso wie die Drums zum Ende hin in einer selten guten 70er Jahre ProgEkstase.
Zum Schluss geht es dann noch weiter in der Zeit zurück. Der zweieinhalb Minuten kurze Hiddentrack Burning Bridges entlässt uns aus dem Album mit einer gefühlten Mischung aus No Milk Today, Aquarius und The Mamas & The Papas. Seltsam. Aber gut, originell und 1a gemacht. Spannendes Album.