Bisher dachte ich, dass man Menschen zwar gegen ihren Willen hypnotisieren kann, jedoch danach vom Wertesystem eines scheinbar gefügig Gemachten an weiteren Grenzüberschreitungen gehindert wird. Offenbar ist das in dieser Absolutheit ein schwerer Irrtum, denn das Buch von Ulrich Gresch berichtet über ziemlich entsetzliche und leider erfolgreiche Versuche, die genau das Gegenteil beweisen. Nur wenig beruhigend ist dabei, dass solche vom Opfer nicht wahrgenommenen externen Programmierungen unter Hypnose nur bei wenigen Menschen und nur unter bestimmten Bedingungen funktionieren. Ganz anders stellt sich die Lage leider dar, wenn zusätzliche drastische Zwangsmaßnahmen ins Spiel kommen.
In der Einleitung verdeutlicht Gresch die Ziele, die er mit seinem Text verbindet: Er möchte vor allem über "die effektivste Form der geistigen Versklavung" aufklären, die bisher ersonnen wurde und sich dann mit den Konsequenzen beschäftigen. Als Quellen nennt der Autor andere Bücher, Aussagen von Betroffenen und Dokumente der CIA, die der Vernichtung entgangen sind. Obwohl Gresch bekundet, die Motive für die Versklavungsversuche auszuklammern und sich nur mit den Methoden auseinandersetzen zu wollen, bleibt das natürlich eine Illusion, weil Motiv und Methode hier untrennbar zusammenhängen.
Schon das erste Kapitel ("Die dunkle Seite der Hypnose") macht deutlich, wie schwer es wird, objektiv über Bewusstseinskontrolle berichten zu wollen. Denn darüber, ob man Menschen überhaupt unter Hypnose gegen ihr inneres Wertesystem gerichtete Befehle erteilen kann, wird unter Psychologen erbittert gestritten. Während der Autor meint, dass dies durchaus möglich sei und dafür historisch verbürgte Beispiele aus der Kriminalistik anführt, sind berühmte Fachleute genau gegenteiliger Meinung. Aus ethischen Gründen sind Experimente, die zur Klärung dieses Streits führen könnten, ausgeschlossen. Den vom Autor angeführten Beispielen wird von einigen Fachleuten die Beweiskraft abgesprochen.
Der Autor nimmt wie auch andere Psychologen an, dass die Hypnosetiefe den entscheidenden Faktor für Manipulationsversuche darstellt. Ohne Anwendung weiterer Hilfsmittel sind nämlich nur wenige Menschen so tief hypnotisierbar, dass ihr kritisches Bewusstsein ausgeschaltet werden kann. Gelingt dies jedoch, dann scheint es möglich zu sein, falsche Erinnerungen, fremde Überzeugungen, Gedächtnisblockaden und sogenannte posthypnotische Befehle in Menschen einzupflanzen.
Doch zu einer effektiven geistigen Versklavung strebten Geheimdienste - und darum geht es in diesem Buch eigentlich - die Schaffung sogenannter multipler Persönlichkeiten an. Die Multiple Persönlichkeitsstörung ist ein bereits lange bekanntes und in der Psychologie relativ gut beschriebenes Phänomen. Menschen, die unter einer solchen Krankheit leiden, vereinen in sich wenigstens zwei meistens ganz unterschiedliche Personen mit separiertem Gedächtnis und eigener Geschichte, die auch voneinander wissen können oder sogar miteinander kommunizieren. Solche Menschen führen jedoch kein bewusstes Doppelleben, sondern springen gewissermaßen von einer Persönlichkeit zu einer anderen.
Der Autor erklärt dies im zweiten Kapitel. Für Geheimdienste schien die absichtliche Schaffung solcher Persönlichkeitsspaltungen zu Beginn des Kalten Krieges ein offenbar dringliches Ziel gewesen zu sein. Um Menschen dermaßen zu fragmentieren, muss man sie in früher Kindheit traumatischen Erlebnissen unterziehen. Der Autor nennt in diesem Zusammenhang oft den (rituellen) Kindesmissbrauch. Auch bestialische Foltermethoden können zu einer Persönlichkeitsspaltung führen.
Anschließend werden diese traumatisierten Menschen einer hypnotischen Behandlung unterzogen. Damit die notwendige Hypnosetiefe erzeugt werden kann, kommen Drogen, Elektroschock- und Strahlenbehandlungen ins Spiel. Das alles ist der Inhalt des dritten Kapitels.
Im vierten Kapitel befasst sich Gresch mit der Bewusstseinskontrolle in Kulten, insbesondere bei Satanisten. Auch hier vermutet er den CIA als Drahtzieher, weil solche Sekten plötzlich und gleichzeitig an verschiedenen Orten der USA entstanden und Psychologen bei Opfern feststellen mussten, dass immer nach ein und derselben Methode vorgegangen wurde.
Einige bekannte Organisatoren solcher CIA-Programme werden im 5. Kapitel vorgestellt. Hier versucht der Autor dann doch das Motiv dieser Leute zu erklären. Allerdings erscheinen diese Ausführungen nicht besonders überzeugend, was allerdings auch daran liegen kann, dass man damals ziemlich naive Vorstellungen von "taktischen Nuklearkriegen" hatte. Im sechsten Kapitel beschreibt der Autor einige Prozesse, die gegen die CIA und Satanisten im Zusammenhang mit deren Psychoprogrammen geführt wurden. Das Buch endet mit einem Kapitel über Schlussfolgerungen und Konsequenzen zu diesem Thema.
Auch wenn die Beweislage erwartungsgemäß sehr dürftig ist, so erscheint die Existenz von Programmen zur geistigen Versklavung beim CIA und anderen Diensten eine Tatsache zu sein. Das Buch stellt eine einzigartige Lektüre zu diesem Thema dar. Es ist etwas zu umfangreich, aber gut lesbar, leidet ein wenig an Wiederholungen und wird gegen Ende schwächer. Sein Verdienst besteht jedoch zweifelsohne darin die Geschichte zusammenzufassen und für eine breitere Leserschaft offenzulegen.
Aus dem oben erwähnten Grund geht der Autor der Frage aus dem Weg, wozu diese ganzen bösartigen Programme geschaffen wurden. Was ferngesteuerte Menschen wirklich anrichten können, dürfte inzwischen jedoch mehr als deutlich geworden sein.
Fazit.
In diesem Buch werden Methoden beschrieben, die es Geheimdiensten und anderen Interessierten möglich machen, die Persönlichkeit eines Menschen so zu zerstören, dass man ihn gezielt und ohne sein Wissen zu bestimmten Taten programmieren kann. Der Text geht sehr ausführlich auf die Geschichte solcher "Projekte" und die einzelnen Methoden ein.