Klasse, daß es so viele begeisterte Kundenrezensionen zu dieser CD zu lesen gibt. Das ist ein klares Votum für die alte Weisheit: "Wer heilt, hat recht". Vom Standpunkt des Fachmannes aus gesehen (ich bin NLP-Master und psychologischer Psychotherapeut mit der Lizenz zur Kassenabrechnung von u.a. Hypnose) verstoßen diese Einspielungen nämlich gegen die meisten "goldenen Regeln" der Darbietung hypnoseinduzierender Inhalte.
Was mich am meisten stört, ist der ausgesprochen direktive Ansatz der Suggestionen. Anstatt die Ausgestaltung der szenischen Details der persönlichen Kreativität des Hörers zu überlassen, wird hier jeder einzelne Schritt, jeder Sinneseindruck und jede Bewegung des imaginierten Protagonisten minutiös vorgeschrieben. Ruhepausen, die der Vertiefung der Trance dienen würden und die der gewiefte Hypnotiseur bzw. NLPler mit weitgehend inhaltsfreien Floskeln bzw. "Fluff" angenehm füllen würde, werden hier vermieden bzw. lediglich mit variierenden Wiederholungen auf die Spitze getrieben: "Der ganze Schlamm fließt ab ... mehr und mehr und mehr Schlamm ergießt sich in den Abfluß ... immer dickere Brocken Schlamm plumpsen in den Abfluß ... unaufhörlich fließt der Schlamm ...".
Dabei imponieren durchaus gewagte Formulierungen, die ein sehr klares Bild von den Phantasien des Herrn Panholzer geben, die aber nicht unbedingt auch zum Hörer und seinen Assoziationen passen müssen. Ich persönlich fand die Schlammschlacht (siehe oben) recht ekelerregend, und ich hatte durchaus ablehnende Reaktionen bei den gewissermaßen "blutrünstigen" Anweisungen, wie ich mittels Schwerttechnik der mit Angst gedüngten Hecke zuleibe rücken sollte. Von Grundregeln wie dem Vermeiden von Negationen oder dem Verzicht auf die Erwähnung aversiver Affekte in hypnotischen Formulierungen scheint Kollege Panholzer nie gehört zu haben.
Unter diesen Umständen war es sicher eine gute Idee, die Aufnahme selbst einem professionellen Sprecher zu überlassen, und Frank Muth hat eine schön ruhige und sonore Stimme, die sich hervorragend für diese Aufgabe eignet. Leider scheint er eher der Gattung Hörbücher verpflichtet zu sein, denn in seinem Bemühen um abwechslungsreiche Betonung, die den äußerst schlicht gestalteten Texten wenigstens ein bißchen Attraktität verleihen soll, läßt er eine wirklich tief führende Trance nicht aufkommen.
Auf weitere Defizite dieser Produktion will ich gar nicht erst eingehen. Noch schlechter sind, nach meinem derzeitigen Kenntnisstand, nur die Einspielungen von Dieter Eisfeld. Im Grunde sollte jeder Laie nach einem einzigen der drei Grundkurse der DGH (Deutschen Gesellschaft für Hypnose) in der Lage sein, ein besseres Produkt abzuliefern. Daß es aber auch anders geht, beweist z.B. Werner Eberwein mit seinen zweckdienlichen Trancereisen, die zwar in der Regel mit zu vielen Absichten überfrachtet, aber technisch hervorragend umgesetzt sind. Falls Sie also lieber woanders weitersuchen möchten...