M83 wird auch mit diesem Album nicht der Durchbruch gelingen.
Man kann Vergeiche finden, mal erinnert es an Air, an Mercury Rev (Holes), Dancepop oder eben nach M83 selbst. Es finden sich jede Menge Selbstzitate, v.a. an ihr rotweinschweres Meisterwerk Before the Dawn heals us (Saturdays = Youth geriet mir etwas zu seicht). Sogar wieder Kindergebrabbel, 80er Sounds! Normalweise ziemlich schlimm, passt es hier in den Kontext. Dazwischen wieder beängstigende Soundscapes, schön an sich, doch bedrohlich im Vorborgenen. Wie das Monster unter Deinem Bett, das da hauste, als Du noch ein Kind warst, und Mutter sich weigerte, das Licht brennen zu lassen. Oder bunte Bilder, die im Dunkeln erstanden, als Du einen Fiebertraum hattest. Der Gesang hat mitunter etwas Krähenhaftes, als wolle er die Träumerei jäh zerreißen. Gastauftritte (Zola Jesus) geraten zur Nebensache, dieses Album kann man nicht musikalisch greifen, dieses Album ist ein Gefühl zwischen tiefer Traurigkeit, Euphorie und Vergänglichkeit. Etwas für Borderline-Melancholiker oder hoffnungslose Anachronisten. Für den Jungen mit Flaumbart, der im Schulhof in seinem Ganzjahres-Parker allein rumstand und einem nie so richtig in die Augen schaute. Es ist zweifelhaft, ob sich viele jüngere Hörer in diese Welt einlassen können, mit all dem Pathos, den musikalischen Referenzen, oder ob sie entnervt aufgeben.
...das Fieber hat nachgelassen, die endlose Nacht nun doch vorbei, Mutter bringt einen Tee. Es riecht nach trockenwarmem Herbstlaub durch das gekippte Fenster.