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5.0 von 5 Sternen
Lücke geschlossen, 7. Juni 2002
Rezension bezieht sich auf: Hyperaktive Jugendliche und ihre Probleme: Erwachsen werden mit ADS. Was Eltern tun können (Taschenbuch)
"Wie können Eltern den Jugendlichen zum Lernen motivieren?" Diese berechtigte Frage vieler besorgter Eltern von Jugendlichen mit ADHS beantwortet die Autorin ebenso provokativ wie realistisch mit den Worten: "Gar nicht". Aber sie belässt es nicht dabei, sondern gibt dem Leser viele praxiserprobte Tipps, wie er seinen Jugendlichen trotzdem bei der Bewältigung der ADHS-typischen Schul- und Lernprobleme wirksam unterstützen kann. Dabei ist die Schul- und Lernsituation nur einer der vielen Problembereiche im Leben der Betroffenen und ihrer Familien, denen sich Cordula Neuhaus mit ihrem Buch zuwendet. Die besonders brisante Mischung "ADHS + Pubertät", die Neuhaus sehr treffend als "Superpubertät" bezeichnet, bring Eltern und LehrerInnen oft zur Verzweiflung und an den Rand ihrer Kräfte. Die bisherige ADHS-Ratgeberliteratur konzentrierte sich jedoch weitgehend auf die Probleme vorpubertärer Kinder, die besonderen - ja, besonders brisanten - Probleme der Jugendlichen und jungen Erwachsenen wurden entweder gar nicht oder nur en passant behandelt. Das Buch ist deshalb von Seiten der Betroffenen und ihrer Verbände sowie von einschlägigen Experten als längst überfällig begrüßt und gelobt worden. Als erster und bisher einziger ADHS-Ratgeber in deutscher Sprache setzt sich das Buch auch mit der Entwicklungspsychopathologie von ADHS auseinander. So beschreibt die Autorin beispielsweise die ADHS-immanente Unfähigkeit der betroffenen Jugendlichen zum Perspektivenwechsel, die verstanden werden muss, um deren damit verbundenen Probleme im sozialen Umgang mit anderen und der anderen mit ihnen verstehen zu können. Das Werk ist vereinzelt von Seiten kritisiert worden, die ADHS entgegen dem aktuellen wissenschaftlich gesicherten Erkenntnisstand weiterhin auf das Ergebnis gestörter Eltern-Kind-Beziehungen und/oder gesellschaftlicher Fehlentwicklungen reduzieren wollen. Leider haben derartige, heute nicht mehr haltbare Ansichten aber nicht viel mehr als Schuldzuweisungen anzubieten. Cordula Neuhaus liefert mit ihrem lesenswerten Buch weder einfache Scheinerklärungen noch wohlfeile Ratschläge, sondern leistet in allgemein verständlicher Weise fundierte Aufklärungsarbeit über das komplexe, neurobiologisch begründete Störungsbild ADHS bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Lektüre ist nicht nur ein Muss für Eltern, LererInnen und alle, die mit Betroffenen zu tun haben, sondern auch für die Betroffenen selbst.
Michael Townson
1. Vorsitzender
Elterninitiative AdS e.V.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Endlich verstehe ich meine Kinder, 21. Mai 2001
Rezension bezieht sich auf: Hyperaktive Jugendliche und ihre Probleme: Erwachsen werden mit ADS. Was Eltern tun können (Taschenbuch)
Dieses Buch ist ein Wegweiser für Eltern die Kinder mit Ads haben. Wir haben unsere Kinder so oft nicht verstanden,auch Therapeuten nicht. Dieses Buch hat uns geholfen Schwächen unserer Kinder zu akzeptieren, ihre Stärken zu erkennen und zu fördern. Es hat uns Hoffnung gemacht und uns bestärkt das Leben mit unseren Kindern gelassener zu leben.
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53 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Chance leider vertan..., 14. Januar 2003
Rezension bezieht sich auf: Hyperaktive Jugendliche und ihre Probleme: Erwachsen werden mit ADS. Was Eltern tun können (Taschenbuch)
Cordula Neuhaus hat für dieses Buch sicherlich gewissenhaft recherchiert. Außerdem verfügt sie bekanntlich über langjähriger Erfahrung im Umgang mit ADS-Betroffenen. So weit, so gut. Leider ergeben diese beiden Aspekte zusammen noch keinen guten ADS-Ratgeber für betroffene Eltern.
Das größte Problem des Buches ist, dass es sehr distanziert (leider auch gegenüber dem Leser) und akademisch-streng geschrieben ist. Es handelt sich eher um eine wissenschaftliche Abhandlung, mit der man vielleicht Fachkollegen beeindrucken kann, als um einen warmherzigen Ratgeber, der leidgeprüfte Eltern direkt anspricht und ihnen Optimismus und Hilfe bietet. Beispiele gefällig? „A. Robin fasst 1998 in seiner hervorragenden Übersicht über die Komorbiditäten und die Diffenzialdiagnose bei ADHS bezüglich der Depression zusammen, dass Kinder/Jugendliche mit ADHS bei ihrer syndromtypischen Affektlabilität oft reaktiv depressiv sind, aber deswegen nicht immer alle Kriterien der „major depression" erfüllen." Oder: „Generalisierte Angststörungen sind diffenzialdiagnostisch gut abgrenzbar, da ausschliesslich ängstliche Kinder, Jugendliche und Erwachsene kein durchgehendes Muster des verzögerten Beginnens einer Aufgabe oder der Impulssteuerungsschwäche zeigen." Alles klar??
Neuhaus neigt zu einem altbackenen-dozierenden und umständlichen Schreibstil. Der Text ist von Substantivierungen, Passivformen und Fachtermini durchsetzt und nicht sehr angenehm zu lesen. „Typisch Neuhaus" sind Passagen wie diese: „Das Einhalten von Grenzen ist einzufordern, Fehler sollen und dürfen gemacht werden".
Hat man sich daran gewöhnt und sich bis zum Schluss durch das Buch gequält, so lautet die wenig Mut machende Quintessenz in etwa: Ein ADHS-Betroffener denkt, fühlt und handelt immer extrem. Und solange er nicht therapiert wird, bleibt das auch ein Leben lang so. - Nun, diese Erkenntnis mag ja im Kern richtig sein, aber mal ehrlich: ist das alles, was wir uns von der Lektüre des Buches erhofft haben?!
Nachdem die erste Hälfte des Buches nahezu ausschliesslich die „extremen" Symptome von ADS-Betroffenen beschreibt und ausmalt, was alles Schlimmes passieren kann, werden dann endlich in der zweiten Hälfte auch nützliche Tips für den Umgang mit ADHS-Jugendlichen gegeben. Nur leider nicht in übersichtlicher Form als Zusammenfassung oder Checkliste am Ende eines Kapitels, sondern wahllos im Text verstreut. Im schlimmsten Fall liest sich ein Tip dann z.B. so: „Eine differenzialdiagnostische Abgrenzung darf nie vorschnell und ausschliesslich erfolgen." Ob der durchschnittliche Leser damit etwas anfangen kann, darf bezweifelt werden.
Irgendwie kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als habe Frau Neuhaus in ihrem wissenschaftlichen Übereifer den potentiellen Leserkreis des Buches aus den Augen verloren. Hier hätte ein wachsameres Lektorat einiges bewirken können, aber diese Chance wurde leider vertan. Eine letzte Kostprobe: „Bei der nicht selten beobachteten Komorbidität mit einem ‚Gilles-de-la-Tourette-Syndrom" bricht dieses völlig unabhängig von der Stimulanzienbehandlung früher oder später aus" steht auf Seite 269 im Kapitel über die medikamentöse Therapie. Worum es sich bei diesem ominösen Syndrom eigentlich handelt, verrät uns Frau Neuhaus übrigens nicht. Wozu auch, der Fachkollege weiss ja Bescheid...
Dieses Buch mag (leider!) der einzige deutsche „Ratgeber" sein, der sich speziell mit ADS-Jugendlichen befasst. Umso bedauerlicher, dass die Autorin die Chance vertan hat, einen leicht verständlichen, mutmachenden und übersichtlichen Ratgeber zu schreiben. Manchmal hat man das Gefühl, ADS-Kinder seien für sie lediglich hochinteressante Studienobjekte. Würde sie über das Paarungsverhalten von Ameisen referieren, es würde sich wohl kaum anders lesen.
Fazit: wer sich auf den aktuellen Stand der Forschung bringen will, mindestens das Abitur, dazu noch eine medizinisch-psychologische Ausbildung besitzt und bereit ist, über stilistische Eigentümlichkeiten und Defizite der Autorin hinwegzusehen, für den ist dieses Buch eine gute Wahl. Auch ADS-Insider und eingefleischte „Neuhausianer" werden wieder auf ihre Kosten kommen. Allen anderen kann man jedoch davon nur abraten. Für sie gibt es bessere Ratgeber, die diese Bezeichnung auch wirklich verdienen, wie z.B. das „A-D-S-Buch" von Aust-Claus/Hammer.
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