Für wenig Geld bekommt man ein durchweg schön gemachtes, vierfarbig bebildertes Buch, das Websites von vor zwei Jahren präsentiert. Aber: Internet-Jahre sind Hunde-Jahre. Deshalb kann man die Ausführungen von Roy McKelvey, seines Zeichens Grafikdesign-Lehrer einer amerikanischen Provinz-Uni, getrost ad acta legen.
Die von Lynda Weinmann übernommene Methode, sich den Quelltext anzuschauen, sie nennt es Dekonstruktion, heißt bei McKelvey Analyse. Und die Positionierung von Seiten-Elementen, insbesondere Fließ-Text, Initialen, Einzüge etc., durch Tabellen, reicht bei weitem nicht an David „Killer Websites" Siegel heran.
Auch im Schreibstil bleibt McKelvey hinter seinen Vorbildern zurück. Seine haarsträubenden Thesen über die höhere Akzeptanz von immensen Download-Zeiten bei schönen Graphiken dürften nur von seinen Studenten unwidersprochen bleiben, und sind von der Forschung längst widerlegt worden. Ansonsten erfreut sich der Autor bestenfalls an der Existenz des Seienden, schlimmstenfalls biedert er sich an die Hersteller, Dienstleister und Agenturen an.
Roy McKelvey feiert die Preisträger von anno dazumal noch einmal ab. Deshalb hat sein Buch, abgesehen von der Farbskala, lediglich historischen Wert. Die Fehler, Irrtümer und falschen Hoffnungen, die man 1997/98 hegte, wird man bei McKelvey nicht finden. Dazu ging er zu blauäugig ins World Wide Web.