Wenn man sich wie Peaches, einerseits imagemäßig als feministische und politisch engagierte Amazone (und trotzdem sexy) positioniert und andererseits auch den musikalischen Anspruch erhebt ,anders' zu sein, dann ist man schon in einer Nische angesiedelt, die recht hohe Ansprüche an jede Neuveröffentlichung hat. Ihr Kultstatus hilft mittlerweile ihre Alben zu verkaufen, aber wenn man sich ,I Feel Cream' nun nicht als eingeschworener Fan, sondern kritischer Musikkonsument anhört, dann bleibt da schon ein schaler Nachgeschmack.
Geboten wird hier - so homogen auf Albumlänge wie bei Peaches überhaupt noch nie - tanzbarer und minimalistischer electro-funk, der zwar durchaus geschmackvoll produziert wurde, und der auch mit ein paar eingängigen ,Songs' aufwartet, der aber nie so ganz überzeugen kann. Das liegt zum einen daran, dass sich dieses Album allzu sehr bemüht sexy und lasziv zu wirken, zum anderen an der Tatsache, dass man das alles so schon mal gehört hat (Lidell, tw. Sparro, Goldfrapp), und gerade Peaches eigentlich immer für musikalische Eigenständigkeit und Innovation stand. Auch wirkt das Album schon ein wenig zu glattgebügelt, und wenn die Dame dann auch noch Techno und House Versatzstücke integriert (Titletrack oder ,Mommy Complex') dann klingt es schlichtweg altbacken. Am besten funktionieren noch die kommerziellsten Stücke wie ,Talk To Me' (erinnert ein wenig an Prince frühe 90er) und ,Lose You' die durchaus charttauglich wären, und wenn Frau ,Pfirsiche' nun auch endlich mal Kohle verdienen will, dann sei ihr das gegönnt, aber dann muß Sie dieses Konzept auch voll durchziehen. Dieses Album ist für ein ,Hit Album' zu sperrig und für ein Nischen-Album zu glatt. Und originell geht auch anders.
Weil man den Ansatz und das Potential der Dame aber durchaus raushört und die tracks auch oft sehr gute grooves haben gehen sich 3 Sterne allemal aus.