Songs die, wenn man sie lässt, einen zu Tränen rühren können, die scheinbar nicht nur den Weg ins Ohr, sondern auch direkt ins Herz genau kennen. Sigur Ros, die isländischen Klangkünstler haben mit Hvarf-Heim mal wieder ein Meisterwerk kreiert. Ein Album mit zwei Seiten und das kann man wörtlich nehmen.
Auf Hvarf, was übersetzt soviel wie Hafen bedeutet, sind drei komplett neue und zwei überarbeitete Studio-Aufnahmen zu finden. Ganz im typischen, elektrischen Panorama-Breitklang. Auf der anderen Seite des Albums, namens Heim, sind eingängige Akustikversionen von sechs Favoriten der Band, die es auf so ruhige Art und Weise vorher nicht zu hören gab.
Die Violinen summen leise, die Gitarren flüstern und das Schlagzeug treibt voran. Diese elf Songs klingen insgesamt alle euphorisch, traurig und befreiend zu gleich.
Und obwohl der Track Hafsol fast die 10-Minuten-Marke knackt, wirds nie langweilig oder wirkt auch nur ein Stück in die Länge gezogen. Jeder Ton, jede Sekunde baut dem Song erst die vier Wände und ein Dach. Und dabei schmiegen sich die Melodien wieder an einen heran, und stürzen einen regelrecht in tiefe Träume. Wie immer flechten Sigur Ros wieder verschiedenste Geräusche ein, wie im Song I Gear, der einen mit der Melodie einer aufziehbaren Spieluhr fast schon einlullt, bis plötzlich ein Gitarrengewitter einsetzt.
Speziell die Laut-Phantasie-Sprache auch Hopelandic genannt, die Sänger Jón Thór Birgisson begnadet einbindet, geben den Tracks erst diese Einzigartigkeit. Hier und da denkt man einzelne Worte aufzuschnappen, die einem bekannt vorkommen, aber selbst dabei gelingt es Sigur Ros die Vorstellungskraft erst so richtig anzusticheln.