Kurzbeschreibung
Über den Autor
FRIEDRICH HöLDERLIN
(1770-1843)
1770-1774 LAUFFEN AM NECKAR
1770 20. März: Johann Christian Friedrich Hölderlin wird als erstes Kind des Klosterhofmcisters Heinrich Friedrich Hölderlin (1736-1772) und seiner Frau Johanna Christiana (1748-1828), geb. Heyn, geboren.
1771 7. April: Geburt der Schwester Johanna Christiana Friederike (gest. Iö. November 1775).
1772 5. Juli: Tod des Vaters nach einem Schlaganfall.
15. August: Geburt der Schwester Maria Eleonora Heinrike.
1774 10. Oktober: Zweite Heirat der Mutter mit dem Kammer rat Johann Christoph Gok (1748-1779), der 1777 Bürgermeister in Nürtingen wird.
1774-1784 NüRTINGEN AM NECKAR
1774 Oktober: Nach der Hochzeit der Mutter Umzug nach Nürtingen.
1775 18. August: Geburt der Stiefschwester Anastasia Carolina Dorothea (gest. 19. Dezember 1775).
1776 Eintritt in die Lateinschule in Nürtingen.
29. Oktober: Geburt des Stiefbruders Karl Christoph Friedrich Gok.
1777 16. November: Geburt und Tod eines Stiefbruders.
1778 12. November: Geburt der Stiefschwester Friederike Rosina Christiana (gest. 20. Dezember 1783).
1779 8. März: Tod des Stiefvaters.
1780 bis 1783: Ablegung der zum übertritt in die niedere Klostcrschule vorgeschriebenen vier Landcxamina.
1784-178 DENKENDORF
1784 20. Oktober: Eintritt in die niedere evangelische Klosterschule Denkendorf.
1785 November: Erster erhaltener Brief und erste Sammlung von Gedichten.
1786-1788 MAULBRONN
1786 18./19. Oktober: Einzug seines Schuljahr gangs („Promotion") in die höhere Klostcrschule Maulbronn.
1787 Jahresanfang: Beginn seiner Liebe zu Louise Nast (1768—1839) und Freundschaft mit deren Cousin, dem Leonberger Stadtschreiber Immanuel Nast. März: Lektüre Ossians; später Klopstocks, Schillers, Schubalts, Youngs und Wielands.
1788 April: Prägende Lektüre des Don Carlos.
2.-6. Juni: Reise in die Pfalz. Hölderlin sieht zum erstenmal den Rhein.
Sommer: Vermutlich Anlage des sog. „MarbacKcr Quartheftes", einer Sammlung von Gedichten unter dem Eindruck der religiösen Erziehung sowie von Klopstocks Hymnik.
1788-1893 TüBINGEN
21, Oktober: Einzug seiner „Promotion" in das Tübinger Stift.
Spätherbst: Aufnahme in einen Freundschafts- und Dichterbund mit Christian Ludwig Neuffer (1769-1839) und Rudolf Friedrich Heinrich von Magenau (1767-1846).
1789 März/April: Lösung seines Verlöbnisses mit Louise. Osterfcrien: Neuffer macht Hölderlin bei einem Besuch in Stuttgart mit Gotthold Friedrich Stäudlin (1758-1796) und Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) bekannt. Neuffers Mutter, eine Griechin, beeindruckt Hölderlin nachhaltig.
14. Juli: Sturm auf die Bastille. Der Verlauf der Ereignisse der Französischen Revolution wird von vielen Stiftlern mit Aufmerksamkeit verfolgt.
1790 Frühjahr: Gründung des „Aldermann-Bundcs" mit Neuffer und Magenau.
Sommer: Erste Bekanntschaft mit Elise Lebret (1774-1839), der Tochter des Kanzlers der Universität.
September: Mit dem Magisterexamen schließt Hölderlin seine erste philologisch und philosophisch ausgerichtete Studienphase ab. Spätherbst: Beginn eines vertiefenden Studiums von Kant und Piaton. Lektüre von Heinse, Herder, Bürger undjacobi.
Jahresende: Die Bekanntschaft mit Elise entwickelt sich zu einer problcmbelasteten Liebesbeziehung. Mehrere Gedichte um die Figur Lyäa entstehen.
1791 Frühjahr: Beginn der Freundschaft mit Hegel (1770-1831), der sich dann auch Schelling (1775-1854) anschließt. Nachhaltige Identifikation mit den Ideen der Französischen Revolution
April: Reise mit Freunden in die Schweiz; Besuch bei Lavater in Zürich.
September: Erste Gedichtveröffentlichung in Stäud-lins Musenalmanach fürs Jahr 1792.
1792 Sommer: Die erste, die sog. Tübinger Fassung des Hypm'ott-Romans entsteht.
1793 20. September: Nach dem Abschlussexamen am Tübinger Stift schlägt Schiller auf Empfehlung von Stäudlin Hölderlin als Hofmeister bei der Familie Charlotte von Kalbs vor.
6. Dezember: Konsistorialexamen in Stuttgart als Abschluss der theologischen Studien und als Berechtigung für die geistliche Laufbahn.
1793-1795 WALTERS HAUSEN IN FRANKEN
1793 28. Dezember: Ankunft auf dem Landsitz der Familie von Kalb in Waltcrshauscn (Franken).
1794 Beziehung zu der jungen Witwe Wilhelmine Marianne Kirms (geb. 1772), die im Juli 1795 eine (uneheliche) Tochter zur Welt bringt (gest. 20. September 1796).
Sommer: Intensive Arbeit am Hyperion-Roman, von dem im Herbst ein Fragment in Schillers Thalia erscheint.
November: Reise mit seinem neunjährigen Zögling Fritz von Kalb nach Jena, wo ihm Charlotte von Kalb vielfache Kontakte vor allem mit Schüler vermittelt. Täglicher Besuch der Vorlesungen Fichtes an der Universität Jena.
1795 16. Januar: Ende der Hofmeistertätigkeit bei den von Kalbs im gegenseitigen Einvernehmen.
1795 JENA - TüBINGEN
1795 Frühjahr: Beginn der Freundschaft mit Isaac von Sinclair (1775-1815), mit dem er gemeinsam ein Gartenhaus in Jena bewohnt.
15. Mai: Hölderlin trägt sich als Student in Jena ein.
Anfang Juni: Fluchtartiger Aufbruch aus Jena und
Rückkehr nach Nürtingen.
Sommer/Herbst: Schwere Krise. Besuche bei
Freunden (Schelüng, Neuffer u. a.) in Tübingen und
Stuttgart.
28. Dezember: Ankunft Hölderlins in Frankfurt.
1796-1798 FRANKFURT
1796 Januar: Antritt der Hofmeisterstelle im Hause Gontard.
Besuche im nahegelegenen Homburg bei Sinclair, der dort als Regierungsrat im Dienst des Landgrafen steht.
Mai: Die Familie Gontard bezieht ihre Sommerwohnung vor den Toren der Stadt. Um diese Zeit beginnt vermutlich die Licbcsbczichung zu Susette Gontard (1769-1802), der Frau des Hauses (Heirat 1786; ein Sohn und drei Töchter). Sommer bis Herbst: Arbeit an der Endfassung des Hyperion, den Schiller schon im März 1795 Cotta zur Verlagnahmc vorgeschlagen hatte. 10. Juli: Flucht der Familie (ohne den Hausherrn) vor den heranrückenden Franzosen nach Kassel. Ende Juli: Bekanntschaft mit Wilhelm Heinse, dem Autor des Ardingheüo. 9. August: Weiterreise nach Bad Driburg.
Ende September: Rückkehr nach Frankfurt.
1797 Januar: Beginn intensiver Kontakte zu Hegel, der eine Hofmeister stelle in Frankfurt angetreten hat. April: Der erste Band des Hyperion erscheint bei Cotta in Stuttgart. In der Zeit bis September: Weiterarbeit am zweiten Teil des Hyperion.
August: Erster, detaillierter Plan zu dem Trauerspiel Der Tod des Empedokks.
1798 25. September: Nach einer Auseinandersetzung mit dem Hausherrn Lösung des Arbeitsverhältnisses bei der Familie Gontard.
1798-1800 BAD HOMBURG
1798 Ende September: Umzug nach Homburg, wo Sinclair eine Wohnung vermittelt.
4./5. Oktober: Erstes Wiedersehen mit Susettc in Frankfurt. Hölderlin hält bis zum Mai 1800 heimlich Kontakt zu Susette und tauscht mit ihr Briefe. Ende November: Reise zum Rastattcr Kongress, der viele Bekanntschaften mit republikanisch gesinnten Freunden Sinclairs bringt.
1799 Mai/Juni: Arbeit am Projekt des Empedokles, das Anfang 1800 abgebrochen wird.
Juni: Plan einer eigenen Zeitschrift Iduna. Oktober: Der zweite Band des Hyperion erscheint. 7. November: Hölderlin übergibt Susette den zweiten Band des Hyperion mit der Widmung „Wem sonst als Dir".
Arbeit an poetologischen und philosophischen Aufsätzen.
1800 8. Mai: Letztes Treffen mit Susette Gontard in Frankfurt.
1800 STUTTGART
1800 Juni: Rückkehr in die schwäbische Heimat. Nach kurzem Aufenthalt bei der Mutter in Nürüngen nimmt Hölderlin Wohnung in Stuttgart bei dem Tuchhändler Christian Landauer. - Zahlreiche Gedichte entstehen in dieser produktiven Schaffensphase. Der Wanderer, Brot und Wein, Der Archipela-gus.
1801 HAUPTWIL
1801 15. Januar: Hölderlin tritt seine dritte Hofmeisterstelle im Hause Gonzenbach in Hauptwil (Schweiz) an.
9. Februar: Der Friede von Luneville wird Anlass für die Hymne Friedensfeier.
13. April: Beendigung der Tätigkeit im Hause Gonzenbach und Rückkehr nach Nürtingen.
1801 NüRTINGEN
1801 Juni: Vergebliche Bemühungen um eine Vorlesungstätigkeit an der Universität Jena.
August: Für eine geplante Gedichtausgabc bei Cotta fertigt Hölderlin Reinschriften seiner Oden, Elegien und Gesänge an.
Dezember: Nach Vermittlung einer neuen Hofmeisterstelle Reise zu Fuß über Straßburg und Lyon nach Bordeaux.
1802 BORDEAUX
1802 28. Januar: Antritt der Hofmeisterstelle im Hause des Konsuls Daniel Meyer. Mitte Mai: Aufgabe der Hofmeistertätigkeit in
beiderseitigem Einvernehmen und Rückweg über Paris.
1802-1804 STUTTGART - NüRTINGEN
1802 Mitte/Ende Juni: Erschöpft und verstört kommt Hölderlin nach Stuttgart und Nürtingen zurück. 22. Juni: Susette Gontard stirbt an den Röteln. Nach Erhalt von Sindairs Nachricht begibt sich Hölderlin Anfang Juli in ärztliche Behandlung.
29. September: Auf Einladung Sinclairs Reise zum
Reichstag in Regensburg.
Oktober: Vermutlich Beginn des 92-seitigen sog.
„Homburger Folioheftes" mit Reinschriften und
Gedichtentwürfen.
1803 13. Januar: Brief an Sinclair mit der Widmungs-handschrift der Patmos-Hynme,
1804 April: Hölderlins übertragung der Trauerspiele des Sophokles erscheint bei Friedrich Wilmans in Frankfurt (1. Bd. Oeäipus, 2. Bd. Antigona).
1804-1806 HOMBURG
1804 22. Juni: Reise mit Sinclair nach Homburg, wo er (pro forrna) die Stelle eines Hofbibliothekars übernimmt.
Ende des Jahres: Neun Nachtgesänge erscheinen in Wilmans Taschenbuch für das Jahr 1805.
1805 26. Februar: Sinclair wird von württembergischen Beamten verhaftet.
27. Februar: Beginn des Hochverratsprozesses gegen ihn und befreundete republikanische Gesinnungsgenossen in Ludwigsburg. Die Auslieferung und
Einbeziehung Hölderlins in den Prozess kann durch Hinweis auf seinen bedenklichen Geisteszustand verhindert werden.
10. Juli: Einstellung des Verfahrens gegen Sinclair. 180ö 11. September: Hölderlin wird wegen schwerer Geisteszerrüttung von Homburg nach Tübingen verbracht.
1806-1843 TüRINGEN
1806 15. September: Aufnahme im neueröffneten Auten-riethschen Klinikum in Tübingen.
1807 3. Mai: Hölderlin wird als unheilbar entlassen. Der Tübinger Schreinermeister Ernst Zimmer (1772-1838) nimmt ihn, begeistert von der Lektüre des Hyperion und nach einer Begegnung mit dem Dichter in der Klinik, zur Pflege in sein Haus auf. Bis zu seinem Tode bewohnt er das Turmzimmer im Hause des Handwerkers. Von den vielen Texten und Gedichten, die in dieser langen Lebensphase entstehen, sind nur wenige Proben erhalten.
1815 29. April: Tod Sinclairs in Wien.
1822 3. Juli: Erster Besuch Wilhelm WaibHngers (1804-1830), der Hölderlins Vertrauen gewinnt.
1823 27. Juli: Besuch Eduard Mörikes (1804-1875) bei Hölderlin.
1826 Gustav Schwab (1792-1850) und Ludwig Uhland {1787-1862) geben eine erste Sammlung der Gedichte von Friedrich Hoelderlin bei Cotta in Stuttgart heraus.
1828 17. Februar: Hölderlins Mutter, die den Sohn kein einziges Mal besucht hat, stirbt.
1831 Die erste Biographie Friedrich Hölderlins Leben,
Dichtung und Wahnsinn von Wilhelm Waiblinger
erscheint postum. 1843 7. Juni: Tod Hölderlins kurz vor 23 Uhr.
10. Juni: Beerdigung unter großer Anteilnahme von
Studenten auf dem Stadtfriedhof in Tübingen. 1846 Die erste zweibändige Gesamtausgabc der Werke
durch Christoph Theodor Schwab erscheint unter
dem Titel Friedrich Hölderlin's sämmtliche Werke bei
Cotta. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .