So weit ganz brauchbar. In komprimierter Form werden Prinzipien und Methoden von Hypnose und Hypnosetherapie dargestellt.
Aber: Leider leistet sich der Autor eine Reihe von Schnitzern, die von seiner begrenzten Fachkompetenz zeugen. Wie kommt er zum Beispiel darauf, dass sich bei der so genannten "modernen Hypnosetherapie" (er meint damit offensichtlich ericksonsche Ansätze) keine schnellen Erfolge einstellen würden? Das scheint reine Fantasie zu sein. Nicht nur meine eigene Praxis, sondern auch die vieler (auch namhafter) Kollegen beweisen nahezu täglich das Gegenteil!
Im Abschnitt Unwahrheiten kritisiert der Autor eine häufige Meinung (die durchaus von Fachleuten getragen wird), dass man in Trance noch einen eigenen Willen hätte. Dies sei in Tieftrance nicht mehr der Fall. Der Autor versteht hier offensichtlich überhaupt nicht, worum es den Fachleuten tatsächlich bei einer solchen Aussage geht. Das hat nichts mit dem Willen des üblichen Alltagsbewusstseins zu tun, sondern geht eher um ein grundsätzliches Verständnis davon, wie Suggestionen wirken. Es würde zu weit führen, das in allen Einzelheiten hier zu erläutern. Daher vielleicht nur so viel, dass lebende Systeme (und dazu gehört auch der Mensch, nicht wahr?) nicht von außen zu einem bestimmten Erleben gezwungen werden können, sondern sich autopoietisch selbständig organisieren (Maturana, Autopoiese). Wie der Autor später an anderer Stelle selbst ausführt, gibt es eine "tiefere Instanz" im Menschen, die ihn auch in tiefsten Trancezuständen schützt und leitet. Selbst Dave Elman, ein Meister der Tiefenhypnose im letzten Jahrhundert, betont immer wieder, dass Menschen selbst in tiefster Trance alles mitbekommen (vieles wird aber nach der Trance wieder vergessen) und sich nur deshalb zum Befolgen der Suggestionen entscheiden, weil sie (zum Beispiel) gut und hilfreich für sie sind.
Einem ganz ähnlichen Missverständnis unterliegt der Autor beim Thema "Jede Hypnose ist Selbsthypnose". Er versteht ganz offensichtlich auch hier nicht, was damit gemeint ist. Und es ist durchaus kein "kluger Satz, den einmal ein Therapeut von sich gegeben" und der seit dem "von allen möglichen Hypnoseanwendern nachgeplappert und vehement verteidigt" wird. Es ist die Erkenntnis und gängige Lehrmeinung eines großen Teils der wissenschaftlichen (einschließlich empirischer) Hypnoseforschung! Es geht dabei auch ganz und gar nicht darum, dass der Klient "den Hypnotiseur unterstützt, indem er aktiv daran mitwirkt, eine Trance zu entwickeln", wie der Autor schreibt. Diese Aussage, "Jede Hypnose ist Selbsthypnose", bezieht sich vielmehr auf die gleichen Dinge, die ich vorhin bereits erwähnt habe. Der Ansatz ist der, dass jede Suggestion erst dann und dadurch wirkt, dass sie zur Autosuggestion wird, sprich auf tiefer Ebene vom Klienten angenommen wird. Und das muss durchaus kein willentlich bewusster Prozess sein! Es sei noch einmal an Maturana (und andere) erinnert: Wir können in dem Sinne nichts Neues von außen in einen Menschen "hineinfüllen". Natürlich, all diese Dinge sind wissenschaftlich nicht unumstößlich und werden diskutiert. Und es gibt immer wieder neue Erkenntnisse und widerstreitende Konzepte. Nur, so wie der Autor die letzten beiden Dinge als "Unwahrheiten" darstellt, mangelt es ihm offensichtlich an tieferem Verständnis und Wissen zu den Themen.
Völlige Unkenntnis zeigt sich auch im Abschnitt über die rechtliche Situation, wo der Autor behauptet, Ärzte, Heilpraktiker und Psyhotherapeuten dürften Heilversprechen abgeben. Gerade diese Personengruppe ist an das Heilmittelwerbegesetz gebunden, das jedes Heilversprechen ausschließt!
Auf die extrem verallgemeinernden und undifferenzierten Aussagen zur Esoterikszene, die lediglich die Vorurteile des Autors wiederspiegeln, will ich hier gar nicht erst näher eingehen.
Ein wenig mehr Differenzierungsvermögen und verlässliche Fachkenntnis wäre bei der Veröffentlichung von Fachbüchern schon wünschenswert.