Achtung, zerbrechliche Seele! Der kleine David hat sein bisheriges Leben ausschließlich in einem bulgarischen Gefängnis für politische Querulanten verbracht. 1952 wagt er die Flucht. Sie als Zuschauer dürfen ihn auf seiner gefährlichen und fesselnden Reise anderthalb Stunden begleiten.
Manche Filme laufen erstmal eine halbe Stunde an, langweilen den Betrachter mit umständlichen Einführungen der Charaktere und verlieren dadurch schon zehn Prozent ihres Publikums. Nicht so "I Am David": Von der allerersten Einstellung an (der Großaufnahme von Davids Gesicht) nimmt dieses Drama gefangen; sofort sind Sie mitten im Geschehen und sehen dem Knaben gebannt bei seiner Flucht aus dem Gefängnis zu.
Nach 5(!) Minuten musste ich erstmal Pause drücken und durchatmen.
Wer die DVD kauft, weil er Jim Caviezel-Fan ist, sei auf einen kleinen Etikettenschwindel vorbereitet: Obwohl der Jesus-Darsteller aus "Die Passion Christi" satte 50% des Covers für sich in Anspruch nimmt, taucht er nur als Nebenfigur in 5% des Films auf. Das ist aber auch gut so, denn die wahre Entdeckung ist Hauptdarsteller Ben Tibber, der mit seinem intelligent-ernsthaften Gesichtsausdruck und der fragilen hohen Stimme im O-Ton ein seltenes Erlebnis ist, für das man in jeder Minute dankbar ist. Wer immer ihn für die Rolle ausgesucht hat, darf sich von mir umarmt fühlen.
Richtig umfangreich, fast so lang wie der Hauptfilm, ist das Bonusmaterial mit Interviews, entfallenen Szenen, Audiokommentar und einem Blick hinter die Kulissen.
Ich bitte Sie, dieses bewegende Meisterwerk in Ihre Sammlung aufzunehmen und die unqualifizierten 1-Stern-Bewertungen gar nicht erst zu lesen. 2011 ist noch nicht vorbei, aber ich glaube, meinen Film des Jahres gefunden zu haben.