Mein Bemühen, mich als Betroffener in den letzten Wochen intensiv in das Thema ADS einzulesen, führte zu einer für mich erschreckenden Erkenntnis:
Offensichtlich ist "ADS bei Kindern" zu einem gesellschaftlichen Modethema verkommen. Ein Modethema, das jeder noch so parasitäte Dummschwätzer für sich zu vermarkten sucht und in Buchform auf Dummenfang geht.
Alles was ich zunächst wollte und brauchte waren seriöse Informationen über die Ursachen der Krankheit, die Besonderheiten und Erfolgsaussichten der wirksamsten Behandlungsmethoden mit und ohne Medikamente, sowie Ratschläge, wie das familiäre Umfeld helfen kann und zu helfen hat.
Habe ich diese bekommen? Letztendlich ja. Allerdings war es tatsächlich einfacher, sich aus den USA die aktuellesten Sachbücher zum Thema zu bestellen und diese durchzugehen. Erst dann war es letztendlich möglichm, aus der endlosen Weite der deutschsprachigen Veröffentlichungen die wenigen seriösen Fachbücher herauszufiltern. Und für jedes Fachbuch gibt es gleich mehrere Bauernfängerbücher, die keinen noch so hirnrissen Schwachsinn auslassen. Gibt es funktionierende Behandlungsansätze ohne Medikamente? Durchaus - auch wenn im Regelfall eine multimodale Behandlung mit Therapie, familiärer Unterstützung und eben auch Medikamenten billiger, stressfreier für das Kind und schneller eingreift. Dummerweise scheinen diese alternativansätze nur leider nicht reißerisch genug, um sie gewinnbringend zu vermarkten - also muss werbewirksamerer Blödsinn her.
Völlig ohne Rücksicht darauf, dass es hier um Fragen geht, die das ganze Leben der betroffenen Kinder unwiderruflich prägen werden - nichts ist heilig, wenn man verängstigte Eltern mit irgendwelchen "Wunderheilerversprechen" abzocken kann.
Meines Erachtens ist das vorliegende Buch eines dieser völlig nutzlosen Bücher. Falls die Autorin sich mit dem aktuellen Stand der Forschung auch nur ansatzweise umfassend vertraut gemacht hat, lässt sie es jedenfalls in diesem Buch nicht erkennen. Statt dessen reitet sie auf der grünen Harmoniewelle und kommt uns mit der bahnbrechenden Theorie das - salopp gesagt - ADS durch "gesunde Ernährung", "spirituelle Harmonie" und "Liebhaben" problemlos heilbar sei.
Praktische Belege und genaue Daten über die Erfolgswahrscheinlichkeit ihrer Behauptungen hat Frau Simonsohn indes nicht. Wie auch? Sie behandelt ja gar keine ADS-Kinder.
Mir persönlich drängt sich eher der Eindruck auf, dass die Qualifikationen der Autorin darin bestehen, nach einem Politologiestudium, das nicht gerade eine Jobgarantie ist, sich mit Seminaren zu beliebten Ökothemen für Besserverdienende - insb. "biologische Ernährung" und "Reiki" - über Wasser gehalten zu haben und nun die Angst und Orientierungslosigkeit der vielen ADS-Betroffenen als neue Einnahmequelle entdeckt zu haben.
Wenn Sie allerdings bereits aus anderen Quellen informiert sind und eine funktionierende Behandlungsmethode für sich oder ihre Lieben haben, kann ich dieses Buch zu einem anderen Zweck empfehlen: Wenn man es nicht ernst nimmt und bereits wissenschaftlich gesicherte Daten zum Vergleich hat ist es teils durchaus extrem komisch :-) .